Armin Maiwald: „Recherchieren bis der Arzt kommt“

AUSGEZEICHNET

Mit Medaille und Urkunde in der Bielefelder Stadthalle © David Ausserhofer

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Mit Medaille und Urkunde in der Bielefelder Stadthalle (v.l.n.r.): GDNÄ-Präsident Professor Heribert Hofer, Preisträger Armin Maiwald, Laudator Ralph Caspers und GDNÄ-Generalsekretär Professor Michael Dröscher.

„Recherchieren bis der Arzt kommt“

Seit Jahrzehnten ist Armin Maiwald das Gesicht der Sendung mit der Maus. Für seine spannenden Geschichten aus Wissenschaft und Technik zeichnete die GDNÄ den Moderator, Autor und Regisseur mit der Lorenz-Oken-Medaille 2023 aus. Überreicht wurde die Ehrung am 15. November 2023 beim Forum Wissenschaft im Dialog in Bielefeld.

Wie kommen die Perlen in die Muscheln? Wieso gibt es Jahreszeiten? Und warum ist die Milch weiß, obwohl Kühe nur grünes Gras fressen? Herr Maiwald, in der Sendung mit der Maus beantworten Sie seit gut fünfzig Jahren die Fragen von Kindern. Welche Frage wird am häufigsten gestellt?
Warum ist der Himmel blau – das ist der klare Favorit. Wir haben immer wieder neue Sendungen gemacht, um die Frage zeitgemäß zu beantworten. Die letzte Version ist von 2018.

Für die Sendung mit der Maus sind Sie und Ihr Team schon mit vielen Preisen bedacht worden. Haben Sie noch den Überblick?
Es sind inzwischen mehr als hundert nationale und internationale Preise, was uns natürlich sehr freut. Eine schöne Überraschung war letztes Jahr die Ehrendoktorwürde der RWTH Aachen für besondere Leistungen in der Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Jetzt erhalten Sie die Lorenz-Oken-Medaille der GDNÄ. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Ich fühle mich geehrt und freue mich über die gute Gesellschaft. Harald Lesch, Gert Scobel und Mai-Thi haben den Preis vor mir bekommen. In diesem Umfeld bin ich bestens aufgehoben.

Die Sendung mit der Maus läuft seit 52 Jahren jeden Sonntagvormittag und hat eine große, treue Fangemeinde. Was macht sie so erfolgreich?
Wir erzählen spannende Geschichten aus der Wissenschaft. Am Anfang sind wir so dumm wie alle anderen auch und mindestens genauso neugierig. Und dann wir nehmen die Zuschauer mit auf die Reise. Die geht dann zum Beispiel nach Wesseling, wo wir in der Raffinerie nach Antworten suchen auf die Frage eines Kindes: Warum ist Erdöl so wichtig? 

Wie gehen Sie im Einzelnen vor?
Wir arbeiten uns logisch voran, Schritt für Schritt, und immer nachvollziehbar. Zuerst der Wald, dann der einzelne Baum, dann die Rinde und schließlich der Borkenkäfer. Statt auf Computersimulationen setzen wir auf Versuche mit hausgemachten Modellen. Geht es zum Beispiel um thermische Verformung, dann erklären wir das beim Spaghetti-Kochen und was Filtrieren ist, veranschaulichen wir mit einem Kaffeefilter. Fremdwörter sind bei uns tabu, wir machen auch keine Interviews. Bei einem neuen Thema recherchieren wir, bis der Arzt kommt. Vielleicht ist das sogar unsere größte Stärke.

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© FLASH Filmproduktion GmbH

Armin Maiwald mit Kameramann Kai von Westerman bei Aufnahmen an der Leverkusener Autobahnbrücke.

Wie lange arbeiten Sie an einem Beitrag?
Das ist sehr unterschiedlich. Einige Produktionen brauchen nur ein paar Wochen, andere dauern Jahre. In unserer längsten Recherche ging es um die Frage, warum Vitamin C so wichtig für unseren Körper ist. Bis wir da den Dreh gefunden hatten, das verständlich darzustellen, sind drei Jahre vergangen. Ein weiteres Langzeitprojekt ist der Bau der neuen Autobahnbrücke in Leverkusen. Seit 2015 begleiten wir die Arbeiten und haben ihn in mehreren Sendungen alle möglichen Fragen dazu beantwortet: Wie kommen die Seile an die Brücke? Wie werden die Pfeiler gebaut? Und wie lange hält so eine Brücke überhaupt? Ende des Jahres wird die siebte Folge ausgestrahlt.

Gibt es auch Themen, an denen Sie sich die Zähne ausbeißen?
Ja, die gibt es. Quanten zum Beispiel. Seit Jahren versuchen wir alles Mögliche, um sie mausgerecht zu erklären. Aber wir stoßen immer wieder an Grenzen der Darstellbarkeit und haben noch nicht den richtigen Kniff gefunden. Ein anderes Beispiel ist die Umwandlung von Plastikabfällen in Erdöl. Danach fragten Kinder schon in den 1970-er Jahren. Wir haben eine Versuchsanlage in der Schweiz besucht und warten noch auf eine angekündigte Anlage im Ruhrgebiet. Also ganz ausbeißen müssen wir uns die Zähne nicht, aber wir brauchen viel Geduld.

Inzwischen gibt es mehr als 2700 Sendungen mit der Maus. Wie hat das alles einmal angefangen?
In einer Kölner Kneipe. Da saß ich Ende der 1960er-Jahre mit ein paar WDR-Redakteuren zusammen. Wir diskutierten über Gott und die Welt, plötzlich war die Idee für ein neuartiges Kinderprogramm da. Einer von uns, Gert Kaspar Müntefering, hat dann im Westdeutschen Rundfunk dafür gekämpft und gewonnen. Anfangs wurde die Sendung von wenigen Leuten gemacht, heute arbeitet ein großes Team von Reportern, Moderatoren, Zeichnern und Trickfilmleuten für die Maus. Produziert wird das Ganze zum großen Teil von der Kölner Filmfirma Flash, die ich mitgegründet habe.

Wie hat sich Ihre Sendung über die Jahre verändert?
Da hat sich viel getan. Es geht schon los mit dem Namen. 1968, als wir anfingen, hieß die Sendung noch Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger. 1971 wurde sie umbenannt in Sendung mit der Maus. Am Anfang kamen Kinder in Sonntagskleidung ins Studio, um belehrt zu werden. Schon bald fanden wir das zu steif, zu trocken, zu theoretisch – ein bisschen wie in der Schule. Aber Schulfernsehen wollten wir auf keinen Fall machen. Also sind wir hinaus ins Leben gegangen, um nach Antworten auf die Kinderfragen zu suchen. So machen wir es bis heute.

AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

© FLASH Filmproduktion GmbH

Auf einer Apfelplantage nimmt der Tontechniker Christian Hennecke das Summen der Bienen auf.

Handelt es sich wirklich immer um Fragen von Kindern? Und sind die Fragen im Laufe der Zeit anders geworden?
Ja, Ausgangspunkt für unsere Sendungen sind eigentlich immer Kinderfragen. Nicht selten stecken Erwachsene dahinter, das merkt man an Sprache und Stil. Seit einigen Jahren werden die Fragen technischer. Da heißt es dann zum Beispiel: Woher merkt mein Handy, dass ich auf der Kölner Domplatte stehe? Oder: Was passiert im Internet, wenn ich eine Frage stelle? 

Kinder und Jugendliche interessieren sich, so die oft gehörte Klage, immer weniger für die Naturwissenschaften. Sehen Sie diesen Trend auch? 
Ja und nein. Ich denke da an unseren Satellitenwettbewerb,, an dem Schüler aus Bad Homburg teilnahmen. Sechs Monate lang hatte das Team einen Beobachtungssatelliten von der Größe einer Getränkedose gebaut, doch beim Start ging plötzlich nichts mehr. Die Schüler haben sich aber nicht entmutigen lassen und ruckzuck gab es einen neuen CanSat, so heißen die Minisatelliten. Der Nachbau hob dann tatsächlich ab. Das ist ein tolles Beispiel für naturwissenschaftliche Begeisterung. Im schulischen Unterricht sieht das oft anders aus. Da sollen alle mitgenommen werden, auch die Uninteressierten, und das kann das Niveau der Klasse ganz schön senken. Die Lehrer werden mit dem Problem alleingelassen, ihnen ist das nicht vorzuwerfen. Eine perfekte Lösung sehe ich derzeit nicht. 

Forschungseinrichtungen aller Art bemühen sich heute, ihre Ergebnisse möglichst allgemeinverständlich unters Volk zu bringen. Gelingt ihnen das?
Nur zum Teil. Ich höre und lese zu viele Fachbegriffe und viel zu viel Englisch. Da spricht einer vom CEO, die andere von Convenience-Produkten und beide denken, dass alle wissen, was gemeint ist. Sie irren sich, denn vielen Leuten sagen die Begriffe rein gar nichts. Dabei hat die Öffentlichkeit ein Recht auf Mitwissen – sie sollte verstehen können, was Wissenschaftler mit Steuergeldern machen.

Wie erreichen Forscherinnen und Forscher die Öffentlichkeit am besten?
Sehr wirkungsvoll sind bildhafte Vergleiche für Fachbegriffe. In unserer Sendung über Vitamin C sprechen wir zum Beispiel von Körperpolizei, wenn es um Makrophagen geht. Solche Vergleiche kann man sich im Vorhinein überlegen und im Gespräch mit Fachfremden testen. Wer Kinder zu Hause hat, kann ihnen erzählen, worum es gerade in der Arbeit geht. Wenn die dann sagen, ach so ist das, jetzt weiß ich, was Du machst, ist man auf dem richtigen Weg. Der Aha-Effekt ist wichtig – bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. 

War Ihnen die GDNÄ eigentlich ein Begriff, als Sie von der Auszeichnung erfuhren? 
Nein, ich habe zum ersten Mal von ihr gehört. Natürlich habe ich gleich nachgeforscht. Mein erster Eindruck: Die GDNÄ muss ein ziemlich solides Unternehmen zu sein. Zweihundert Jahre, dafür braucht man eine gute Substanz. 

Mit 83 Jahren sind andere längst im Ruhestand. Sie arbeiten weiter. Was treibt Sie an?
Erstens habe ich nichts anderes gelernt, und zweitens macht es mir nach wie vor Spaß. Bei jeder neuen Geschichte  stellt sich die Frage: Wie erzähle ich das jetzt wieder spannend und verständlich? Manchmal muss ich die grauen Zellen im Gehirn regelrecht auskochen, um gute Antworten zu finden. Leicht ist das nicht immer, aber es hält fit.  

Der Preisträger

Armin Maiwald wurde 1940 in Köln geboren. Über seine Kindheit berichtet er in der vielfach ausgezeichneten „Nachkriegs-Maus“, eine Sendung, die in aktualisierter Fassung zuletzt 2020 ausgestrahlt wurde. Maiwalds Familie wurde dreimal ausgebombt. Nach Stationen in Niederschlesien, Uffing am Staffelsee und Neuss kehrte Maiwald 1953 nach Köln zurück. Dort studierte er Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie und begann 1963 als Regieassistent beim WDR in Köln. Armin Maiwald gehört zu den Erfindern der Sendung mir der Maus – zusammen mit Gert Kaspar Müntefering, Monika Paetow und der Künstlerin Isolde Schmitt-Menzel, die das Logo der Maus entwarf. Für die Moderation und Gestaltung der Sendung hat Maiwald unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den Grimme-Preis erhalten. 2023 zeichnete ihn die GDNÄ mit der Lorenz-Oken-Medaille aus. Zwei Schulen in Monheim-Baumberg und in Radevormwald tragen seinen Namen. Armin Maiwald ist seit 1965 verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Armin Maiwald © Flash

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Die mit viel Beifall bedachte Laudatio auf den Preisträger hielt sein Fernsehkollege Ralph Caspers, der seit 1999 Teil des Maus-Teams ist.
Lorenz Oken Medaille © GDNÄE
Lorenz Oken Medaille © GDNÄE

© GDNÄ

Seit 1984 verleiht die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte ihre Lorenz-Oken-Medaille an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Wissenschaftskommunikation verdient gemacht haben. Die Auszeichnung erinnert an den Gründer der GDNÄ, den Naturforscher Lorenz Oken, der 1822 erstmals eine Versammlung von Naturforschern und Ärzten in Leipzig einberief. Die Fotos zeigen Vorder- und Rückseite der vergoldeten Medaille für Armin Maiwald.

Wissenschaft im Dialog

Das Forum Wissenschaftskommunikation ist die größte Fachtagung für Wissenschaftskommunikation im deutschsprachigen Raum. Die Tagung wird jährlich veranstaltet von Wissenschaft im Dialog (WiD), der gemeinsamen Organisation der deutschen Wissenschaft für Wissenschaftskommunikation. Das Forum Wissenschaftskommunikation 2023 findet vom 15. bis 17. November in Bielefeld statt. Der thematische Schwerpunkt lautet „Kontrovers, aber fair – Impulse für eine neue Debattenkultur“. Die GDNÄ ist langjähriges Mitglied von WiD und verleiht ihre Lorenz-Oken-Medaille alle zwei Jahre bei den Forumstagungen.

Weitere Informationen:

Armin Maiwald © Flash

© FLASH Filmproduktion GmbH

Armin Maiwald bei den Dreharbeiten zur Sachgeschichte „Reifenherstellung“. Zur Erklärung wurde ein Kuchen mit Reifenprofil gebacken.

blank

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Armin Maiwald mit Fans nach der Preisverleihung.  

blank

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Armin Maiwald im Interview mit Luise Laakmann und Thuy Anh Nguyen von „Wissenschaft im Dialog“.
blank

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Publikumsmagnet: Vollbesetzter Saal bei der der Preisfeier in der Bielefelder Stadthalle.

blank

© David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Armin Maiwald bei der Feier zur Preisverleihung.

Alexander Böker: Das Schülerprogramm ist einzigartig und überzeugend

„Das Schülerprogramm ist einzigartig und überzeugend“

Alexander Böker, Polymerforscher und Direktor des Potsdamer Fraunhofer-IAP, über den Chemie-Nobelpreis 2023, nachhaltige Innovationen aus seinem Institut und gute Aussichten für die GDNÄ.

Herr Professor Böker, vor wenigen Tagen ist der Chemie-Nobelpreis für grundlegende Beiträge zur Nanotechnologie vergeben worden. Hat das Nobelkomitee richtig entschieden?
Ja, absolut. Die Forschung rund um nanometergroße Quantenpunkte ist von enormer Bedeutung für unsere moderne Welt. Die winzigen Partikel sind aus vielen Alltagsanwendungen nicht mehr wegzudenken, etwa in Computer- und Fernsehbildschirmen, in Leuchtdioden, Solarzellen oder in der Medizin. Und mit den drei Preisträgern Louis Brus, Alexei Ekimov und Moungi Bawendi sind auch die Richtigen ausgezeichnet worden. Aber wie es oft beim Nobelpreis ist: Auch diesmal gibt es ein paar Kollegen, die ihn vielleicht gleichermaßen verdient hätten. Leider erlauben die Statuten höchstens drei Laureaten pro Fachrichtung und das wird sich wohl so schnell nicht ändern. 

Sie haben selbst viele Jahre in diesem Bereich geforscht und an Ihrem Potsdamer Institut beschäftigen sich einige Arbeitsgruppen mit Nanopartikeln. Um welche Themen geht es dabei?
Am Fraunhofer IAP  wird zum Beispiel ein Schnelltest auf Brustkrebs entwickelt. Dabei heften sich hell leuchtende Quantenpunkte an Krebszellen in einer Blutprobe und markieren sie. Mit der Methode lassen sich Tumore in der Frühphase aufspüren und auf ihrem Weg im Körper verfolgen, das wissen wir bereits. Jetzt geht es darum, das Verfahren noch zielgenauer zu machen, um Fehlalarme zu vermeiden und längerfristig in die klinische Erprobung zu bringen. Dazu arbeiten wir mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zusammen. Zu verdanken haben wir diese Forschungsrichtung einem weltweit anerkannten Pionier der deutschen Nanopartikelforschung, Professor Horst Weller von der Universität Hamburg. Er ist der Gründer des Centrums für Angewandte Nanotechnologie, kurz Fraunhofer CAN, das seit 2018 ein Fraunhofer-Zentrum ist und zum Fraunhofer IAP gehört. 

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© Fraunhofer IAP | Till Budde

Synthesetechnikum des Fraunhofer-Pilotanlagenzentrums PAZ für die Polymerherstellung und -verarbeitung in Schkopau.

Gibt es weitere Innovationen aus Ihrem Haus, die mit dem diesjährigen Chemienobelpreis zu tun haben?
Da wäre zum Beispiel ein Verfahren zur Kodierung hochwertiger Waren mit Quantenpunkten. Sie werden auf die Verpackung aufgebracht und dienen der eindeutigen Identifikation und Qualitätskontrolle. Das Verfahren erfordert keine Internetverbindung und eignet sich damit auch für den Einsatz in ärmeren Weltgegenden. Aktuell verhandeln wir mit einer Firma, die unseren Prototypen weiterentwickeln und in Kleinserie testen möchte, um das ausgereifte Produkt dann auf den Markt zu bringen. Nach diesem Muster gehen wir oft vor, das ist ein klassischer Weg bei Fraunhofer. 

Bitte beschreiben Sie diesen Weg etwas genauer.
Startpunkt ist eine gute Idee, die oft aus dem Fraunhofer-Team kommt. Es folgt intensive Grundlagenforschung in unseren Laboren. Sie kann zu Prototypen für innovative Materialien und Produkte oder zu neuen Herstellungsprozessen und -verfahren führen.  Sobald unsere Ergebnisse die Umsetzbarkeit der Idee nachweisen, sprechen wir ausgewählte Firmen an und versuchen, sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Auf Wunsch begleiten wir das Unternehmen bis zur Praxisreife des Produkts oder Verfahrens. Ein aktuelles Beispiel ist die Suche nach einer reißfesten, transparenten, elastischen Folie aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich bei Bedarf auch in der Umwelt abbauen kann. Sie soll die starren Folien ersetzen, wie man sie als knisternde Umverpackung von Blisterschalen für Obst und Gemüse kennt. Wir haben unter anderem mit einem Industriepartner eine flexible Variante aus Polymilchsäure entwickelt, die aus Mais hergestellt wird. Sie könnte bald auf den Markt kommen. 

Für die neue Folie werden also keine fossilen Rohstoffe benötigt. Aber ist sie deshalb ein ökologisch einwandfreies Produkt? Immerhin wird Mais an anderer Stelle als Nahrungs- und Futtermittel gebraucht.
Da muss ich ein wenig ausholen. Unser großes Ziel am Fraunhofer IAP ist die Wiederverwendbarkeit von Kunststoffen im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft. Aus wertvollen Verpackungen sollen wieder wertvolle Verpackungen entstehen und keine Parkbänke. Das geht aber nur, wenn ein Produkt aus einem Material besteht und nicht aus einem Stoffgemisch. Bei den Materialien aus Polymilchsäure ist uns das durch einen Trick gelungen, den ein Team von Chemikern, Physikern und Produktdesignern am IAP ausgetüftelt hat. Wenn petrochemisch erzeugte Materialien künftig schrittweise durch Biokunststoffe ersetzt werden, hält sich der Verbrauch nachwachsender Rohstoffe in Grenzen. Unsere Polymilchsäurefolie, um beim Beispiel zu bleiben, wird die Versorgung anderer Lebensbereiche mit Mais keineswegs gefährden.

AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

© Fraunhofer IAP | Till Budde

Im Reinraum: Pilotanlage für gedruckte Elektronik am Fraunhofer IAP.

Als Fraunhofer-Institut ist das IAP gehalten, ein Drittel seiner Einkünfte aus Wirtschaftskooperationen zu generieren. Gelingt das?
Ja, das schaffen wir. In Berlin und Brandenburg gibt es sehr viele mittelständische Firmen, die sich mit Kunststoffen beschäftigen und zu vielen pflegen wir intensive Kontakte. Mit insgesamt sieben Standorten in der Region sind wir nah an unseren Kunden. Wer schnell etwas erproben will, hat es nie weit zum nächsten IAP-Technikum. Dort lassen sich neue Entwicklungen skaliert testen. Das ist sehr wichtig, denn längst nicht alles, was im Milligramm-Maßstab funktioniert, gelingt auch im Kilogramm-Bereich. In unserer Anlage zur Polymerherstellung in Schkopau können wir sogar im Tonnenmaßstab produzieren. Was unsere Kunden auch schätzen, ist die Tatsache, dass bei Fraunhofer wirtschaftlich gedacht wird. So entstehen langjährige Kooperationen, die teilweise bis in die Gründerzeit des Instituts zurückreichen. 

Für die nächste Versammlung der GDNÄ in Potsdam 2024 haben Sie das Amt des Geschäftsführers im Bereich Wirtschaft übernommen. Wie gehen Sie die Aufgabe an?
Vor einigen Tagen haben wir unser Instituts-Netzwerk aktiviert und Firmen in der Region um Unterstützung für die Versammlung gebeten. Das kann durch persönliche Teilnahme und Diskussionsbeiträge geschehen, aber auch durch Zuschüsse zu den Kosten dieser Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern. Ich bin sehr zuversichtlich, dass viele Unternehmen sich beteiligen werden. 

Was stimmt Sie so optimistisch?
Mich überzeugt zum Beispiel das einzigartige Schülerprogramm der GDNÄ und ich denke, dass es auch unsere Kooperationspartner begeistern wird. Das Programm bringt junge Leute mit ausgeprägtem Interesse an den MINT-Fächern zusammen – und die werden heute überall gesucht. Attraktiv sind auch die fachübergreifenden, gut verständlichen Vorträge und Diskussionen bei den GDNÄ-Tagungen. So etwas fehlt in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Die Unterstützung für die Potsdamer Versammlung wird daher groß sein, da bin ich mir sicher.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Fraunhofer IAP | Kristin Stein

Professor Alexander Böker, Leiter des Fraunhofer IAP und Geschäftsführer Wirtschaft der GDNÄ-Versammlung 2024 in Potsdam.

Zur Person

Alexander Böker ist seit 2015 Direktor des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP und Inhaber des Lehrstuhls für Polymerwerkstoffe und Kunststofftechnik an der Universität Potsdam. Von 2008 bis 2015 war er stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien in Aachen. Im Jahr 2015 erhielt er einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Derzeit ist er Sprecher des Fraunhofer-Flaggschiffprojekts „Nachhaltige, simulationsgestützte biobasierte und biohybride Materialien“ sowie Leiter des Fraunhofer-Exzellenzclusters „Programmierbare Materialien“. Er fungiert zudem als Co-Sprecher des strategischen Fraunhofer-Forschungsfeldes „Bioökonomie“. Alexander Böker hat 175 von Fachkollegen begutachtete Publikationen und 16 Patentanmeldungen veröffentlicht. Mit dem Fokus auf nachhaltige Innovationen an der Schnittstelle zwischen Biologie und Polymerwissenschaft gab er dem IAP eine neue Ausrichtung. Dementsprechend konzentriert sich Bökers eigene Forschungsgruppe auf die Integration biologischer Funktionen in Polymermaterialien und die gesteuerte Selbstorganisation von kolloidalen und polymeren Systemen.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Fraunhofer IAP

Hauptsitz des Fraunhofer IAP im Potsdam Science Park.

Das Institut

Am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP arbeiten knapp 300 Fachleute, bei seiner Gründung im Jahr 1992 waren es gut hundert. Hervorgegangen ist das IAP aus dem renommierten Institut für Polymerenchemie (IPOC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Teltow-Seehof.  Am Hauptsitz des IAP in Potsdam-Golm und an sechs weiteren Standorten geht es heute um die Entwicklung nachhaltiger Materialien, Prozesse und Technologien mit dem Ziel, Energiewende und Klimaschutz, Mobilität und Gesundheitswesen voranzubringen.

Weitere Informationen:

Barbara Höhle: Die Uni Potsdam freut sich auf die GDNÄ

„Die Uni Potsdam freut sich auf die GDNÄ“

Barbara Höhle, Psycholinguistin und Wissenschaftliche Geschäftsführerin der Versammlung 2024, über ihre Universität im Exzellenzwettbewerb, Forschung mit Babys und das Überwinden von Sprachbarrieren.   

Frau Professorin Höhle, als Vizepräsidentin sind Sie an der Universität Potsdam zuständig für Forschung, wissenschaftliche Qualifizierungsphase und Chancengleichheit. Was ist Ihnen in diesem weiten Feld besonders wichtig?
Alle drei Gebiete sind wichtig und wir sind auf allen aktiv. In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel unser Tenure-track-Angebot ausgebaut, um attraktiver für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen zu werden. Inzwischen berufen wir jüngere Kolleginnen und Kollegen frühzeitig auf W1- und W2-Professuren, auf denen sie sich dann bewähren können. Das Thema Chancengleichheit liegt mir seit jeher am Herzen und es wird bei zunehmender Vielfalt und Internationalität unserer Studierenden und Beschäftigten auch immer wichtiger. Die meiste Zeit habe ich in den letzten Monaten für den Aufgabenbereich Forschung aufgewendet. Zusammen mit Forschenden unserer Fakultäten haben wir drei Anträge für Forschungscluster erarbeitet, mit denen wir uns am Exzellenzwettbewerb der Universitäten beteiligen.

Um welche Themen geht es?
In einer Antragsskizze steht der Biodiversitätswandel und die Rolle des Individuums in einem Ökosystem im Fokus. In der nächsten geht es um die Dynamik von Kognition und Verhalten, die Zusammenhänge von Sprache und Kognition, Entwicklung, Lernen und Motivation. Der dritte Antrag nimmt folgenschwere Wasserextreme in den Blick: Hier geht es beispielsweise um Vorhersagbarkeit und Risikominimierung bei Überschwemmungen. Bei allen drei Konzepten spielt auch die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Region eine Rolle.

Warum wurden die beschriebenen Themen ausgewählt?
Sie korrespondieren mit den Forschungsschwerpunkten unserer Universität. Im Jahr 2019 hat die Universität vier Fokusbereiche eingerichtet: Erd- und Umweltwissenschaften, Evolutionäre Systembiologie, Kognitionswissenschaften und Data-Centric Sciences, also datenzentrierte Wissenschaften. Nach vierjähriger Laufzeit werden die Schwerpunkte in diesem Herbst von externen Gutachtern evaluiert. Ich bin sehr zuversichtlich, was das Ergebnis angeht. Denn die Leistungsfähigkeit unserer Universität ist enorm, wie wir gerade wieder bei der Erstellung der Clusteranträge gesehen haben.

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© Ernst Kaczynski

Campus Neues Palais, in der Nähe des Schlossparks Sanssouci: Hier befinden sich auch die Büros der Universitätsleitung.

Wie geht es weiter mit den eingereichten Cluster-Skizzen?
Im Februar kommenden Jahres erfahren wir, ob wir in die nächste Runde kommen und Vollanträge ausarbeiten können. Ob wir Exzellenzförderung erhalten, entscheidet sich im Mai 2025.

Und wenn es nicht klappen sollte?
Das kann passieren und damit muss man in der Wissenschaft einfach rechnen. Sollte es so sein, werden wir uns wieder aufrappeln und weitermachen. An den jetzt konzipierten Forschungsvorhaben halten wir in der einen oder anderen Form fest und suchen uns, wenn es sein muss, neue Fördertöpfe.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen als Vizepräsidentin für Ihre eigene Forschung?
Die Arbeit im Präsidium gilt als Nebentätigkeit, tatsächlich verbringe ich im Moment damit aber mehr Zeit als mit meinen wissenschaftlichen Aufgaben. 60 Prozent Gremienarbeit und andere Aufgaben im Präsidium, 40 Prozent Lehre und Forschung – so schätze ich das Verhältnis.

Seit 2004 sind Sie Professorin für Psycholinguistk mit dem Schwerpunkt Spracherwerb an der Universität Potsdam. Um was genau geht es in Ihrer Forschung?
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder ihre Muttersprache erlernen. Was bringen die Kinder mit auf die Welt? Welchen Anteil hat die Umwelt? Aber auch: Warum haben manche Kinder Schwierigkeiten beim Erwerb ihrer Muttersprache? Auf solche Fragen versuchen mein Team und ich Antworten zu finden.

Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?
Eines unserer Ergebnisse besagt zum Beispiel, dass Kinder schon im Alter von sechs Monaten ein ausgeprägtes Gespür für Sprachmelodie und Sprachrhythmus haben. Beobachten konnten wir das in einer Vergleichsstudie mit deutschen und französischen Babys, denen wir erstbetonte Wörter, wie sie für das Deutsche charakteristisch sind, vorspielten und endbetonte Wörter, wie im Französischen üblich. Beispiele für solche Wörter sind „merci und „danke“ oder auch „tulipe“ und „Tulpe“.  Es war eindeutig erkennbar, dass die deutschen Babys erstbetonten Wörtern mehr Aufmerksamkeit schenkten als endbetonten, während dies bei den französischen Babys nicht der Fall war.  Daraus ersehen wir, dass Kinder schon mit sechs Monaten bestimmte Eigenschaften ihrer Muttersprache erkannt haben.

Es liegt nahe zu vermuten, dass Ihre Forschung praktische Bedeutung haben kann. Trifft das zu?
Ja, unsere Erkenntnisse lassen sich etwa für die kinderärztliche Diagnostik nutzen. Ein Beispiel: Wir haben in unserer Forschung gefunden, dass Babys, die bereits mit fünf Monaten  bestimmte Muster wie Melodie und Rhythmus ihrer Muttersprache erkennen, im Alter von fünf Jahren bessere Sprachfertigkeiten besitzen als weniger versierte Altersgenossen. Dies zeigt, dass sich bereits in einem sehr frühen Alter Hinweise auf ein Risiko für den Spracherwerb finden lassen, so dass man hier früh gegensteuern kann.  Je früher das passiert, desto besser, denn die Schere zwischen mehr oder weniger sprachkompetenten Kindern wird mit der Zeit immer größer.

AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

© Karla Fritze

Campus Golm: In ländlicher Umgebung ist hier einer der größten Wissenschaftsparks der Region entstanden. Das von Barbara Höhle mitaufgebaute BabyLAB ist Teil der hier angesiedelten Humanwissenschaftlichen Fakultät.

Viele Kinder wachsen heute mehrsprachig auf. Ist das vorteilhaft oder eher ein Nachteil?
Wir sehen, dass kleine Kinder mit mehreren Sprachen sehr gut zurechtkommen und sie auch gut beherrschen können. Möglicherweise werden schon mal Wörter aus der einen Sprache nahtlos in die andere Sprache eingebaut, aber das ist kein Zeichen von Chaos im Kopf. Die aus den 1970er-Jahren stammende These von der Halbsprachigkeit von Kindern aus mehrsprachigen Familien, dass also keine Sprache richtig gelernt wird, gilt heute als widerlegt.

Psycholinguistik und Spracherwerb gehören nicht zu den klassischen Themen der GDNÄ. Wie verorten Sie Ihr Fach in der Naturforschergesellschaft?
Ich verstehe mich als Naturforscherin. Sprache und die Fähigkeit, sie zu erlernen, sind zentrale Eigenschaften des Menschen – vielleicht sogar Eigenschaften, die uns als Mensch ausmachen. Insofern erforsche ich die Natur des Menschen, und zwar häufig mit experimentellen Methoden aus den Naturwissenschaften. Ein Beispiel: In der Säuglingsforschung geht es immer wieder darum, Babys zu Reaktionen auf bestimmte Reize zu veranlassen, ohne ihnen die  Aufgabe erklären zu können. Hilfreich ist hier ein Vorgehen, das Methoden der Verhaltensbiologie ähnelt. Dabei erfassen wir genau, wie lange die Kinder auf einen Apfel schauen, wenn sie das Wort „Apfel“ abwechselnd mit dem Wort „Banane“ hören. Hieraus lässt sich schließen, was die Babys bereits wissen oder in einer bestimmten Situation gelernt haben.

Welche Bedeutung hat die GDNÄ für Sie?
Die GDNÄ steht für eine Interdisziplinarität, die extrem wichtig ist und unserem Wissenschaftssystem an vielen Stellen fehlt. Ich denke da etwa an einen Antrag für einen Sonderforschungsbereich im Bereich Physik und Chemie, den ich als Vizepräsidentin mitbegleitet habe. Es brauchte viel Zeit, bis die beteiligten Disziplinen eine gemeinsame Sprache gefunden hatten und gut zusammenarbeiten konnten. Sie hatten, ähnlich wie auch andere klassische Naturwissenschaften, jahrzehntelang unabhängig voneinander geforscht. Hier kommt der GDNÄ eine große Bedeutung zu. Sie kann helfen, den Dialog der Disziplinen wieder in Gang zu bringen.

Die Universität Potsdam ist Gastgeberin der nächsten GDNÄ-Versammlung im Jahr 2024. Was erwartet die Gäste?
Die Gäste erwartet eine noch junge, dynamische und aufstrebende Universität, die sich darauf freut, Gastgeberin dieser bedeutenden und traditionsreichen Versammlung zu sein. Zudem können wir einen Ort bieten, der reich an Kultur und wunderbarer Natur ist. Ich hoffe, die Gäste werden auch für diesen Rahmen der Veranstaltung etwas Zeit finden.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Ernst Kascynki

Prof. Dr. Barbara Höhle, Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftliche Qualifizierungsphase und Chancengleichheit der Universität Potsdam.

Zur Person

Prof. Dr. Barbara Höhle studierte Linguistik, Psychologie und Sozialwissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Sie wurde an der Freien Universität Berlin promoviert und habilitiert. Seit 2004 ist sie Professorin für Psycholinguistik an der Universität Potsdam. Barbara Höhle trug maßgeblich zum Aufbau des BabyLABs bei, das die Entwicklung von Kindern ab dem vierten Lebensmonat untersucht und in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. Im Januar 2021 übernahm die erfahrene Wissenschaftsmanagerin das Amt der Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit, das sie bis Ende 2023 ausüben wird. Im Vorfeld der GDNÄ-Versammlung 2024 stellt Barbara Höhle als Wissenschaftliche Geschäftsführerin viele Verbindungen zur Wissenschaftlergemeinde in Potsdam und Umgebung her.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Kevin Ryl

Im BabyLAB: Hier wird die Entwicklung von Kindern ab einem Alter von vier Monaten untersucht.

Weitere Informationen:

Uwe Hartmann: Ein Fachidiot wollte ich nie sein

„Ein Fachidiot wollte ich nie sein“

Uwe Hartmann, Physikprofessor an der Universität des Saarlandes, über den Kompass im Kopf, sein Konzept für eine neuartige Herzdiagnostik und gute Gründe für die Zusammenarbeit mit China.  

Herr Professor Hartmann, wer Ihren Namen und Ihr Forschungsgebiet googelt, landet schnell bei einer Studie zum inneren Kompass von Lebewesen. Was genau haben Sie herausgefunden?
In der Studie geht es um die alte Frage, wie Lachse immer wieder treffsicher ihre Laichgründe finden oder Zugvögel es schaffen, sich über weite Distanzen zu orientieren. Viele Tiere haben ähnliche Fähigkeiten, die schon seit Langem mit speziellen Rezeptoren für das Magnetfeld der Erde in Verbindung gebracht werden. An diesem Punkt setzten wir, ein internationales Forscherteam bestehend aus Physikern, Genetikern und Sinnesphysiologen, mit unserer Studie an. In jahrelanger Arbeit ist es uns gelungen, kleine magnetische Partikel in einzelnen Sinneszellen von Lachsfischen und anderen Lebewesen unter dem Mikroskop sichtbar zu machen. Derart genau ließen sich die nur wenige Nanometer großen Cluster von Eisenoxidpartikeln bisher nicht darstellen. Unsere Studie liefert darüber hinaus Hinweise auf die Evolutionsgeschichte des Magnetsinns, den Urbakterien bereits vor drei Milliarden Jahren besaßen und der sich über einen Satz von elf Genen in höher entwickelte Lebewesen fortpflanzte. 

Die Veröffentlichung hatte ein großes Medienecho…
…ja, es wurde weltweit darüber berichtet. Als Korrespondenzautor unseres Teams war ich zunächst überrumpelt von den vielen Interviewanfragen, habe mich dann aber darauf eingestellt und mit sehr vielen Journalisten gesprochen. Der Hype hält, so unglaublich das klingen mag, seit fast zwei Jahren an – und das Publikum reagiert lebhaft auf entsprechende Medienbeiträge. So berichten Leserinnen und Leser regelmäßig von ihrem besonderen Orientierungsvermögen, ihrem sechsten Sinn, wie es viele nennen. Das kann dann schnell in die Esoterikecke gehen, da muss man aufpassen. Aber wenn wir an Eskimos denken, die sich in weiten Schneewüsten oft mühelos zurechtfinden, drängt sich durchaus der Gedanke auf, dass auch Menschen über einen vielleicht sogar ähnlich konstruierten Magnetfeldorientierungssinn verfügen.

Wollen Sie dieser Hypothese in Ihrer Forschung nachgehen?
Nein, ich werde das nicht weiterverfolgen. Da müssen jetzt die Physiologen und Vertreter anderer Disziplinen ran. Ich habe genug mit meinen Kernthemen zu tun. 

Was steht für Sie im Vordergrund?
In meinem Labor geht es um die Entwicklung innovativer Materialien, und zwar mit Blick auf interessante neue Anwendungen. Ein Beispiel sind Nanodrähte mit einem Durchmesser vom Tausendstel eines Haares und einem äußerst geringen elektrischen Widerstand. Noch ist das Grundlagenforschung, aber In absehbarer Zukunft können solche Drähte dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit von IT-Geräten zu verdoppeln. Wir arbeiten auch an ultraempfindlichen magnetischen Sensoren, von denen zum Beispiel die Herzdiagnostik enorm profitieren könnte. Mithilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich mit unseren Sensoren magnetische Signale des Herzens und damit wichtige Hinweise auf die Herzgesundheit erfassen. Wir haben unser Konzept für eine Magnetokardiografe der Zukunft schon auf Messen vorgestellt und können es, wenn sich ein Investor findet, binnen drei Jahren in die Anwendung bringen.  Der Vorteil der neuen Methode besteht darin, dass keine Elektroden auf der Haut benötigt werden; unsere Magnetfeldsensoren arbeiten vielmehr berührungslos. Bestimmte Signale, ausgelöst etwa durch Reizleitungsstörungen, lassen sich dabei wesentlich detailgenauer als bislang erfassen. 

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© Universität des Saarlandes

Magnetpartikel in Sinneszellen von Lachsen (links: Topografie, rechts: Magnetkontrast).

Sie haben nicht nur ein breites Themenspektrum, in Ihrem Labor tummeln sich auch die unterschiedlichsten Disziplinen. Wie kommt’s?
So entstehen neue Ideen und das ist es, was mich fasziniert. Leider ist unsere Förderlandschaft in Deutschland disziplinär strukturiert. Da braucht man sehr viel Geduld, um fachübergreifende Projekte zu realisieren. Aber ich nehme das auf mich. Ein Fachidiot wollte ich nie sein, sondern ein Forscher mit Weitblick und Interesse an der Gesellschaft. 

Ein Beispiel dafür ist Ihr Essay über die Zukunft des Saarlandes. Wie war die Resonanz?
Sehr lebhaft und sie hält seit der Veröffentlichung im Jahr 2020 an. Mein Team und ich hatten in dem Essay die Schließung des Ford-Werks in Saarlouis zwei Jahre vor Bekanntgabe korrekt vorhergesagt, was uns viel öffentliche Aufmerksamkeit bescherte. Auch die Politik hat angebissen. In einer Diskussion mit dem Präsidenten des saarländischen Landtags, Stephan Toscani, konnte ich unsere Methoden und Prognosen ausführlich erläutern. 

Haben Sie auch wissenschaftsbasierte Empfehlungen abgegeben?
Darum geht es uns nicht. Wir analysieren die Gegenwart und modellieren auf dieser Basis plausible Zukunftsszenarien. Für das Saarland haben wir mit Blick auf das Jahr 2050 ein besonders positives und ein besonders düsteres Zukunftsbild entworfen. Im positiven Szenario sagen wir zum Beispiel eine Verdopplung der Einwohnerzahl und eine florierende Wasserstoffwirtschaft voraus. Ob es so kommen wird, hängt von langfristigen Entscheidungen ab. Im Grunde sollen die Szenarien jeden, der sich damit beschäftigt, zur Entwicklung eigener Zukunftsbilder anregen. 

Sie haben auch ein Kinderbuch geschrieben. Wie kam es dazu?
Den Anstoß gab eine Vorlesung bei der Saarbrücker Kinderuni. Ich hatte meinem Publikum erklärt, wie verschiedene, zum Teil längst vergessene Spielzeuge physikalisch funktionieren und freute mich über die vielen Fragen, mit denen Eltern, Großeltern und Kinder auf mich zukamen. In meinem Buch, das in wenigen Sommerwochen entstand, vertiefe ich diese Themen. Im Zentrum steht der Roboter Apus, der mithilfe seiner Freunde und viel künstlicher Intelligenz spannende Abenteuer besteht und dabei eine Menge Geheimnisse aufklärt. Mit dem Buch versuche ich, Kinder auf spielerische Art und Weise an Naturwissenschaften und Technik heranzuführen. Die Resonanz war sehr positiv und die erste Auflage schnell vergriffen. 

Die anfängliche Begeisterung für naturwissenschaftliche Themen flaut bei Kindern oft mit den Jahren ab. Woran liegt das?
Es muss etwas mit dem Schulunterricht zu tun haben. Was es genau ist, weiß ich nicht – das herauszufinden ist Sache der Bildungsexperten. Aus eigenem Erleben kann ich aber sagen, dass die gut zweitausend jungen Leute, die alljährlich den MINT-Campus des Saarlands besuchen, mit Feuer und Flamme dabei sind. Diesen Funken müssen wir in die Schulen bringen, denn Deutschland hat ein riesiges Nachwuchsproblem in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik Naturwissenschaften und Technik. 

Wie wirkt sich das an Ihrem Fachbereich aus?
Wie an den meisten deutschen Universitäten nimmt auch bei uns die Zahl der Studierenden und Doktoranden in der Fachrichtung Physik ab. Viele kommen aus dem Ausland, zum Beispiel aus China.

AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

© Universität des Saarlandes

Ein miniaturisierter Magnetfeldsensor, der unter anderem für die medizinische Diagnostik verwendet werden kann.

Die akademische Kooperation mit China wird zunehmend skeptisch betrachtet. Bei Ihnen forschen chinesische Nachwuchskräfte, Sie haben zwei chinesische Ehrenprofessuren: Wie gehen Sie mit der neuen Situation um?
Ich sehe die politische Entwicklung in China natürlich mit zunehmender Sorge. Allerdings gibt es nach meiner Erfahrung einen deutlichen Unterschied zwischen dem Gebaren der politischen Elite und der Sichtweise vieler junger Menschen an den chinesischen Universitäten. Durch ihren Aufenthalt hier bei uns als Doktoranden oder Nachwuchswissenschaftler lernen diese jungen Menschen geradezu ein Kontrastprogramm kennen: freie Meinungsäußerung, kritische Sichtweisen und angeregte politische Diskussionen. Ich glaube, dieser Blick auf die Freiheit in der westlichen Welt, der stark prägend wirkt, rechtfertigt potenzielle Gefahren durch das Abfließen von Wissen oder Technologien. 

Sie sind im Pensionsalter und betreiben weiterhin Forschung und Lehre. Hat der Nachwuchsmangel die Professorenetage erreicht?
Nein, nein, das ist nicht der Grund. Ich mache das einfach sehr gern und nutze ein Modellprojekt meiner Universität, das mir die Weiterarbeit für einige Jahre ermöglicht. Mein Pensum umfasst sechs Wochenstunden Vorlesung, etwa über Nanotechnologie, die Betreuung mehrerer Forschungsprojekte und Doktorarbeiten. Aus meiner Sicht könnte das noch ein paar Jahre so weitergehen. 

In der GDNÄ engagieren Sie sich als Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Versammlungsjahr 2024. Was motiviert Sie?
Die GDNÄ steht für eine Interdisziplinarität, die in unserer Wissenschaftslandschaft an vielen Stellen fehlt. Auch ihr Schülerprogramm beeindruckt mich.  Die sehr gelungene 200-Jahr-Feier in Leipzig hat der Gesellschaft großen Auftrieb gegeben und ich trage gern dazu bei, diesen Elan zu erhalten.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Universität des Saarlandes

Im Labor: Uwe Hartman am Ultrahochvakuum-Rastertunnelmikroskop.

Zur Person

Nach einem Physikstudium an der Universität Münster absolvierte Uwe Hartmann seine wissenschaftliche Ausbildung an den Universitäten Gießen und Basel sowie am Forschungszentrum Jülich und am IBM-Forschungszentrum in San José, Kalifornien. Seit 1993 ist er Professor für Experimentalphysik an der Universität des Saarlandes und leitet dort den Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie. Einer seiner Schwerpunkte ist die experimentelle Nanostrukturforschung, wobei er sich vor allem mit Rastersondentechnik und Magnetfelddetektoren beschäftigt. Professor Hartmann erhielt eine Reihe von Rufen an Universitäten und außeruniversitäre Einrichtungen, blieb aber seiner Saar-Uni treu. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst mehr als 400 Fachvorträge und mehr als 300 Fachpublikationen, darunter etliche Bücher. Er ist Inhaber mehrerer Patente und Mitbegründer einiger Unternehmen, Mitherausgeber verschiedener Fachzeitschriften und engagiert sich im Vorstand von Fachgesellschaften der Nanotechnologie. In den Jahren 2013/14 war er Vizepräsident für Europa und Internationales und 2015/16 Vizepräsident für Planung und Strategie der Universität des Saarlandes. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Uwe Hartmann ausgezeichnet mit dem Philip Morris Forschungspreis (1998), mit einer Ehrenprofessur an der Fudan-Universität in Shanghai (2006), mit einer Ehrenprofessur an der East China Normal University in Shanghai (2009) und dem Bundesverdienstkreuz (2015).

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Edition Ulrich Burger 2019

Uwe Hartmanns Kinderbuch „Apus und die Geheimnisse hinter den Geheimnissen“ (mit Zeichnungen von Anne Holtsch, Edition Ulrich Burger 2019) traf den Nerv des Publikums.

Weitere Informationen:

Angelika Brandt: Tausende neue Arten zutage gefördert

„Tausende neue Arten zutage gefördert“

Fast wäre die Tiefsee-Expedition „AleutBio“ kurz vor dem Start gescheitert. Doch aus dem Beinahe-Drama wurde ein Erfolg. Wie das gelang, schildert die Meeresbiologin und Fahrtleiterin Angelika Brandt.

Frau Professorin Brandt, vor einem Jahr, am 17. Juli 2022, brachen Sie mit dem Forschungsschiff „Sonne“ auf, um die Artenvielfalt der nordostpazifischen Tiefsee zu erkunden. Als Fahrtleiterin waren Sie zuständig für das wissenschaftliche Programm. Wie haben Sie die gut sechs Wochen auf See erlebt?
Es war die schwierigste Fahrt meines Lebens – und ich habe schon viele Expeditionen geleitet. Die Probleme begannen mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, also fünf Monate vor dem geplanten Start. Daraufhin wurden von deutscher Seite die Wissenschaftsbeziehungen zu Russland eingefroren. Betroffen war auch unsere sechs Jahre lang vorbereitete deutsch-russische Expedition, bei der wir die Biodiversität im östlichen Kurilen-Kamtschatka-Graben, im Aleutengraben und im Beringmeer untersuchen wollten. Beginnen und enden sollte die Fahrt in Petropawlowsk-Kamtschatski. Seit Ende 2021 hatten wir die erforderlichen Genehmigungen in der Tasche, die Finanzierung war gesichert, das Schiff im Prinzip startklar. Die Vollbremsung drei Monate vor Fahrtbeginn hat erstmal alles durcheinandergewirbelt.

Wie haben Sie es geschafft, trotzdem pünktlich loszufahren?
Wir haben uns sofort zusammengesetzt und viel mit dem Bundesforschungsministerium und der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe diskutiert. Schließlich einigten wir uns auf eine neue Route, die vom Startpunkt Dutch Harbor auf der US-Insel Unalaska in weitgehend unbekannte Tiefseebereiche im Ostpazifik führen und in Vancouver enden sollte. Der Expeditionsantrag lief über das Auswärtige Amt, das sich bei den amerikanischen Behörden für uns einsetzte. Es folgten spannende Wochen, in der wir die Fahrt weiter vorbereiteten, ohne zu wissen, ob und wann sie stattfinden kann. Durch eine internationale Ausschreibung gelang es uns, die freigewordenen acht Forschungsplätze kurzfristig neu zu besetzen. Keine ganz leichte Aufgabe, denn auf die Ausschreibung bewarben sich 70 hochqualifizierte Wissenschaftler. Als dann zwei Wochen vor dem geplanten Fahrtbeginn, am 3. Juli 2022, die Bewilligung für unser Vorhaben kam, war die Freude riesengroß. Aleutian Biodiversity Studies konnte Fahrt aufnehmen – als „AleutBio Expedition SO293“.

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© Anne-Cathrin Wölfl & Kevin Kess, Geomar

Stationen der internationalen AleutBio-Expedition im Beringmeer und Aleutengraben.

Wie war das Leben an Bord?
Erfreulich und anstrengend zugleich. Als Team haben wir wunderbar funktioniert. Wie üblich arbeiteten wir durchgehend im Schichtbetrieb. Mühselig war die Arbeit unter Coronabedingungen: Wir mussten ständig Masken tragen, auch an Deck, und uns täglich auf das Virus testen. Trotz großer Vorsicht hatten wir in den sechs Wochen elf Coronafälle, was das tägliche Miteinander natürlich erschwerte. Und dass der Sportraum aus Hygienegründen geschlossen blieb, gefiel den jungen Leuten im Team gar nicht. Über den Alltag an Bord und unsere Forschung haben wir täglich in unserem AleutBio-Blog berichtet, der oft aufgerufen wurde.

Und wie erging es Ihnen als Fahrtleiterin?
Ich bekam täglich nur vier bis fünf Stunden Schlaf, aber das war ich von früheren Expeditionen gewöhnt. Was mir mehr zu schaffen machte, war die Maskenpflicht. Ich bin schwerhörig und lese vieles von den Lippen meiner Gesprächspartner ab. Oft habe ich darum gebeten, die Maske abzunehmen und aus zwei Meter Abstand mit mir zu sprechen. 

Forschungsarbeit in der Tiefsee: Wie können wir uns das vorstellen?
Ganz wichtig ist die moderne Meerestechnik an Bord der Sonne. Das Schiff verfügt über ein zwölf Kilometer langes Tiefseekabel, an dem schwere Geräte für die Entnahme von Proben abgesenkt werden. Es gibt autonome und ferngesteuerte Unterwassergeräte und -fahrzeuge an Bord, dazu etliche Greifersysteme und geschleppte Geräte wie der Epibenthosschlitten. Der öffnet sich erst am Meeresboden und sammelt zusammen mit dem Tiefseeschlamm jene Organismen ein, die an der Bodenoberfläche oder knapp darunter leben. An Deck wartet das Wissenschaftlerteam, um die mit dem Tiefseeschlamm heraufgeholten Tierchen herauszusieben, herauszupicken, zu sortieren und zu fotografieren. Der Rest des Sediments wird mit Ethanol fixiert, um ihn Tage später unter dem Binokular auf Kleinstlebewesen zu untersuchen. Nach dem Ende der Expedition werden die Proben in gekühlte Container gepackt und für weitere Untersuchungen in die Heimatlabore verschickt. In meinem Institut in Frankfurt nahmen wir im Oktober und Dezember vergangenen Jahres zwei Container in Empfang.

AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

© 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

Das AleutBio-Team in einer ruhigen Minute und ausnahmsweise ohne Maske.

Das klingt nach einer Bilderbuch-Expedition. Lief denn bei AleutBio alles so glatt?
Die Startbedingungen waren schwierig, aber danach lief es überwiegend gut. Problematisch war der Verlust von zwei Landern, die nach dem Absetzen auf dem Meeresboden im Beringmeer beziehungsweise im Aleutengraben selbsttätig biogeochemische Parameter messen und aufzeichnen sollten. Wir haben es zwei Tage und Nächte versucht, aber es gelang uns nicht, die Lander wieder an Deck zu bringen. Schließlich mussten wir weiterfahren und den US-Behörden eine Verlustmeldung schicken. Das war natürlich ein Rückschlag. Unser Sedimentgreifer, ein sogenannter Multicorer, verhalf uns dann aber doch noch zu Proben aus dieser Ozeanregion. Wir müssen sie nun außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraums im Labor untersuchen – mit den Landern wäre eine Analyse im natürlichen Kontext möglich gewesen. 

Was genau wollten Sie bei Ihrer Expedition herausfinden?
Uns interessiert immer, wie es in der Tiefsee aussieht und welche Organismen dort vorherrschen. Darüber hinaus ging es diesmal um zwei große Themen. Topografisch weiß man, dass die pazifischen Tiefseegräben von den Aleuten über den Japangraben bis zum Marianengraben untereinander verbunden sind. Aber gilt das auch für die Fauna? Oder haben die dort lebenden Arten wenig bis nichts miteinander zu tun? Dann die Frage nach den Zusammenhängen zwischen Nordpazifik und Arktischem Ozean: Welche Arten finden sich dort jeweils, wie schnell breiten sie sich aus und welche Besonderheiten gibt es? Die Antworten auf solche Fragen sind unter anderem wichtig, wenn es um die Verlegung von Tiefseekabeln geht oder um den Tiefseebergbau, der jetzt immer mehr forciert wird. Und in Zeiten des Klimawandels müssen wir wenigstens ansatzweise verstehen, was in den Ozeanen passiert, welche Organismen wohin wandern, welche Bestände schrumpfen oder vom Aussterben bedroht sind.

Die Bühne in der Kongresshalle am Zoo Leipzig hielt dem Ansturm der Schülerinnen und Schüler stand. © MIKA-fotografie | Berlin

© 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

Moderne Schiffs- und Meerestechnik an Bord der Sonne: Epibenthosschlitten (links), Agassiz Trawl (Mitte), Großkastengreifer (rechts oben), Multicorer (rechts unten).

Gibt es schon erste Erkenntnisse?
Ja, einige sind schon publiziert, andere überprüfen wir noch. In großer Tiefe haben wir Arten gefunden, die vom Kurilen-Kamtschatka Graben bis in den Aleutengraben vorkommen, die also über eine Distanz von mindestens dreitausend Kilometer Entfernung die gleiche Art darstellen. Das war bisher nicht bekannt. Im Beringmeer sind uns die außerordentlich unterschiedlichen Lebensräume aufgefallen. Insgesamt haben wir sehr viele neue Arten zutage gefördert, die es in den kommenden Monaten und Jahren genauer zu untersuchen gilt.

Wann und wo kann man die Ergebnisse nachlesen?
Erste Bachelor- und Masterarbeiten sind, wie erwähnt, schon erschienen. Für weitere Auswertungen suchen wir übrigens noch Studierende: Wer sich also für unsere Arbeit interessiert, ist herzlich eingeladen, mit mir Kontakt aufzunehmen. Größere Publikationen in internationalen Zeitschriften bereiten wir gerade vor. Das gleiche gilt für einen Forschungsband, der umfassend über die AleutBio-Ergebnisse informieren wird. Auf unserer Website berichten wir regelmäßig über neue Veröffentlichungen. Da wird in den nächsten Jahren noch einiges zusammenkommen.

Die Forschungszusammenarbeit mit Russland liegt weiterhin auf Eis. Was wird aus Ihren Verbindungen zu russischen Kolleginnen und Kollegen?
Arbeitsbeziehungen gibt es derzeit nicht und Freundschaften, die über Jahrzehnte entstanden sind, stecken in einer tiefen Krise. Einige Kollegen haben sich im Ukrainekrieg mehr oder weniger auf die Seite Putins geschlagen, was ich nicht akzeptieren kann. Da ist viel Vertrauen verloren gegangen. Wir hören von Repressionen und Denunziationen an russischen Instituten und wissen, dass einige Wissenschaftler ihr Land verlassen haben. Putin hat der Kooperation russischer Forscher mit ausländischen Kollegen enorm geschadet.

Die Bühne in der Kongresshalle am Zoo Leipzig hielt dem Ansturm der Schülerinnen und Schüler stand. © MIKA-fotografie | Berlin

© Chong Chen, JAMSTEC

Neu entdeckte Organismen der Tiefsee, aus verschiedenen Perspektiven fotografiert: A, B: Seesterne, C: Wurmmollusk.

Was haben Sie als Nächstes geplant?
Ich bin fürs Erste vollauf mit der Auswertung der Proben unserer Expedition beschäftigt. Eine Fahrtleitung werde ich voraussichtlich nicht mehr übernehmen, AleutBio war in dieser Hinsicht mein letzter großer Kraftakt. Das hat auch mit dem langen Vorlauf solcher Unternehmungen zu tun. Immerhin warten wir bis zu vier Jahre darauf, dass wir Schiffszeit genehmigt bekommen und ich wäre dann so langsam im Pensionsalter. Daher gebe ich jetzt den Staffelstab an die jüngere Generation weiter. Aktuell unterstütze ich die Atlantikexpedition einer Kollegin. Sie war bereits mehrfach mit den Forschungsschiffen Meteor und Sonne unterwegs, um im Atlantischen Ozean ähnlichen Fragen nachzugehen, wie wir sie im Pazifik bearbeiten. In diesem Herbst fahre ich mit Studierenden auf eine Expedition in den Japangraben. Wenn wir dort die gleichen Arten fänden wie im Aleutengraben, wäre das natürlich spektakulär.

Werden Sie bei einer der nächsten GDNÄ-Versammlungen über Ihre Expedition und deren Ergebnisse berichten?
Ausgesprochen gern.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Privat

Prof. Dr. Angelika Brandt, Meeresbiologin und Expeditionsleiterin.

Interview mit Angelika Brandt im Kulturprogramm des Saarländischen Rundfunks SR2

Zur Person

Die Meeresbiologin Prof. Dr. Angelika Brandt ist Mitglied des Direktoriums am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt am Main. Sie leitet dort die Abteilung Marine Zoologie sowie die Sektionen für Krebstiere und Fischkunde. Gleichzeitig ist sie Professorin für Spezielle Zoologie an der Frankfurter Goethe-Universität. Zuvor war Angelika Brandt 22 Jahre Professorin an der Universität Hamburg und leitete von September 2004 bis Oktober 2009 das Zoologische Museum der Universität. Die 62-Jährige erforscht die Biodiversität der Makrofauna in der Tiefsee und in den Polarregionen, wobei sie sich auf die Gruppe der Meeresasseln spezialisiert hat. Für ihre Forschung nahm Angelika Brandt bislang an 30 Schiffsexpeditionen teil – mehrfach in leitender Funktion. In Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Forschungsleistungen und ihres Engagements zum Schutz der Tiefsee erhielt eine neue Art von Tiefseeasseln kürzlich den Namen Austroniscus brandtae. Angelika Brandt ist Vorsitzende der Gruppe „Biologie“ bei der GDNÄ-Versammlung 2024 in Potsdam.

Weitere Informationen:

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

Das Forschungsschiff „Sonne“ vor dem Auslaufen im Hafen von Unalaska.

Zahlen zu AleutBio

  • 38 Forscherinnen und Forscher aus 12 Nationen
  • 16 beteiligte Institutionen
  • 3631 zurückgelegte Seemeilen
  • 7230 Meter Tiefe erreicht (Aleutengraben)
  • 44 Tage, 2 Stunden, 34 Minuten an Bord
  • 952 beprobte Stellen
  • 643 Kilometer ausgelegte Tiefseekabel

Kontakt für Bachelor- und Masterarbeiten zu AleutBio:

Prof. Dr. Angelika Brandt angelika.brandt@senckenberg.de

Paul Mühlenhoff: Wer nicht selbst denkt, lernt nicht richtig

„Wer nicht selbst denkt, lernt nicht richtig“

Paul Mühlenhoff, Leiter des GDNÄ-Schülerprogramms, über verblüffende Erlebnisse mit ChatGPT, Täuschungsversuche in der Schule und Diskussionen im Lehrerzimmer.

Herr Mühlenhoff, über ChatGPT wird seit Monaten lebhaft diskutiert. Haben Sie eigene Erfahrungen mit dem Textgenerator?
Ich habe ChatGPT das erste Mal im Spätherbst 2022 ausprobiert und fand das Programm selbst in der damals noch frühen Version überraschend gut. Erfragt habe ich Übungsfragen zu einer Oberstufen-Unterrichtseinheit über den Roman „Der Trafikant“ – nur zu Testzwecken, nicht für eine konkrete Anwendung. Die Ergebnisse kamen sehr schnell, waren durchaus anspruchsvoll und schienen für die Zielgruppe geeignet zu sein. Beeindruckend fand ich, dass das Programm mir mitteilte, was es noch nicht wusste. Trotz mancher Defizite war damals schon klar, wohin die Reise geht: Diese Systeme werden immer besser werden.

In der Debatte über ChatGPT an Schulen fordern manche ein Verbot, andere betonen die Chancen. Welche Position vertreten Sie?
Ein Verbot wäre meines Erachtens sinnlos. ChatGPT und andere generative Sprachmodelle kommen auf uns zu und wir müssen uns damit auseinandersetzen. Unsere Aufgabe als Lehrkräfte ist es, die Funktionsweise zu erläutern und Missbrauch zu verhindern.

Nach einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom hat die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Deutschland ChatGPT bereits beim Erledigen von Hausaufgaben, zum Schreiben von Texten oder zur Prüfungsvorbereitung verwendet. Wie ist das an Ihrer Schule?
An meiner Schule, dem Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld, wird ChatGPT vor allem in der Oberstufe genutzt. Wie es in der Mittelstufe aussieht, weiß ich nicht genau. Ich vermute, dass es dort noch keine große Rolle spielt.

Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

© Timo Voss, Studio of Thoughts | Helmholtz-Gymnasium Bielefeld

Das Bielefelder Helmholtz-Gymnasium, hier im Luftbild, wurde 1896 gegründet. Unter dem Motto „Ein modernes Gymnasium mit Tradition“ unterrichten heute rund 100 Lehrkräfte etwa 1000 Schülerinnen und Schüler.

Für welche Zwecke nutzen die Jugendlichen an Ihrer Schule den Chatbot?
Soweit ich es beobachten kann, vor allem zum Ausprobieren und Spielen. Allerdings kam dieses Jahr auch schon in Einzelfällen der Verdacht missbräuchlicher Nutzung auf. Es ging zum Beispiel um Facharbeiten, also um Arbeiten, die ohne schulische Aufsicht zu Hause angefertigt werden und deren Note so gewichtet wird wie eine Klausurnote. Wenn sich deutliche Abweichungen zwischen den Arbeiten und den bisherigen Leistungen zeigen, werden wir natürlich stutzig.

Wie hat Ihre Schule in dieser Situation reagiert?
Da wir in der Beweispflicht stehen, haben die Kollegen die Arbeiten sehr genau unter die Lupe genommen. Wissend, dass ChatGPT auch Quellenangaben generieren kann, prüften sie bei einer Facharbeit zum Beispiel, ob Bielefelder Bibliotheken über die in der Arbeit angegebenen Bücher verfügen. Den Verdacht, dass Facharbeiten mit Hilfe anderer Personen, etwa den Eltern, angefertigt wurden, gab es auch schon früher. Aber ChatGPT eröffnet da ganz neue Dimensionen. Daher wird in unserem Kollegium bereits darüber diskutiert, ob Facharbeiten bisheriger Machart in Zukunft überhaupt noch akzeptabel sind. Müssen sie durch mündliche Prüfungen ergänzt werden oder gilt es, ganz neue Wege zu finden? 

In anderen Schulen wird das vermutlich genauso sein. Wie reagieren die Schulbehörden auf die Herausforderung?
Das Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen hat schnell reagiert und einen gut gemachten Handlungsleitfaden für den Umgang mit textgenerierenden KI-Systemen herausgebracht. Auch andere Bundesländer haben entsprechende Empfehlungen veröffentlicht.

Wie steht es um die Lehrerfortbildung zu KI allgemein und Chatbots im Speziellen.
Es gibt solche Angebote. Für mich wären sie aber erst interessant, wenn sie konkret auf meine Fächer Deutsch und Biologie zugeschnitten sind. Noch ist das nicht der Fall.

Sie haben ChatGPT schon früh getestet. Hatte das Folgen für Ihren Unterricht?
Ja, ich habe die neue Technik im Unterricht in der Oberstufe zeitnah zum Thema gemacht. Wir haben darüber gesprochen, wie Chatbots funktionieren, was sie können und was nicht. Es ging auch um die unsichere Quellenlage und datenschutzrechtliche Bedenken: Immerhin muss man seine Mobilnummer bekanntgeben, um ChatGPT umfassend nutzen zu können. Es ging mir in dem Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern aber vor allem darum, sie frühzeitig vor der Verlockung zu warnen, das KI-Modell als „Hausaufgabenhelfer“ zu nutzen. Kurzzeitig wäre die Nutzung von Vorteil, aber wer nicht selbst denkt, lernt auch nicht richtig. Und das ist ja die Gefahr, die dahinter steckt. Wir haben ChatGPT dann aber nicht weiter im Unterricht verwendet.

Können Sie und Ihre Kollegen erkennen, ob eine Hausaufgabe von Schülern oder von einem Chatbot gemacht wurde?
Bisher hatte ich noch keinen Verdachtsfall. Ich würde aber behaupten, dass wir Lehrer ziemlich schnell erkennen, ob es sich um eine eigene Leistung handelt oder nicht. Wir können das Leistungsvermögen unserer Schüler durch die Mitarbeit im Unterricht und die Klausuren sehr gut einschätzen – Diskrepanzen fallen da schnell auf. In meinen Fächern sehe ich ohnehin kaum Spielraum für den Einsatz von ChatGPT für Hausaufgaben. Die beziehen sich in der Regel auf Materialien mit Texten und Grafiken und damit kann man die KI noch nicht so einfach füttern. Bei simplen Definitionsaufgaben ist das vielleicht etwas anderes. Aber die fallen bei uns nicht groß ins Gewicht. 

In welcher Weise könnte ChatGPT in Ihren Fächern nützlich sein?
Das ist eine schwierige Frage, da die Anwendungsbereiche unglaublich umfassend und viele Fragen für uns Lehrer noch ungeklärt sind. Einen möglichen Nutzen sehe ich vor allem dort, wo die Schüler im Dialog mit der KI stehen und ihre Prompts, also ihre Anfragen, immer präziser formulieren müssen, um zum Ziel zu kommen. In diesem Prozess findet dann das Lernen statt. Im Fach Biologie wäre etwa denkbar, Experimente zunächst hypothetisch zu entwickeln oder gar einen Versuchsablauf zu modellieren. Im Fach Deutsch fände ich es zum Beispiel spannend, gezielt Dialoge eines Roman- oder Dramenausschnitts von der KI interpretieren zu lassen und die Plausibilität der Begründungen mit den Schülern zu diskutieren. Kann eine KI Ironie erfassen? Wieviel Kontext braucht sie dafür? Diese Fragen zu beantworten, wäre auch für das eigene Verständnis literarischer Texte durchaus nützlich.

Wird ChatGPT die Schule grundlegend verändern, wie manche vorhersagen?
Nein, das glaube ich nicht, jedenfalls nicht in den klassischen Schulfächern. Im Informatik-Unterricht dürfte das anders sein. Was sicher unberührt durch die neue Technik bleibt, ist unser Auftrag als Lehrer: Wir sollen junge Menschen zum selbstständigen Lernen erziehen und Wissen vermitteln. ChatGPT kann dabei möglicherweise helfen und den Unterricht bereichern, vor allem in der Oberstufe.

Die Bühne in der Kongresshalle am Zoo Leipzig hielt dem Ansturm der Schülerinnen und Schüler stand. © MIKA-fotografie | Berlin

© MIKA-fotografie | Berlin

Großes Finale des Schülerprogramms 2022 anlässlich der 200-Jahr-Feier der GDNÄ in Leipzig. Paul Mühlenhoff steht mittig in der zweiten Reihe von oben.

Sie leiten das Schülerprogramm der GDNÄ. Wird ChatGPT bei der nächsten Programmrunde 2024 eine Rolle spielen?
Die Schüler setzen sich ja immer mit Fragen auseinander, die sie selbst formuliert haben – so wird es auch 2024 in Potsdam sein. Vom Schülerprogramm aus gibt es keine Vorgaben, weder inhaltlich noch methodisch. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ChatGPT künftig zur Recherche herangezogen wird. Und ich bin überzeugt, dass die Schüler ihr Vorgehen transparent offenlegen werden.

Paul Mühlenhoff © Stefan Diesel

© Stefan Diesel

Paul Mühlenhoff ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Biologie.

Zur Person

Paul Mühlenhoff leitet das groß angelegte Schülerprogramm der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Der Lehrer für Deutsch und Biologie war lange Jahre am XLAB – Göttinger Experimentallabor für junge Leute tätig. Seit 2019 unterrichtet er in den Jahrgängen 5 bis 12 am Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld. Es wurde 1896 gegründet und bezeichnet sich selbst als „moderne Schule mit Tradition“. Dort gehen täglich um die tausend Schüler und hundert Lehrer ein und aus.

Weitere Informationen:

Was ist ChatGPT? – Antwort der Redaktion

ChatGPT ist ein Chatbot, der auf jede Frage eine Antwort hat und alles zu wissen scheint. Ein Chatbot ist ein Sprachmodell, das sich mit Menschen in natürlicher Sprache „unterhalten“, Informationen liefern und Texte schreiben und umformulieren kann. Das Sprachmodell basiert auf künstlicher Intelligenz (KI). Es berechnet die Wahrscheinlichkeit, mit der Wörter aufeinander folgen, und bildet daraus Sätze. Um die menschliche Sprache nachahmen zu können, wurde die Software mit einer großen Menge von Texten trainiert. ChatGPT kann hervorragende Ergebnisse liefern, wenn man gute Fragen stellt. Es kann aber auch mit größter Selbstverständlichkeit Blödsinn verzapfen. Wichtig ist es daher, die Antworten einem Faktencheck zu unterziehen. Das „Chat“ im Namen bezieht sich auf die Fähigkeit des Programms, sich mit Nutzern in natürlicher Sprache unterhalten zu können, das Kürzel GPT steht für Generative Pre-trained Transformer (auf Deutsch etwa: vorgeschulter Transformer). Entwickelt wurde der Chatbot von dem kalifornischen Unternehmen Open AI. 

Was ist ChatGPT? – Antwort von ChatGPT

ChatGPT ist ein fortschrittliches KI-Modell, das auf dem GPT-3.5-Architektur basiert, welches von OpenAI entwickelt wurde. Es ist darauf spezialisiert, in natürlicher Sprache mit Benutzern zu interagieren und ihnen bei der Beantwortung von Fragen oder der Lösung von Problemen zu helfen. ChatGPT kann Texteingaben verstehen, Kontext verstehen und generieren sowie menschenähnliche Antworten erzeugen. Es wurde durch maschinelles Lernen auf großen Mengen an Textdaten trainiert, um ein breites Wissen in verschiedenen Themenbereichen zu erlangen. Es ist in der Lage, Konversationen zu führen, Anweisungen zu geben, Informationen bereitzustellen und vieles mehr.

(Ergebnis einer Abfrage am 4. Juli 2023)