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„Die jungen Leute sind meine Hoffnung“

„Die jungen Leute sind meine Hoffnung“

Kaum jemand kennt sich in der gesamtdeutschen Wissenschaftslandschaft so gut aus wie sie: Warum die Bilanz der Mikrobiologin Bärbel Friedrich dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung gemischt ausfällt, was sie vom europäischen Gentechnikrecht hält und wie Corona ihren Sommer bestimmt hat.

Frau Professorin Friedrich, in diesem Jahr feiern wir dreißig Jahre deutsche Einheit. Sind Ost und West im Wissenschaftsbereich wirklich zusammengekommen?
In Berlin gibt es keine großen Unterschiede mehr. Da sehe ich im Osten und im Westen viele gute Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Außerhalb Berlins, in den ostdeutschen Flächenländern, ist jedoch einiges aufzuholen. 

Sie waren zur Wendezeit Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität Berlin. Wie haben Sie diese Jahre erlebt?
An der FU ging schon bald nach dem Mauerfall die Angst um. Eine Freie Universität als Bollwerk der freien Welt brauchte man ja nun nicht mehr. Vor der Wende waren die Subventionen reichlich geflossen, doch das endete nun abrupt. Viele Kollegen unkten, die FU werde bald in die Humboldt-Universität integriert. Ich wechselte 1994 an die HU, um dort ein neues Fach, die naturwissenschaftliche Mikrobiologie, aufzubauen.

Die FU besteht nach wie vor und im Jahr 2007 erhielt sie sogar das Exzellenzsiegel – Jahre vor den anderen Berliner Universitäten.
Ja, das war eine riesige Überraschung, aber auch ein mächtiger Ansporn für die HU. Mit dem Exzellenzprogramm von Bund und Ländern änderte sich die Stimmung, die vorher von Konkurrenz bis hin zur Feindseligkeit geprägt war. Jetzt kam es auf Kooperation an und damit stellte sich auch der Erfolg ein. Es entstanden gemeinsame Sonderforschungsbereiche und Exzellenzcluster – in meinem Fachumfeld etwa der Katalyse-Cluster UniCat, das Berliner und Brandenburger Universitäten seit 2012 zusammen betreiben. Höhepunkt dieser Entwicklung ist sicherlich das erfolgreiche Abschneiden der Berliner Universitätsallianz im Exzellenzwettbewerb 2019.

Jenseits der Hauptstadt sieht es anders aus. Wie steht es um die akademische Einheit in den ostdeutschen Regionen?
Das Bild ist sehr gemischt. Es gibt einzelne Leuchttürme, doch in der Breite hinkt die universitäre Forschung in Ostdeutschland noch etwas hinterher. Im Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Beispiel schneiden westdeutsche Universitäten deutlich besser ab. Wenn wir auf den letzten Exzellenzwettbewerb 2019 schauen, sehen wir, dass in Ostdeutschland neben Berlin nur die TU Dresden ganz oben mitspielt. Allerdings haben einige Hochschulen besondere Stärken entwickelt. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen. Als ich 1996 zum ersten Mal mit einer Delegation des Wissenschaftsrats nach Greifswald kam, hatte ich den Eindruck, man müsse das Chemie-Institut sofort schließen. Die Ausstattung war völlig veraltet, die wissenschaftliche Qualität am Boden.  Doch mit den Jahren hat sich das Niveau sehr verbessert und heute leistet die Universität Hervorragendes, vor allem in der Medizinforschung. Ich konnte das aus der Nähe beobachten, weil ich als Direktorin des Greifswalder Alfried Krupp-Wissenschaftskollegs viele Jahre eng mit der Universität kooperiert habe.

Wie erleben Sie im Alltag den persönlichen Umgang miteinander?
In Greifswald und vor allem an der Universität begegnet man sich unvoreingenommen.  Aber auf dem Land werde ich als Wessi immer noch kritisch beäugt. Ohne Touristen geht es nicht, das wissen alle, aber eigentlich bliebe man lieber unter sich. Für mein Gefühl drückt sich darin der Frust einer Verlierergeneration aus. Bei den jungen Leuten ist das anders, die sehen sich nicht mehr als Ossis, sondern als Deutsche. Die Jugend ist meine Hoffnung – mit ihr könnte sich die deutsche Spaltung auswachsen.

Sie sind schon eine Weile emeritiert, aber wissenschaftspolitisch noch sehr aktiv. Mit einigen Kollegen haben Sie unlängst Position gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu genomeditierten Pflanzen bezogen. Warum?
Viele Wissenschaftler waren maßlos enttäuscht über das Urteil. Denn es führt dazu, dass eine zukunftsweisende gentechnische Methode in Europa im Nutzpflanzenbereich praktisch nicht eingesetzt wird. Mit CRISPR-Cas, so heißt die Technik, kann man einzelne Bausteine im Erbgut sehr einfach, präzise und kostengünstig verändern – wir Wissenschaftler sprechen von editieren. Die Methode ist ein echter Quantensprung. Sie hat sehr schnell die Labore der Welt erobert und dieser Tage hochverdient den Nobelpreis für Chemie erhalten.  Mit CRISPR-Cas ließen sich nicht nur größere Ernten erzielen, die Technik könnte auch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden deutlich reduzieren. Auch Züchtungen von Pflanzen, die dem Klimawandel besser widerstehen, sind denkbar. 

Was hat der Europäische Gerichtshof gegen die Methode?
Sie wird als Risiko betrachtet und den komplexen und praxisfernen Auflagen für genetisch veränderte Organismen, kurz GVO genannt, unterworfen. Die Restriktionen haben dazu geführt, dass in Europa so gut wie keine Forschung in diesem Bereich mehr stattfindet. Wer auf dem Gebiet arbeiten und Pflanzen im Freiland testen will, muss ausweichen, zum Beispiel nach Kanada. Inzwischen gibt es viele genveränderte Pflanzen, die mit älteren Techniken hergestellt wurden, und auch schon mehr als hundert genomeditierte Pflanzen. Dazu zählen etwa Sojabohnen mit gesünderen Fettsäuren, glutenreduzierter Weizen und länger lagerfähige Kartoffelknollen. Die Veränderungen, die die neuen Sorten im Erbgut tragen, könnten auch zufällig oder durch konventionelle Züchtungsmethoden entstanden sein – ihr Ursprung ist meistens nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Von schädlichen Folgen der GVOs, ein ganz wichtiger Punkt, ist noch nie berichtet worden.

Was ist zu tun?
Das europäische Gentechnikrecht ist veraltet und sollte überarbeitet werden. Zu diesem Schluss sind wir in einer gemeinsamen Stellungnahme der Nationalakademie Leopoldina und der Union der deutschen Akademien gekommen. Als kurzfristige Maßnahme schlagen wir vor, genomeditierte Pflanzen nur dann als GVO einzustufen, wenn artfremde genetische Information eingeschleust wird – also nur in Ausnahmefällen. Längerfristig plädieren wir für einen völlig neuen Rechtsrahmen, der die Risiken für Mensch und Umwelt nicht am verwendeten Verfahren festmacht, sondern an den Eigenschaften des erzeugten Produkts.  

Welche Chancen hat Ihr Vorstoß?
In der Politik ist die FDP ganz auf unserer Seite. Die Grünen werden allmählich aufgeschlossener. In den Medien haben wir viele Fürsprecher, zusätzliche Unterstützung erfahren wir von den Bauern. Übrigens, wenn auch zögerlich, auch von Biobauern, denen die Aussicht auf eine pestizidfreie Landwirtschaft auf den voraussichtlich trockeneren Böden der Zukunft zusagt.

Sie haben zahlreiche wissenschaftliche Stellungnahmen mit auf den Weg gebracht. In diesem Jahr waren es besonders viele. Wie kam es dazu?
Es begann am 12. März, ich fuhr gerade von einer Mikrobiologentagung in Leipzig zurück nach Berlin. Da kam ein Anruf aus dem Hauptstadtbüro der Leopoldina, ich solle gleich vorbeikommen, es sei eilig. In einem interdisziplinär besetzten Team haben wir dann sofort mit der ersten Stellungnahme zum Umgang mit der Corona-Pandemie begonnen, die bereits zehn Tage später erschien. Im Frühjahr und Sommer habe ich an vier weiteren Stellungnahmen mitgearbeitet – aus dem Homeoffice, praktisch nie in Präsenz. Alles in allem war es ein enormer Kraftakt, auch weil wir wussten, dass wir eine große Verantwortung tragen. Gut war die enge Zusammenarbeit mit der Politik, die ich in dieser Intensität vorher noch nie erlebt hatte. 

Konnte Ihr Team dabei seine wissenschaftliche Unabhängigkeit bewahren?
Wir waren stets bemüht, auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Handlungsempfehlungen auszusprechen, wohl wissend, dass die Politik letztlich nach eigenen Kriterien zu entscheiden hat. Hier gibt es eine klare Grenzziehung, die uns die Unabhängigkeit bewahrt.   

Sie kennen und gestalten die deutsche Wissenschaftslandschaft seit vielen Jahren. Welchen Platz hat darin die GDNÄ?
Sie hat besondere Stärken, die in dieser Kombination sonst nicht zu finden sind. Auf ihren Versammlungen und immer mehr auch auf ihrer Website vermittelt die GDNÄ aktuelles Wissen auf hohem Niveau, aus interdisziplinärer Sicht und gut verständlich. Ein großer Pluspunkt sind die Schülerprogramme und die Kooperationen mit Lehrkräften. Die ältere Bevölkerung ist bei Zukunftsthemen oft verängstigt. Um hier voranzukommen, müssen wir Wissenschaftler in die Öffentlichkeit, vornehmlich auch in die Schulen gehen und die nächste Generation gewinnen. Hier sehe ich ein großes Potenzial für die GDNÄ.

Prof. Dr. Bärbel Friedrich

2008 im Wissenschaftskolleg Greifswald: Bärbel Friedrich, umringt von Fellows und Mitarbeitern sowie, rechts neben ihr, Berthold Beitz, damaliger Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Biografisches
Bärbel Friedrich kam 1945 in Göttingen zur Welt. Nach ihrer Promotion in Mikrobiologie an der dortigen Universität ging sie für zwei Jahre als Postdoktorandin ans Massachusetts Institute of Technology (MIT) und habilitierte sich anschließend in Göttingen. 1985 wurde sie Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität Berlin; 1994 wechselte sie an die Humboldt-Universität. Von 2008 bis 2018 war sie Wissenschaftliche Direktorin des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs, das die Universität Greifwald und den gesamten Wissenschaftsstandort fördert. Bärbel Friedrich engagierte sich in vielen wissenschaftlichen Institutionen und Gremien. Unter anderem war sie Vizepräsidentin der Leopoldina (2005 bis 2015), Mitglied der Bundestags-Enquetekommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ (2003 bis 2005), Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1997 bis 2003) und Mitglied des Wissenschaftsrats (1997 bis 2003). Sie erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz für ihr wissenschaftliches Engagement in den neuen Bundesländern und die Verdienstmedaille der Leopoldina.

Die Wissenschaftlerin
In ihrer Forschung untersucht Bärbel Friedrich unter anderem, wie sich Bakterien zur Gewinnung und Umsetzung von Wasserstoff nutzen lassen. Im Exzellenzcluster Unifying Concepts in Catalysis (UniCat) gelang es ihrem Team, Cyanobakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie Wasserstoff aus Wasser synthetisieren. Für die Massenproduktion von Wasserstoff im Rahmen der Energiewende sei das Verfahren zu aufwändig, sagt die Mikrobiologin, hier sei die Elektrolyse das geeignetere Verfahren. „Im Rahmen der Grünen Chemie ist biologisch oder elektrolytisch erzeugter Wasserstoff jedoch sehr wertvoll, zum Beispiel zur Herstellung von Grund- und Wertstoffen.“ Dabei spielen Biokatalysatoren, wie sie Friedrich mit ihrer Arbeitsgruppe erforscht – sogenannte sauerstofftolerante Hydrogenasen –, eine vielversprechende Rolle.

Weiterführende Links:

Auch an dieser Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina zur Corona-Pandemie wirkte Bärbel Friedrich mit.

Bienen halten Picasso und Monet auseinander

„Bienen halten Picasso und Monet auseinander“

In der GDNÄ ist Jürgen Tautz seit seiner Doktorarbeit, zur Bienenforschung kam er erst viel später. Wie die überaus talentierten Insekten sich untereinander verständigen, begeistert den Zoologen, Imker und bekannten Sachbuchautor bis heute.

Herr Professor Tautz, wie geht es den Bienen?
Gar nicht so schlecht, zumindest nicht in Deutschland. Hierzulande gibt es etwa eine Million Bienenvölker und rund hunderttausend Imker. Die Imkerschaft wächst von Jahr zu Jahr und sie wird zunehmend jünger, weiblicher und städtischer. In den letzten zehn Jahren sind Bienen zu außerordentlich beliebten Tieren geworden und inzwischen haben sie weltweit eine starke Lobby – viel stärker als andere Insekten.

Aber das hat doch vor allem mit dem Bienensterben zu tun?
Ein allgemeines Bienensterben gibt es nicht. Wir haben es mit regional sehr unterschiedlichen Gefahren zu tun, etwa durch Parasiten wie die Varroa-Milbe, Krankheiten oder einen Mangel an Blühpflanzen. Dadurch bedroht sind vor allem die zahlreichen weniger bekannten Wildbienenarten, die keine Staaten bilden, sondern überwiegend solitär leben. Die bei uns weit verbreitete westliche Honigbiene ist nicht gefährdet, solange eine engagierte Imkerschaft sich um sie kümmert.

Wie wirken sich Unkrautbekämpfungsmittel wie Glyphosat auf die Bienen aus?
Der negative Einfluss von Glyphosat und anderen Herbiziden ist meist indirekter Natur. Glyphosat zum Beispiel schädigt die bakterielle Darmflora der Bienen, was letzten Endes ihr Immunsystem schwächen kann. Zudem verknappt dieses Herbizid das Nahrungsangebot für viele Insekten, da außer gentechnisch veränderten Nutzpflanzen alle Pflanzen abgetötet werden.

Sammelbiene im Anflug auf eine Goldrautenblüte.

Wenn Käfer, Ameisen oder Hornissen darunter leiden, interessiert das nur wenige Menschen. Warum ist das bei Bienen anders?
Im ersten Moment ist das tatsächlich erstaunlich. Immerhin sind in einem Bienenstock rund fünfzigtausend Giftstacheln versammelt. Aber unserer Bienenliebe tut das keinen Abbruch. Das hat geschichtliche Gründe, denke ich. In allen Kulturen ist Honig eine Speise der Götter, denken wir nur an Ambrosia in der griechischen Mythologie. Für unsere Vorfahren war es immer ein Fest, wenn sie ein Bienennest mit Honig fanden. Wie wichtig die Bienen für Naturhaushalt und Landwirtschaft sind, erkannte man aber erst Ende des 18. Jahrhunderts. Damals beobachtete der Berliner Theologe Christian Konrad Sprengel, dass Bienen die Pflanzen bestäuben und damit befruchten. Man kann also sagen, die Bienen sind ein Schlüsselorganismus und ein wunderbarer Brückenbauer zwischen Umwelt und Mensch.

Sie sind Zoologe. Was genau hat Sie zur Bienenforschung gebracht?
Ich habe mich erst mit 45 Jahren in diese Richtung spezialisiert. Vorher ging es in meiner Forschung um Schmetterlingsraupen, Krebse, Frösche, Fische und andere Organismen. Nach ersten Einblicken in die Kommunikationsbiologie der Biene war ich dann aber absolut fasziniert und bin nicht mehr davon losgekommen.

Was beeindruckt Sie so an der Biene?
Bienen sind unglaublich belastbar und verfügen über verblüffende Fähigkeiten. Die Honigbiene zum Beispiel kann bis vier zählen, hat eine Vorstellung vom Konzept der Zahl Null und kann die Malstile von Picasso und Monet auseinanderhalten. Das ist alles experimentell belegt. Faszinierend ist auch die Kulturgeschichte: So hat man erst im 18. Jahrhundert entdeckt, dass ein Bienenvolk von einer Königin angeführt wird und nicht, wie Jahrtausende behauptet wurde, von einem König. Wir haben es tatsächlich mit einem Frauenstaat zu tun, der hervorragend funktioniert, nicht zuletzt durch die ausgeklügelte Kommunikation untereinander.

Welche Bedeutung hat dabei die Tanzsprache der Bienen?
Sie spielt eine wichtige Rolle, wie schon die Forschungsarbeit des Nobelpreisträgers Karl von Frisch zeigt. Er hatte beobachtet, wie Arbeitsbienen ihren Artgenossinnen durch tanzartige Bewegungen im Bienenstock, den sogenannten Schwänzeltanz, den Weg zur Nahrung wiesen. Die dabei mitgeteilte Information liefert jedoch nur eine grobe Orientierung, wie wir heute wissen. Um den genauen Futterplatz zu finden, braucht die Honigbiene weitere Informationen, die sie während des Flugs erhält – unter anderem durch die unterwegs nicht abreißende Kommunikation mit Artgenossinnen.

Pollensammelnde Honigbiene an einer Kirschblüte.

„Die Bedeutung des Bienentanzes wird überschätzt“ – Mit diesem Satz wurden Sie vor Jahren in einer Tageszeitung zitiert, was eine heftige Kontroverse in der Fachwelt auslöste. Wie stehen Sie heute dazu?
Die Kontroverse wäre in dieser Form nicht nötig gewesen. Meine Sicht der Dinge hat sich seither nicht verändert: Im Schwänzeltanz sehe ich den Beginn einer lückenlosen Kommunikation, die die Arbeiterinnen ausgehend vom Bienenstock und ergänzt durch weitere Informationen treffsicher zur Nahrungsquelle führt. Diese Einschätzung wird durch viele internationale Forschungsergebnisse gestützt.

Sie haben viel für den Dialog mit der Öffentlichkeit getan und sind für Ihre vorbildliche Vermittlungsleistung im Jahr 2012 mit dem renommierten Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Stifterverbands ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen die Ehrung?
Die Mitmenschen für Dinge interessieren und begeistern zu dürfen, die man selbst für wichtig hält, ist wunderbar. Aber es kostet auch Ressourcen, die der eigentlichen Forschungsarbeit entgehen. Da ist der Communicator-Preis schon eine sehr motivierende Anerkennung.

Diese wildlebenden Honigbienen haben in einer alten Schwarzspechthöhle eine Wohnstätte gefunden. Anders als Honigbienen, die vom Imker gehalten werden, sind Wildbienen der natürlichen Selekton ausgesetzt. Eine Folge: Sie können sich flexibel an veränderte Lebensbedingungen anpassen.

Als Professor im Ruhestand engagieren Sie sich heute vor allem in der schulischen Bildungsarbeit. Was treibt Sie dabei an?
Mein Team und ich wollen junge und ältere Leute mit einem modernen Projekt persönlich und nicht nur digital zusammenbringen. Bei uns können Fridays-for-Future-Anhänger konkret etwas für Umwelt und Klima tun. Nach den guten Erfahrungen mit einem Onlineprojekt an der Universität Würzburg namens Honeybee Online Studies, kurz HOBOS, haben wir vor Kurzem mit we4bee ein neues Vorhaben gestartet. Im Zentrum stehen dabei Hightech-Bienenstöcke zur eigenständigen Umweltforschung.

Wie können wir uns die Schulforschung vorstellen?
Derzeit haben deutschlandweit mehr als hundert Schulen solche Bienenstöcke bei uns ausgeliehen. Dank eines großzügigen Förderers, der Audi-Stiftung für Umwelt, ist das für die Schulen kostenfrei. Jeder Stock beherbergt ein Bienenvolk, dessen Zustand und Verhalten mit im Nest installierten Kameras und Sensoren rund um die Uhr aufgezeichnet wird und per App beobachtet werden kann. Zusätzlich werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wetterlage und andere Umgebungsparameter dokumentiert. Die Schülerinnen und Schüler tragen alle Daten zusammen und schicken sie zur Auswertung an unser Team an der Universität Würzburg. Was braucht ein Bienenvolk, um gesund zu bleiben? Und schadet das neue Mobilfunknetz 5G den Bienen? Das sind nur zwei der Fragen, die wir anhand der Daten hoffentlich bald besser beantworten können. Die Ergebnisse wollen wir aber nicht nur mit den jungen Leuten diskutieren, sondern alle Generationen im Gespräch über die Bienen zusammenbringen. Auch Imker sollen davon profitieren, damit sie ihren Völkern bestmögliche Lebensbedingungen schaffen können.

Wie geht es Ihren eigenen Bienen und welche Zukunftshoffnung haben Sie als Imker?
Meine eigenen fünf Bienenvölker sind wohlauf. Für die Zukunft hoffe ich auf Umweltbedingungen, die für die Bienen insgesamt zuträglich sind. Dann geht es auch einem riesigen Netzwerk in der Natur gut und letztlich auch uns Menschen.

Forschung am Futterplatz: Diese Sammelbienen wurden nach der Geburt mit einem RFID-Chip versehen, der ihre Flugaktivität erfasst.

Der Zoologe und Bienenforscher Professor Jürgen Tautz.

Zur Person
Jürgen Tautz ist Verhaltensforscher, Bienenforscher und Imker. Als Professor am Biozentrum der Universität Würzburg im Jahr 2015 emeritiert, leitet er heute we4bee, ein Netzwerk zur Umweltforschung und Umweltbildung in Schulen. We4bee schließt an HOBOS (Honeybee Online Studies) an, eine internetbasierte Lehr- und Lernplattform zur Honigbiene, die Tautz 2006 gründete. Der 1949 in Heppenheim geborene Zoologe studierte an der Technischen Universität Darmstadt Biologie, Geographie und Physik. Nach seiner Dissertation in Konstanz bei Hubert Markl kam er über Stationen in Canberra/Australien und Stanford/Kalifornien im Jahr 1990 an die Universität Würzburg. Neben rund 400 Fachpublikationen veröffentlichte Jürgen Tautz mehrere Sachbücher, darunter Bestseller wie „Phänomen Honigbiene“. Das 2007 erstmals erschienene Werk wurde in zwanzig Sprachen übersetzt. Derzeit arbeitet er an einem Buch, das die Sprache der Bienen und deren Erforschung aus einem neuen Blickwinkel betrachtet; erscheinen soll es im Frühjahr 2021.

Weitere Informationen:

Der Hightech-Bienenstock der St.-Ursula-Schule Würzburg: Der Stockeingang wird permanent von einer Mini-Videokamera beobachtet. Der grüne Kasten, auf dem die Bienen stehen, ist eine Waage. Die an einem Mast befestigte Wetterstation erfasst Temperatur, Luftfeuchte, Regen, Sonnenschein, Wind und die Belastung mit Feinstaub. Alle Daten (auch die aus dem Inneren des Bienenstocks, dessen Messsysteme hier nicht zu sehen sind) laufen kontinuierlich am Institut für Informatik der Universität Würzburg zusammen. Dort werden sie analysiert, aufbereitet und für alle Interessierten abrufbar ins Netz gestellt.

Coronakrise: Vertrauen in die Wissenschaft steigt

Coronakrise: Vertrauen in die Wissenschaft steigt

In der Corona-Pandemie sind Einschätzungen aus der Wissenschaft sehr gefragt. Repräsentative Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung den Aussagen in hohem Maße vertraut und sich noch mehr Informationen wünscht.

In der Coronakrise ist die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft deutlich gestiegen. Bei einer repräsentativen Umfrage für das Wissenschaftsbarometer 2020 gaben 66 Prozent der Befragten an, Wissenschaft und Forschung zu vertrauen. Bei ähnlichen Befragungen der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ in den Jahren 2017 bis 2019 hatten nur rund 50 Prozent diese Einstellung vertreten.

Auch das Institut für Demoskopie Allensbach ermittelte 2020 einen klaren Vertrauenszuwachs für die Forschung. Demnach verlassen sich 43 Prozent der Befragten bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darauf, dass sie die Wahrheit sagen. Im Jahr 2015 lag dieser Wert in der Allensbach-Umfrage nur bei 30 Prozent. Die Berufsgruppe der Forscher liegt damit in punkto Glaubwürdigkeit auf Rang drei. Nur die langjährigen Spitzenreiter, Ärzte und Richter, schneiden besser ab.

Für einen konstruktiven Dialog

Forscher werden nicht nur für ihre Beiträge zur Beratung von Politik und Bevölkerung geschätzt. Der Allensbach-Studie zufolge nimmt jeder zweite Deutsche (54 Prozent) die Naturwissenschaften auch als wichtigen Impulsgeber für die Zukunft wahr. Das Ansehen von Parteien und Politikern als gestaltende Kräfte ist demnach von 25 auf 31 Prozent gestiegen. Zurückgegangen ist hingegen der wahrgenommene Einfluss von Journalisten (von 26 auf 19 Prozent) und von Bürgerbewegungen (von 42 auf 29 Prozent).

„Die Zahlen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung gerade in kritischen Zeiten der Wissenschaft vertraut“, sagt Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Die Wissenschaft dürfe dieses Vertrauen jedoch nicht als selbstverständlich betrachten. Die GDNÄ sehe sich daher in der Verantwortung, den konstruktiven Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft zu fördern, ergänzt Lohse.

Bei der Vermittlung von Wissenschaft besteht großer Nachholbedarf. Das belegen andere repräsentative Umfragen, wie zum Beispiel das Technikradar 2020. In dieser Erhebung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Körber-Stiftung zeigen sich lediglich 15 Prozent der rund zweitausend Befragten zufrieden mit der Art und Weise, wie die Politik über Technikfolgen informiert. Immerhin 70 Prozent fordern eine stärkere Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern bei der Einführung neuer Techniken.

Kritik an fossilen Rohstoffen

Im Fokus des Technikradars 2020 steht das Thema Bioökonomie. Der Begriff bezieht sich auf neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, die zu einem nachhaltigeren und zukunftsfähigen Wirtschaftssystem beitragen. „Herkömmliche Lösungen für Energieerzeugung, Mobilität und industrielle Produktion, die auf fossilen Rohstoffen basieren, geraten in der Bevölkerung zunehmend unter Rechtfertigungsdruck“, heißt es im Technikradar-Bericht. So sprechen sich beispielsweise mehr als Hälfte der Deutschen in der Befragung dafür aus, dass die Politik Maßnahmen für den Klimaschutz durchsetzt, auch wenn die Wirtschaft darunter leidet.

Die Bewertung einzelner Themenfelder der Bioökonomie fällt unterschiedlich aus. 88 Prozent der Befragten befürworten den Ersatz von Kunststoffen durch Bioprodukte. Dreiviertel findet Gentherapien bei Erwachsenen gut. 60 Prozent plädieren für mehr Forschungsförderung zur Entwicklung von Bio-Sprit. Aber nur jeder Vierte kann sich mit dem Verzehr von Fleisch aus dem Labor anfreunden. Noch geringer fällt die Zustimmung für gentechnisch veränderte Pflanzen aus.

Viele dieser Entwicklungen bergen großes Potenzial in einer Welt, die vor drängenden Fragen steht: Wie bewältigen wir globale Krisen? Wie bleiben wir gesund? Wie werden wir wohnen, uns fortbewegen und miteinander kommunizieren? „Diese Fragen können nicht allein von Klimaforschern, Medizinern, Sozial- und Naturwissenschaftlern beantwortet werden“, sagt Martin Lohse.  „Auch deshalb werden Plattformen wie die GDNÄ für einen vernunftgeleiteten und interdisziplinären Dialog der Wissenschaft mit der Gesellschaft und für den Austausch zwischen Jung und Alt immer wichtiger.“

Technik wird positiv gesehen

Die Vorrausetzungen für einen Dialog scheinen gut zu sein. So berichtet der Technikradar 2020 von einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung für Wissenschaft und technischen Fortschritt. 48,7 Prozent der Befragten glauben, dass die technische Entwicklung nachfolgenden Generationen eine höhere Lebensqualität bescheren wird. Nur 16 Prozent stimmen dieser Aussage nicht zu.

Die allgemeine Technikfreundlichkeit ist bei 52 Prozent der Befragten stark oder sehr stark ausgeprägt und nur bei elf Prozent gering oder sehr gering. Dabei mache es keinen Unterschied, ob die Befragten in Ost- oder in Westdeutschland, in einer Großstadt oder auf dem Land leben, heißt es in der Auswertung. Männer seien im Durchschnitt noch immer technikaffiner als Frauen. Und je höher der Schulabschluss sei, desto stärker sei auch das Interesse an Technik.

Was das Technikradar auch zeigt: Ein besseres Verständnis von wissenschaftlichen Ergebnissen erhöht nicht notwendigerweise die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern. Zwar tragen die Aussagen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie entscheidend dazu bei, dass Einschränkungen des täglichen Lebens weithin akzeptiert werden. Für den Umwelt- und Klimaschutz gilt das aber nicht. Finanzielle Mehrbelastungen für sich selbst lehnen die meisten Befragten ab und staatlichen Zwang zum umweltgerechten Handeln befürwortet nur ein Drittel.

Abbildung aus dem „Wissenschaftsbarometer 2020“

Titelblatt des Technikradars 2020, einer repräsentativen Befragung zur Einstellung gegenüber Wissenschaft und Technik

Weitere Informationen:

Reinhard Hüttl: Die eigentliche Krise bleibt der Klimawandel

„Die eigentliche Krise bleibt der Klimawandel“

Der Geowissenschaftler Reinhard Hüttl über Forschung in Corona-Zeiten, die Energieversorgung von morgen und den Wert guter Wissenschaftskommunikation

Herr Professor Hüttl, Ihr Helmholtz-Zentrum beschäftigt knapp 1300 Mitarbeiter. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Haus aus?
Die Arbeit findet nach wie vor zu einem beträchtlichen Teil im Home Office statt. Nur etwa die Hälfte der Beschäftigten arbeitet auf dem Berg, wie wir sagen – also in unseren Büros und Labors auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Reisen ins Ausland sind nur eingeschränkt möglich, Inlandsfahrten nur unter Beachtung des Infektionsschutzes.

Wie sehr beeinträchtigt das die Forschung?
Bisher ist noch kein Projekt wegen der Pandemie gescheitert, aber es gibt durchaus erhebliche Verzögerungen. Bestimmte Messungen, die wir nur im Frühjahr durchführen können, mussten in diesem Jahr ausfallen. Das war zum Beispiel bei unserem Projekt in der Lausitz der Fall. Dort untersuchen wir die Auswirkungen des Klimawandels auf Böden und Wälder und testen neue Wege der Landnutzung. Die Corona-Einschränkungen machen vor allem unserem wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen. Praktika mussten abgesagt werden und den Doktoranden fehlen jetzt Daten für ihre Arbeiten. Die für ihr berufliches Fortkommen so wichtigen Tagungen wurden verschoben oder fallen ganz aus.

Wie gehen Sie mit dem Problem um?
Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass wissenschaftliche Karrieren durch die Krise beschädigt werden. Deshalb wurden zum Beispiel die Fristen für Abschlussarbeiten verlängert. Wichtig ist jetzt vor allem das weitere Hochfahren der Forschung. Unser Krisenstab hat dafür ein Konzept für einen eingeschränkten Präsenzbetrieb erarbeitet. Es regelt, wie Labor- und Feldarbeiten unter Beachtung des Infektionsschutzes aufgenommen werden können. Dadurch werden jahreszeitlich bedingte Messungen wieder möglich, aber auch Wartungsarbeiten an Instrumenten.

Lässt sich die Rückkehr zum Normalbetrieb schon absehen?
Leider nicht, dafür ist es noch zu früh. Wir gehen davon aus, dass das Infektionsgeschehen unsere Arbeit längerfristig beeinflusst und wir uns im eingeschränkten Präsenzbetreib einrichten müssen. Aber das wird schon klappen. Das Hauptproblem ist ein anderes.

Welches?
Die eigentliche Krise ist nach wie vor der Klimawandel. Hitzewellen, Dürren, Starkregen und andere Extremereignisse führen uns das immer deutlicher vor Augen. Bewältigen werden wir die Herausforderung nur durch eine Doppelstrategie. Einerseits müssen wir den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen drastisch senken. Andererseits kommen wir als Gesellschaft und als Industrienation nicht umhin, uns an die Folgen der regionalspezifischen Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Etwa durch einen Umbau unserer Wälder, eine widerstandsfähigere Landwirtschaft, Maßnahmen für Hochwasserereignisse und eine klimaneutrale Energieversorgung. Hier kann das GFZ mit seinem Wissen und seinen innovativen Technologien maßgebliche Beiträge leisten.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Nehmen wir die Thematik verlässliche Energiespeicherung. Wie schnell Lieferketten abbrechen können und wie wichtig eigene Reserven sind, hat uns die Coronakrise aktuell vor Augen geführt. Doch gerade in Deutschland liegt die Lösung nah. Wir verfügen nämlich über große unterirdische Gasspeicher – die viertgrößten in der Welt und die größten innerhalb der EU. Dort können wir Nutzgas über lange Zeit halten und bei Bedarf entnehmen. Die Speicher werden seit Jahrzehnten sicher betrieben. Ihre Zuverlässigkeit hat sich auch in zahlreichen Untersuchungen des GFZ erwiesen.

Unterirdisch gespeichert wird heute vor allem das Treibhausgas Methan. Wo bleibt da der Klimaschutz?
Es wird nicht allein bei Methan bleiben. Auch Wasserstoff als völlig kohlenstofffreier Energieträger lässt sich in Salzkavernen wie auch in porösen Gesteinsformationen lagern. Diese Gesteine eignen sich darüber hinaus zur Speicherung von synthetischem klimaneutralem Erdgas, das als zuverlässiger Energieträger helfen kann, die schwankenden Erträge von Wind- und Sonnenkraft auszugleichen. Noch ist die Speicherung eine Schwachstelle der Energiewende, die wir für eine klimafreundliche Zukunft so dringend brauchen. Ein weiterer Pluspunkt unterirdischer Speicher: Dort lässt sich auch Kohlendioxid sicher deponieren, wie wir am GFZ überzeugend nachweisen konnten. Das Gas gelangt nicht in die Atmosphäre, kann jedoch für industrielle Anwendungen je nach Bedarf entnommen werden.

Wie beurteilen Sie die Nationale Wasserstoffstrategie, die die Bundesregierung jetzt verabschiedet hat?
Ich begrüße die Strategie ausdrücklich. Sie verbindet Klimaschutz und technologische Innovation und berücksichtigt zudem die erforderlichen Importe. Wasserstoff wird das neue Öl und das neue Gas sein – das haben andere Technologienationen wie Japan, Australien und China längst erkannt. Noch kann Deutschland eine führende Rolle erringen und dafür werden wir uns innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft mit aller Kraft engagieren.

Aktuell geht es in der öffentlichen Diskussion eher um E-Autos und Ladestationen. Wie passt das zur Wasserstoffstrategie?
Ich bedaure, dass wir in Deutschland noch so stark auf E-Mobilität und die elektrochemische Energiespeicherung in Batterien setzen. Der enorme Ressourcenverbrauch einschließlich des CO2-Fußabdrucks wird bei diesen Technologien, auch im Vergleich zu konventionellen Antrieben, oft nicht mit eingerechnet. Ein Beispiel: Unter Berücksichtigung aller Umweltbelastungen erreicht ein e-Fahrzeug erst nach etlichen Jahren das Niveau eines vergleichbaren modernen Diesel-Fahrzeugs. Für Industrie, Flugzeuge und Schiffe reicht das Potenzial rein elektrischer Lösungen ohnehin nicht aus. Für eine umweltschonende Kreislaufwirtschaft und zugleich sichere Versorgung brauchen wir klimaneutralen Wasserstoff. Er ist die weitaus bessere Alternative und muss vor allem dort erzeugt werden, wo günstige Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien existieren.

Herr Professor Hüttl, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch fand im Mai 2020 statt.

Prof. Dr. Reinhard Hüttl

Zur Person
Prof. Dr. Reinhard Hüttl war von 2007 bis 2021 Wissenschaftlicher Vorstand am Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ). Nach seiner Habilitation an der Universität Freiburg lehrte und forschte der aus Regensburg stammende Forst- und Bodenwissenschaftler ein Jahr lang in Hawaii, bevor er 1993 auf den Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung an der Brandenburgischen-Technischen Universität in Cottbus berufen wurde. Reinhard Hüttl engagiert sich in vielen wissenschaftlichen Gremien und Institutionen. Er ist Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Akademien, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrendoktor der Universität für Bodenkultur in Wien. Von 2008 bis 2017 war er Präsident von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.

Forschung am GFZ
Das GFZ ist das nationale Forschungszentrum für Geowissenschaften in Deutschland. Grundlagenforschung zur Dynamik der festen Erde ist ein zentrales Anliegen am GFZ; Lösungen für große Herausforderungen der Gesellschaft zu entwickeln, ein weiteres. Die Forschung ist in einer Matrixstruktur mit vier disziplinären Departments und fünf interdisziplinären Forschungseinheiten organisiert. Dabei geht es beispielsweise um die Wechselwirkungen zwischen Erdoberfläche und Klima, aber auch um die ganzheitliche Nutzung von Georessourcen und Geoenergie. Das GFZ beteiligt sich darüber hinaus am GEOFON-Netzwerk zur weltweiten Erdbebenbeobachtung, erfasst die Teilchenstrahlung der Sonne und stellt Satellitendienste zur Verfügung, von denen unter anderem das Funktionieren von Navigationssystemen abhängt. Das GFZ beschäftigt knapp 1300 Mitarbeiter, darunter gut 900 Wissenschaftler. Finanziert wird das Zentrum zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Brandenburg. Im Jahr 2020 steht ein Budget von 110 Millionen Euro zur Verfügung.

Würzburg 2021 | Nächste GDNÄ-Tagung findet vom 10. bis 12. September 2021 statt

Würzburg 2021

Nächste GDNÄ-Tagung: 10.-12.9.2021

Angesichts der gegenwärtigen Corona-Lage hat sich der Vorstand der GDNÄ entschlossen, die Jahresversammlung in das Jahr 2021 zu verschieben. Neuer Termin ist der 10. bis 12. September 2021. Das Thema „Wissenschaft im Bild“ und das Programm sollen so weit wie möglich erhalten bleiben. Das genaue Programm wird im Herbst 2020 auf dieser Website bekannt gegeben sowie im Frühjahr 2021 an die Mitglieder versandt werden. Wir freuen uns, Sie dann 2021 bei einer spannenden Tagung begrüßen zu dürfen. 

Zusammen mit der Versammlung müssen auch die nächste Mitgliederversammlung und die dort geplanten Wahlen auf dieses Datum verschoben werden.

Die 132. Versammlung der GDNÄ ist im gewohnten Rhythmus für das Jahr 2022 vorgesehen. In Leipzig, dem Gründungsort der GDNÄ, feiern wir dann das 200-jährige Bestehen unserer Gesellschaft.