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  • „In die Digitalisierung ist Schwung gekommen“

    Feline Lohkamp besucht im elften Jahrgang das Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld. Die 15-Jährige ist Stufensprecherin an ihrer Schule. Hier berichtet sie über das Lernen im Corona-Ausnahmezustand.

    Frau Lohkamp, wie geht es Ihnen in Coronazeiten?
    Nicht schlecht, aber ich habe das Zeitgefühl etwas verloren. Seit ungefähr fünf Wochen ist unsere Schule geschlossen und wir versuchen, den im Lehrplan vorgesehenen Stoff für das Zentralabitur zu Hause durchzuarbeiten.

    Wie machen Sie das?
    Unsere Schule stellt Aufgaben über eine schuleigene Cloud namens Nextcloud zur Verfügung. Wir finden dort Jahrgangsordner und Kursordner mit Arbeitsblättern, die unsere Lehrkräfte einstellen. Einmal hatten wir eine Videokonferenz mit allen Kursteilnehmern – das war eine erfrischende Abwechslung.

    Kommen alle gut mit der Technik klar?
    Naja, da gibt es schon ein paar Probleme. Manchmal ist die Cloud überlastet, dann müssen wir uns per E-Mail austauschen. Und nicht alle sind technisch ausreichend versiert – das gilt für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Lehrkräfte. Dass meine Schule die Voraussetzungen für E-Learning jetzt in kurzer Zeit und ohne echte Vorbereitung bereitstellen kann, hätte ich nicht gedacht. Für einen noch besseren Austausch werden wir jetzt auf die Kommunikationsplattform Sdui umschwenken. In die Digitalisierung ist bei uns richtig Schwung gekommen.

    Was glauben Sie: Wird das so weitergehen, auch nach der Coronakrise?
    Es wäre toll, wenn wir auch in Zukunft online auf Unterrichtsmaterialien zugreifen könnten, statt ausschließlich auf kopierte Unterlagen angewiesen zu sein. Das würde Umwelt und Ressourcen schonen und uns Last von den Schultern nehmen – derzeit wiegen Schultaschen nicht selten acht Kilogramm und mehr.

    Wünschen Sie sich eine komplette Digitalisierung?
    Nein, auf keinen Fall. Gute Tafelbilder sind wunderbar, auch wenn sie altmodisch mit Kreide gemacht werden. Und auf Schulbücher oder Arbeitsblätter möchten die wenigsten unter uns ganz verzichten. Ich bin für einen digital gestützten Unterricht, der Elektronisches mit Analogem verbindet. Der direkte persönliche Kontakt ist wichtig –das merken wir erst jetzt so richtig.

    Inwiefern?
    Die meisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler vermissen die Schule sehr. Manche sind regelrecht deprimiert. Zu Hause fehlt der persönliche Kontakt zu unseren Lehrkräften, die bei Schwierigkeiten helfen können. Mir geht es zum Beispiel so im Fach Mathematik.

    Wie können wir uns Ihren Alltag derzeit vorstellen?
    Ich versuche, früh aufzustehen und gleich mit der Arbeit für die Schule zu beginnen. Um mein Lernen zu organisieren, habe ich mir selbst Lehrpläne gemacht. Das funktioniert eigentlich ganz gut.

    Wie geht es anderen in ihrem Jahrgang?
    Ich merke, dass viele die Zeit nutzen, um über ihre Zukunft nachzudenken. Mein Eindruck ist auch, dass es den Mädchen oft leichter fällt, ihr Lernen zu organisieren. Was uns allen zunehmend zu schaffen macht, ist die Kontaktsperre.

    Sie machen im kommenden Jahr Abitur. Welche Zukunftspläne haben Sie?
    Ich schwanke zwischen einer Laufbahn in der Wissenschaft oder einem sozialen Beruf. Zum Glück habe ich noch etwas Zeit mit der Entscheidung.

     

    Feline Lohkamp besucht im elften Jahrgang das Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld.