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  • Ferdi Schüth: Ehrung für GDNÄ-Vizepräsidenten

    Ehrung für GDNÄ-Vizepräsidenten

    Alwin Mittasch-Preis 2025 für Ferdi Schüth

    Für seine herausragenden Arbeiten in der Katalyseforschung erhält Professor Ferdi Schüth, Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr, den Alwin Mittasch-Preis 2025. Damit würdigt die Deutsche Gesellschaft für Katalyse (GeCatS) sein Wirken als kreativer Impulsgeber und Initiator neuer Katalysekonzepte sowie als Wegbereiter für den Transfer von neuen Erkenntnissen der Katalyseforschung in die wirtschaftliche Anwendung. Derzeit ist Ferdi Schüth Vizepräsident der GDNÄ; im Jahr 2027 wird er die Präsidentschaft übernehmen.

     Der Alwin Mittasch-Preis wird für herausragende Forschungsarbeiten verliehen, die zu einem tieferen Verständnis oder einer Erweiterung der Grundlagen der Katalyse und ihrer industriellen Anwendung geführt haben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der BASF unterstützt. Die Preisverleihung findet am 13. März 2025 im Rahmen des Jahrestreffens Deutscher Katalytiker in Weimar statt. 

    Ferdi Schüth ist ein international herausragender Chemiker, der auf dem Gebiet der heterogenen Katalyse tätig ist, insbesondere im Bereich der Katalyse-Materialien. Seine Arbeiten legten den Grundstein für viele bahnbrechende Entdeckungen, etwa für nanostrukturierte Katalysatoren mit kontrollierter Porosität und gezielter Platzierung von funktionellen Einheiten für verschiedene Anwendungsbereiche. Auf dem Gebiet der Mechanokatalyse von Gasphasenreaktionen gelang es Ferdi Schüth, Ammoniak bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck zu synthetisieren. Darüber hinaus war er einer der Pioniere der High-Throughput-Experimentation (HTE) mit modernen Methoden, was 1999 zur Gründung der hte GmbH führte. Damit wurde gewissermaßen die Forschung von Alwin Mittasch fortgesetzt, der mit „manuellen“ High-Throughput-Ansätzen Tausende Experimente mit verschiedenen Feststoffen durchführte. 

    Paul Alwin Mittasch (1869-1953) war ein deutscher Chemiker und  Naturwissenschaftshistoriker sorbischer Herkunft. Durch seine bahnbrechenden und systematischen Forschungen zur Katalysatorentwicklung für die Ammoniak-Synthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren gelangte er zu großem Ansehen. Der nach ihm benannte Preis wird seit 1990 verliehen. 

    Die Deutsche Gesellschaft für Katalyse (German Catalysis Society, GeCatS) ist die Plattform für die gesamte deutsche Katalyse-Community im Bereich Forschung und Anwendung. Sie hat rund tausend Mitglieder aus Industrie und akademischen Institutionen. GeCatS fördert den Austausch zwischen Industrie, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschungspolitischen Organisationen und vertritt die Interessen der Katalyse-Community auf nationaler und internationaler Ebene.

    Professorin Eva-Maria Neher © Universität Göttingen/Peter Heller

    © Frank Vinken für MPI für Kohlenforschung

    Professor Dr. Ferdi Schüth

    Zur Person

    Ferdi Schüth hat in Münster Chemie und Jura studiert und in Chemie promoviert. Er war Postdoc am Department für Chemieingenieurwesen der Universität von Minneapolis in den USA und hat sich 1995 in Mainz für Anorganische Chemie habilitiert. 1995 wurde er auf einen Lehrstuhl für Anorganische Chemie in Frankfurt berufen und 1998 zum Direktor und Wissenschaftlichen Mitglied am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim ernannt. Schüth ist seit 1999 Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum. Von 2014 bis 2020 war er Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft.

    Weitere Informationen

    Nachruf auf Dietrich von Engelhardt

    Nachruf auf Dietrich von Engelhardt

    „Wir werden ihn sehr vermissen“

    Er war der GDNÄ jahrzehntelang eng verbunden: als Veranstalter glanzvoller Tagungen, als Autor, Interviewpartner und wohlwollender, kompetenter Ratgeber: Nun ist Professor Dietrich Baron von Engelhardt im Alter von 83 Jahren in Karlsruhe verstorben. Für seine herausragenden Verdienste um die Weiterentwicklung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte wurde der renommierte Wissenschaftshistoriker 2016 mit der Alexander-von-Humboldt-Medaille ausgezeichnet.

    Nach Auskunft seiner Familie verstarb Dietrich von Engelhardt am 14. Januar 2025. „Über diesem Tode der Natur, aus dieser toten Hülle nur, geht eine schönere Natur, geht der Geist hervor“ – dieses Hegel-Zitat leitet die Traueranzeige ein und wer Dietrich von Engelhardt gekannt hat, wird es als überaus passend empfinden.

    „Für die GDNÄ ist der Tod von Dietrich von Engelhardt ein herber Verlust“, sagt der Schatzmeister und Generalsekretär der GDNÄ, Professor Michael Dröscher, und fügt hinzu: „Unvergessen bleibt das von ihm organisierte großartige Symposium zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ mit viel Prominenz aus Wissenschaft und Politik.“ Als Mitglied der GDNÄ-Bildungskommission sei Professor von Engelhardt Vordenker einer Allgemeinbildung durch Naturwissenschaften gewesen. Michael Dröscher: „Bis zuletzt stand er uns mit seinem profunden historischen Wissen ins stets liebenswürdiger Weise zur Seite. Wir werden ihn sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

    Die Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der GDNÄ enthält ein vierseitiges Interview mit Professor von Engelhardt. Auf die Frage, wie er sich die Robustheit der GDNÄ erkläre, antwortete er: „Vor allem mit ihrer Einzigartigkeit. Ihr Kernanliegen ist seit ihrer Gründung 1822 der interdisziplinäre Austausch zwischen Naturwissenschaftlern und Medizinern ebenso wie die Verbindung zu Philosophie und Gesellschaft.“ Wünschenswert fände er einen dezidierten Brückenschlag zu den Geisteswissenschaften, auch als Beitrag zur Lösung ethischer und juristischer Herausforderungen der Gegenwart.

    Noch im Sommer 2024 veröffentlichte Dietrich von Engelhardt das beeindruckende Werk „Goethe als Naturforscher im Urteil der Naturwissenschaft und Medizin des 19. Jahrhunderts“. Der umfangreiche Quellenband, der eine Forschungslücke schließt, ist in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ulrike von Engelhardt entstanden. In einem Interview auf dieser Website berichtete er von seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Goethe und dessen Arbeiten zu Themen aus Naturwissenschaften und Medizin. Sein Buch sei deren Rezeption im 19. Jahrhundert gewidmet, aber „notwendig und aufschlussreich wäre jetzt ein Vergleich mit den Reaktionen in den Geisteswissenschaften und Künsten seit dem 19. Jahrhundert bis heute – eine Arbeit, die ich anderen Forschern überlassen möchte.“ Jetzt verstehen wir, warum er das sagte.

    Dietrich von Engelhardt hinterlässt seine Ehefrau Ulrike von Engelhardt und fünf Kinder mit ihren Familien. Statt Blumen freuen sich die Angehörigen über eine Spende an Ärzte ohne Grenzen, IBAN DE72 3702 0500 0009 7097 00, Stichwort: Trauerfall Dietrich von Engelhardt.

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    © IMGWF – Lübeck

    Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt

    Zur Person

    Professor von Engelhardt war von 1983 bis 2007 Ordinarius für Geschichte der Medizin und Allgemeine Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten Naturphilosophie, Naturwissenschaften, Medizin in Idealismus und Romantik sowie europäische Wissenschaftsbeziehungen. 1997 organisierte Professor von Engelhardt ein großes Symposium zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ in Lübeck. Er war Herausgeber der zugehörigen Festschrift „Forschung und Fortschritt“ sowie der „Schriftenreihe über die Versammlungen Deutscher Naturforscher und Ärzte“. Dietrich von Engelhardt war Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Mitglied der GDNÄ war er seit 1981.

    Weitere Informationen:

    Bücher (Hg. Dietrich von Engelhardt)
    >> Forschung und Fortschritt, Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Stuttgart 1997 (Sammelband mit wegweisenden Reden von Lorenz Oken bis Hubert Markl; antiquarisch erhältlich)
    >> Zwei Jahrhunderte Wissenschaft und Forschung in Deutschland, Entwicklungen – Perspektiven“, Stuttgart 1998 (Tagungsband zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ; antiquarisch erhältlich)
    Interview auf dieser Website

    Anke Kaysser-Pyzalla: „Wichtig ist mir der Dialog zwischen den Generationen“

    „Wichtig ist mir der Dialog zwischen den Generationen“

    Am 1. Januar 2025 hat die Ingenieurwissenschaftlerin und Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, die Präsidentschaft der GDNÄ übernommen.

    Kaysser-Pyzalla wurde von den Mitgliedern der GDNÄ für zwei Jahre in das Amt gewählt. In der mehr als zweihundertjährigen Geschichte der Naturforschergesellschaft ist die Ingenieurwissenschaftlerin die dritte Frau in dieser Funktion. Ihr Vorgänger, der Berliner Zoologe Professor Heribert Hofer, bleibt der Naturforschergesellschaft bis Ende 2026 als Erster Vizepräsident verbunden.

    Als GDNÄ-Präsidentin ist Anke Kaysser-Pyzalla verantwortlich für das wissenschaftliche Programm der 134. Versammlung der Gesellschaft. Sie wird im September 2026 unter dem Titel „Wissen schafft Nutzen – Wissenschaft nutzen“ in Bremen stattfinden. „Die Stadt bietet eine herausragende Kongress-Infrastruktur und, zusammen mit Bremerhaven, eine Fülle von renommierten Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen“, sagt die neue Präsidentin.

    Die Tagungen der GDNÄ sind seit jeher Foren des persönlichen Austauschs zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftsbegeisterten. „In Bremen werden wir noch mehr Raum für Interaktion schaffen“, kündigt Kaysser-Pyzalla an. Die von Heribert Hofer initiierte und kürzlich gegründete Jugendorganisation der Gesellschaft, die Junge GDNÄ, werde sich mit frischen Ideen in die Programmgestaltung einbringen. In den letzten Jahren seien neue Formate für die Diskussion zwischen etablierten Wissenschaftlern und jungen Talenten entstanden, die allen Beteiligten zugute kämen, sagt die gelernte Maschinenbau-Ingenieurin: „Die Generationen können viel voneinander lernen und diesen Prozess werde ich im Interesse der GDNÄ fördern.“

    Mit ihrer interdisziplinären Ausrichtung sei die GDNÄ hervorragend geeignet, die komplexen Herausforderungen der Zeit fächerübergreifend zu erörtern. Wichtig sei ihr aufzuzeigen, wie aus Forschung Innovationen und Technologien mit dem Ziel gesellschaftlichen Nutzens entstehen, sagt die neue Präsidentin. Mehr junge Frauen für einen Beruf im naturwissenschaftlich-technischen Spektrum begeistern: Diesem Ziel ist Kaysser-Pyzalla seit Jahren verpflichtet und auch ihn ihrer neuen Funktion will sie sich dafür einsetzen.

    Die Angebote der GDNÄ sollten nach Ansicht der neuen Präsidentin möglichst niedrigschwellig sein und Bürgerinnen und Bürgern eine echte Teilhabe an den Wissenschaften erlauben: „Auch damit tragen wir zur Stabilität unserer Demokratie bei.“

    „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, die Zusammenarbeit mit tollen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand sowie den hocheffizienten Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle“, sagt Anke Kaysser-Pyzalla.

    DLR_Anke_Kaysser-Pyzalla

    © DLR

    Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla

    Zur Person

    Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla hat in Bochum und Darmstadt Maschinenbau und Mechanik studiert. Sie wurde an der Ruhr-Universität Bochum promoviert und habilitierte sich dort. Nach Forschungstätigkeiten am Hahn-Meitner-Institut (HMI) und an der Technischen Universität Berlin forschte und lehrte sie von 2003 bis 2005 an der Technischen Universität Wien. 2005 wechselte sie als Wissenschaftliches Mitglied, Direktorin und Geschäftsführerin in die Leitung des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung GmbH nach Düsseldorf. 2008 folgte die Berufung zur Wissenschaftlichen Geschäftsführerin der Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH, die unter ihrer Leitung aus der Fusion von HMI und der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) hervorging. 2017 wurde Anke Kaysser-Pyzalla zur Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig gewählt. Seit 2020 ist sie Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Präsidentin der GDNÄ ist sie seit dem 1. Januar 2025.

    Weitere Informationen:

    Heribert Hofer: „Wir empfangen die jungen Leute mit offenen Armen“

    „Wir empfangen die jungen Leute mit offenen Armen“

    Was wurde erreicht, was steht an? Nach zwei Jahren als GDNÄ-Präsident blickt Heribert Hofer zurück – und voraus auf spannende Zeiten mit der Jungen GDNÄ. 

    Herr Professor Hofer, Ihre Amtszeit als Präsident der GDNÄ neigt sich dem Ende zu. Wie blicken Sie zurück?
    Mit einem guten Gefühl. Die Scheu, die ich zu Beginn angesichts der großartigen Geschichte der GDNÄ empfand, ist überwunden. Dazu beigetragen hat die positive Resonanz bei der Versammlung in Potsdam, deren wissenschaftliches Programm in meiner Amtszeit erarbeitet wurde. Heute bin ich mehr denn je überzeugt, dass die GDNÄ mit ihren Anliegen richtig liegt und eine Lücke im Wissenschaftssystem füllt. Denken wir nur an die einzigartige Verknüpfung des persönlichen, fachübergreifenden Austausches, wie wir ihn auf unseren Versammlungen pflegen, oder an die Programme zur Förderung junger Talente. 

    Sie engagieren sich seit vielen Jahren im Schülerprogramm der GDNA und haben das beliebte Science-Slam-Format „Wissenschaft in 5 Minuten“ auf die Beine gestellt. Empfinden Sie die Gründung der Jungen GDNÄ vor wenigen Wochen in Potsdam als Krönung Ihrer Amtszeit?
    Krönung ist vielleicht eine Nummer zu groß, ich würde eher von einem Highlight  sprechen. Mit der Jungen GDNÄ räumen wir den jungen Leuten deutlich mehr Mitsprache und Gestaltungschancen in unserer Gesellschaft ein. Erkennbar war das in Potsdam zum Beispiel bei den vielen Podiumsgesprächen, in denen junge Leute mit etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Augenhöhe diskutierten. Das Format fand so großen Anklang beim Publikum, dass wir es in Zukunft beibehalten wollen.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Mittendrin: Professor Heribert Hofer bei der GDNÄ-Versammlung 2024 in Potsdam.

    Bisher gab es das Schülerprogramm, jetzt ist fast immer die Rede von der Jungen GDNÄ. Wie hängt beides zusammen? 
    Das frühere Schülerprogramm geht in der Jungen GDNÄ auf. In ihr sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der Oberstufe vertreten, sondern auch Studierende und Berufsanfänger. Das Altersspektrum ist also wesentlich größer als beim Schülerprogramm und reicht von 17 Jahren bis etwa 32 Jahre. Die Junge GDNÄ, das sind  junge Leute mit sehr guten Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern und in der Medizin und mit Interesse am tatkräftigen Einsatz in der GDNÄ.

    Wie reagieren die Nachwuchstalente auf das Angebot?  
    Die freuen sich unglaublich über das Interesse gestandener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an ihnen. Viele von ihnen kommen nämlich mit der Vorstellung auf unsere Versammlungen, dass die Älteren sich nicht für sie interessieren – eine Erkenntnis, die mich in den letzten Jahren immer wieder erstaunt hat.  Mit der Jungen GDNÄ empfangen wir die jungen Leute mit offenen Armen und das finden die toll. Es gibt auch schon eine Menge Anregungen und Wünsche. Deutlich wurde das kürzlich bei einer Strategiesitzung, an der neben dem GDNÄ-Vorstand auch drei gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Jungen GDNÄ teilnahmen. 

    Was wünschen sich junge Frauen und Männer von der GDNÄ? 
    Zum Beispiel interessante Angebote zwischen den Versammlungen, Gelegenheiten zum persönlichen Austausch auf lokaler Ebene und mit etablierten GDNÄ-Mitgliedern. 

    Was folgt jetzt daraus? 
    Fest eingeplant ist eine Zusammenkunft der Jungen GDNÄ im kommenden Jahr, in dem ja keine große GDNÄ-Versammlung stattfindet. Das Treffen dient der inneren Vernetzung und Strategiediskussion. Wir wollen auch Ortsgruppen aufbauen, in denen GDNÄ-Mitglieder aller Altersstufen zusammenkommen, um zu diskutieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Anfang wurde bereits 2018 durch den damaligen Präsidenten Wolfgang Wahlster gemacht, aber in den Pandemiejahren ist die Initiative verständlicherweise eingeschlafen. Denkbar sind darüber hinaus interessante Veranstaltungen, zum Beispiel Führungen in Instituten oder Firmen. Wahrscheinlich werden wir in ein paar Universitätsstädten anfangen und unser Ortsgruppennetz Schritt für Schritt erweitern. Erste Gruppen gibt es voraussichtlich in einem halben Jahr.  

    AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

    © MIKA-fotografie | Berlin

    „Wissen teilen heißt Wissen multiplizieren“ steht es auf dem T-Shirt, mit dem GDNÄ-Präsident Heribert Hofer zum Abschluss der 133. Versammlung in Potsdam von Generalsekretär Michael Dröscher bedacht wurde.

    Sie skizzieren ein intergenerationelles Projekt. Werden die älteren GDNÄ-Mitglieder mitspielen?
    Ich bin da ganz zuversichtlich. Die Beiträge der Jungen GDNÄ kommen bei den Versammlungen sehr gut an, sowohl bei den Vortragenden als auch beim Publikum. Und in vielen Gesprächen mit etablierten Mitgliedern habe ich eine große Bereitschaft gespürt, sich für die Förderung des Nachwuchses zu engagieren. 

    Das Vorhaben erfordert viel Koordination: Wer hält in der GDNÄ die Fäden zusammen?
    Als künftiger Vizepräsident werde ich diese Aufgabe für zwei Jahre übernehmen. Darauf haben wir uns im Vorstand geeinigt. Es wird viel Arbeit sein, aber ich freue mich darauf. 

    Sie haben demnächst vielleicht auch mehr Zeit für solche Projekte.
    Richtig. Ende März 2025 erreiche ich das Pensionsalter und damit endet meine Amtszeit als Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Auch die reguläre Professur für dieses Fachgebiet an der Freien Universität Berlin läuft dann aus. Ich werde zwar weiterhin als Seniorprofessor an meiner Universität tätig sein, aber die Arbeitsbelastung wird deutlich sinken. Das gibt mir Zeit für die GDNÄ. 

    Und was wird aus Ihrer spektakulären Hyänenforschung in der Serengeti?
    Damit mache ich auf jeden Fall weiter. Nicht unbedingt vor Ort in Tansania, das machen jetzt andere, insbesondere Sarah Benhaiem, an die ich das Projekt übergeben habe. Aber in den 37 Jahren meiner Hyänenforschung sind große Datenmengen entstanden, die auf ihre Auswertung und Publikation warten. Das wird mich locker fünf Jahre beschäftigen.

    Mit Medaille und Urkunde in der Bielefelder Stadthalle © David Ausserhofer

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Der Berliner Zoologe Prof. Dr. Heribert Hofer, GDNÄ-Präsident von 2023 bis 2024 und 1. Vizepräsident ab Anfang 2025.

    Zur Person

    Professor Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, wurde von der GDNÄ-Mitgliederversammlung für die Jahre 2023 und 2024 in das Präsidentenamt gewählt und war somit zuständig für die wissenschaftliche Gestaltung der 133. Versammlung im Jahr 2024 in Potsdam.

    Der renommierte Zoologe (64) leitet das Leibniz-IZW in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000 und ist seither auch Professor für Interdisziplinäre Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin. Vor seiner Berliner Zeit forschte er von 1986 bis 1999 am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen, zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne. Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.

    Der GDNÄ ist der international bekannte Wissenschaftler seit vielen Jahren eng verbunden. Er engagierte sich als gewählter Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Fach Biologie, mit Redebeiträgen auf Versammlungen, als Vizepräsident bei der Vorbereitung der 200-Jahr-Feier in Leipzig, und seit Anfang 2023 als Präsident der GDNÄ. Am 1. Januar 2025 wechselt Professor Hofer für zwei Jahre in das Amt des 1. Vizepräsidenten der Naturforschergesellschaft.

    Weitere Informationen:

    Zur Jungen GDNÄ: „Lebhafte Diskussionen vor großem Publikum“

    „Lebhafte Diskussionen vor großem Publikum“

    Von Professor Michael Dröscher, Schatzmeister und Generalsekretär der GDNÄ

    Das Programm für Schülerinnen und Schüler ist zu einem der Markenzeichen der GDNÄ geworden – neben der wissenschaftlichen Exzellenz der Vorträge und dem interdisziplinären Austausch. Viele der jungen Menschen, die in den vergangenen Jahren am Programm teilgenommen haben, sind Mitglied bei der GDNÄ geblieben und kommen weiter zu den Versammlungen. Wir wollen möglichst viele von ihnen an die GDNÄ binden und haben deshalb die Junge GDNÄ gegründet.

    Dank der großzügigen Zusagen der Heraeus-Stiftung, der AKB-Stiftung, der Stiftung Familienunternehmen und der Bayer Foundation, wesentliche Beiträge der Kosten für die jungen Teilnehmenden zu tragen, konnten wir das Schülerprogramm weitgehend aus den Zuwendungen finanzieren. Insgesamt nahmen 138 junge Leute teil, davon 98 Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Preisträgerinnen und Preisträger von Jugend forscht sowie 40 Studierende, wovon einige ehemalige Teilnehmende des Programms in Greifswald, Saarbrücken und Leipzig waren. Die meisten Schülerinnen und Schüler kamen aus Potsdam, Berlin und der näheren Brandenburger Umgebung. Aus Bielefeld, wo der Leiter unseres Schülerprogramms, Studienrat Paul Mühlenhoff, im gymnasialen Schuldienst tätig ist, reisten 27 Jugendliche an.

    Es wurden rund 260 Schulen mit gymnasialer Oberstufe angeschrieben und um Nominierungen gebeten. Pro Schule konnten bis zu vier Kandidatinnen und Kandidaten benannt werden. Leider war auch in diesem Jahr der Aufwand, die Schulleitungen zur Teilnahme am Programm zu bewegen, ausgesprochen groß.

    Die Gesamtzahl der Teilnehmenden war begrenzt durch die Zahl der Betten in der Jugendherberge. Es konnten zunächst auch alle Plätze gefüllt werden. Leider mussten einige der Schülerinnen, Schüler und Ehemalige ihre Teilnahme kurzfristig absagen, so dass am Ende insgesamt 138 Teilnehmende dabei waren.

    Alle Teilnehmenden erhielten eine Vier-Tages-Karte für den Nahverkehr in Potsdam

    Die Gesamtleitung des Schülerprogramms übernahm, wie schon bei den letzten Versammlungen, Studienrat Paul Mühlenhoff. Als Mentoren begleiteten Professor Heribert Hofer, Professorin Eva-Maria Neher, Professor Uwe Hartmann, Professor Peter Liggesmeyer, Professor Wolfgang Lubitz und Professor Michael Dröscher, unterstützt durch fünf Tutorinnen und Tutoren, die Teams. Die Last der Organisation trugen die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, Sylvia Landeck und Katja Diete.

    © Dima-Juschkow

    Die Junge GDNÄ auf der Versammlung 2024 in Potsdam, zusammen mit Nobelpreisträger Professor Ben Feringa (vordere Reihe, Mitte).

    Workshops

    Im Unterschied zum Ablauf in Leipzig hatten wir dieses Mal die Workshops auf den Samstag vor der Versammlung gelegt, um einen engeren Bezug zu den Vorträgen zu schaffen. Im Hotel Mercure Potsdam trafen sich am 7. September von 11.00 bis 17.00 Uhr 86 Teilnehmende in den sechs Fachteams Chemie, Biologie, Physik, Informatik, Technikwissenschaften und Medizin, um sich auf das Tagungsthema „Wissenschaft für unser Leben von morgen“ vorzubereiten. Aufgabe war es, die Arbeitsgebiete der Vortragenden zu erkunden, sich in die Vortragsthemen einzuarbeiten und Fragen zu entwickeln, die nach jeder Session in einer Podiumsdiskussion mit den Vortragenden und moderiert von den Session-Leitern diskutiert wurden. Am Donnerstagnachmittag, also noch vor Beginn der Versammlung, wurden diejenigen, die am Vorworkshop nicht hatten teilnehmen können, auf die Teams verteilt. Die Teams wählten jeweils drei bis fünf Vertreterinnen und Vertreter für die einzelnen Fachpodien aus.

    Nach Abschluss der Vorbereitungen trafen sich die Teams mit den Mitgliedern des Vorstandes und des Vorstandsrats zum Meet-the-Prof-Austausch bei Snacks und Getränken im Foyer.

    Auch dieses Jahr vernetzten sich die Teilnehmenden in einer WhatsApp-Gruppe, was die Kommunikation untereinander und mit der Leitung sehr erleichterte.

    Science Slam zum Auftakt der Versammlung

    Am Vorabend der offiziellen Tagungseröffnung fand erneut der beliebte Science Slam „Wissenschaft in 5 Minuten“ statt – auch diesmal moderiert von Professor Heribert Hofer und in Anwesenheit von rund 80 Prozent der Versammlungsteilnehmer. Die acht Beiträge wurden mit Beifallsstürmen bedacht. Den stärksten Beifall und damit den ersten Platz erhielt die 18-jährige Anne Marie Bobes. Sie berichtete über die Entwicklung kleiner Rotoren für Straßenlaternen. Die Rotoren können durch Windkraft ausreichend Strom zum Betrieb der Laternen erzeugen.

    Die Titel der übrigen Kurzvorträge lauteten: „Alzheimer erkennen durch KI“, „Kranke Systeme auf der Suche nach einer fairen Gesundheitsversorgung“, „Polyme(e)re – ein Planet voller Plastik“, „Sehen ohne Verstehen – wie KI Bilder interpretiert“, „Kann man Fleisch im Labor herstellen“, „Epoxidharz“, „Ethanol-Gewinnung aus stärkereichen Abfällen“.

    Nach der Siegerehrung wurde Dr. Stefanie Kaiser per Video zugeschaltet. Die Biologin faszinierte das Auditorium mit ihrem Bericht über die Tiefsee-Expedition AleutBio in den Nordostpazifik und ging danach ausführlich auf die vielen Fragen aus dem Publikum ein.

    Wissenschaft für unser Leben von morgen

    In der Eröffnungssitzung am Freitagmorgen begrüßte Präsident Heribert Hofer die Teilnehmenden, insbesondere die Schülerinnen, Schüler und Studierenden. Er stellte die Junge GDNÄ vor und rief deren Gründung aus. Nach der Ansprache des örtlichen Geschäftsführers, Professor Alexander Böker, und den Grußworten aus dem Land Brandenburg, der Stadt Potsdam und für die Universität erhielt Professorin Eva-Maria Neher die Alexander-von-Humboldt-Medaille für ihre Verdienste um die Entwicklung der GDNÄ.

    Nach der Eröffnungssitzung begann das Vortragsprogramm. In der Informatik-Session ging es um die Entwicklung softwareintensiver, cyberphysischer Systeme und große generative Sprachmodelle. Anschließend fand die erste Podiumssitzung mit der Jungen GDNÄ in lebhafter Atmosphäre statt.

    Auch nach der Technik-Session entwickelte sich ein intensives Gespräch mit Vertretern der Jungen GDNÄ über menschenzentrierte KI für medizinische Assistenzsysteme und eine nachhaltige Transformation der Industrie.

    Ein neuer Programmpunkt war das Doktoranden- und Alumni-Café in der Mittagspause.

    Höhepunkt des Tages war der öffentliche Nobelvortrag. Mit seiner Einführung in die Kunst klein zu bauen, begeisterte der Chemie-Nobelpreisträger Professor Ben Feringa Jung und Alt.

    Der Samstag wurde die Chemie-Session eröffnet. Nanokapseln als Wirkstoffträger und künstliche Organellen waren ebenso Thema wie der „Oscar für den besten Nebendarsteller: Wasser“ und „Fire and Ice“ – ein Vortrag, in dem Wasserstoff und Kohlendioxid als molekulare Nahtstellen zwischen Energie und Chemie beschrieben wurden. Auch hier entwickelte sich eine intensive Diskussion auf dem Podium.

    Der Nachmittag war der Biologie gewidmet. Es ging um Mykorrhiza-Pilze, die mit Pflanzen zusammenarbeiten, und den Beitrag des Klimawandels zum Biodiversitätsverlust, insbesondere bei Vögeln. Über die Frage, ob die Genschere CRISPR/Cas Teufelszeug oder ein Heilsbringer für die Landwirtschaft ist, wurde auf dem Podium engagiert diskutiert.

    Großen Eindruck, gerade auch auf die jungen Teilnehmer, machte der Leopoldina-Vortrag zum Thema „Placebo oder Therapie mit nichts“. Gehalten wurde er von Professor Martin Lohse, GDNÄ-Präsident 2019 bis 2022, der nach kurzfristiger Absage des ursprünglich angesetzten Vortrags eingesprungen war.

    Am Sonntagmorgen stand die Physik auf dem Programm. Es ging zum Beispiel darum, wie sich Tiere im Magnetfeld der Erde orientieren und wo die Entwicklung von Quantencomputern steht. An Stoff für eine angeregte Diskussion auf dem Podium mangelte es auch hier nicht.

    Den Schlusspunkt setzte die Medizin. In drei spannenden Vorträgen ging es um den Einsatz von KI für ein besseres Verständnis von Erkrankungen, um gesundes Altern und die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Infektionskrankheiten. Auch hier war die Junge GDNÄ gut auf die Podiumsdiskussion vorbereitet, die ein großes Publikum bis zuletzt verfolgte.

    Nach den Abschluss- und Dankesworten des Präsidenten erhielten die Schülerinnen und Schüler ihre Teilnahmeurkunden und wurden herzlich verabschiedet.

    Weitere Aktivitäten im Rahmen des Schülerprogramms

    Teilnahme am Vortragsprogramm

    Ob morgens um neun Uhr oder abends beim Nobel- oder Leopoldina-Vortrag: Die jungen Teilnehmenden waren zu jeder Zeit im Hörsaal und hörten den Vorträgen gespannt zu. Nach den Vorträgen umringten sie die Vortragenden oft noch lange, um ihre Fragen zu stellen.

    Studienberatung

    Sehr gut angenommen wurde erneut das Studienberatungsangebot mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu den Fachgebieten der GDNÄ.

    Museumsbesuch

    Die Schüler, Schülerinnen und Ehemaligen hatten am Abend des 14. September Gelegenheit, das Barberini-Museum in Potsdam zu besuchen.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © MIKA-fotografie | Berlin.

    Professor Michael Dröscher und Mitglieder der Jungen GDNÄ im Potsdamer Tagungsgebäude.
    Feedback aus der Jungen GDNÄ

    Die folgenden Zitate stammen aus einem Kurzfilm über die Tagung 2024 in Potsdam.

    „Es ist schon mal cool, dabei zu sein. Man hat viel Diskurs mit anderen Menschen und viele interessante Vorträge zu Themen, die vielleicht im Unterricht zu kurz kommen, weil man in den zwei Jahren Chemieleistungskurs doch nicht die Zeit hat, spezifisch auf Themen einzugehen.“

    Johanna Schattenmann, Falkensee

    „Am meisten hat mir hier gefallen, dass ich so viel Begeisterung von so vielen Leuten sehen kann und auch den Austausch der älteren Generation mit den jungen Leuten auf Augenhöhe mitbekomme, obwohl die ältere Generation schon viel mehr weiß als wir und wir können Fragen stellen.“

    Melissa Linde, Fürstenwalde

    „Gestern haben wir die 5-Minuten-Wissenschaftsvorträge gesehen. Ich habe viel Respekt davor, dass man das in fünf Minuten schafft. Das hat mir sehr gefallen, da habe ich alles verstanden.“

    Thiveeka Pooranachandran, Bielefeld

    „Ich freue mich auf die Vorträge, die eigentlich zugänglich für alle sein sollten. Menschen, die sich für die Informatik und Physik interessieren, sollen auch andere Bereiche sehen.“

    Wladimir Poljakow, Bielefeld

    Weitere Informationen zur GDNÄ-Versammlung 2024