Lassen Sie uns einen Blick zurückwerfen: Wie kam es, dass Sie Chemiker wurden?
Das begann, als ich elf Jahre alt war. Zusammen mit zwei Freunden hatte ich ein kleines Labor in einem Keller in Frankfurt eingerichtet, die nötigen Chemikalien kauften wir bei einem benachbarten Apotheker. Damals hatte ich noch keinen Chemieunterricht. Später hatte ich ein paar begnadete Lehrer, die mich bestärkten. Aber da war mein Interesse an dem Fach schon sehr groß und kein Lehrer hätte mich von dem Pfad abbringen können.
Die GDNÄ hat eine eigene Jugendorganisation, die jGDNÄ. Gibt es etwas, das Sie jungen Leuten mit Interesse für die Naturwissenschaften raten?
Folgt Eurer Begeisterung! Lasst Euch nicht beirren, auch wenn die Eltern sagen: Ich sehe Dich als Anwalt oder Arzt. In den Naturwissenschaften gibt es gute Karrierechancen, sowohl im akademischen Bereich als auch in der Industrie. Die Welt hat erkannt, wie wichtig Forschung ist. Und es ist ein Glücksfall, wenn man sich dafür interessiert. Es macht diebische Freude, der Natur ein paar Geheimnisse entreißen zu können und damit vielleicht die Welt zu verändern.
Am 19. September halten Sie bei der GDNÄ-Versammlung in Bremen den öffentlichen Nobel-Vortrag zum Thema „Organokatalyse für unsere Welt“. Welche Vorbildung braucht man, um Ihnen folgen zu können?
Interesse am Thema sollte ausreichen. Ich versuche, so allgemeinverständlich wie möglich zu sprechen.
Was wollen Sie Ihrem Publikum mit auf den Weg geben?
Die Organokatalyse kann beides sein, Grundlagenforschung und Anwendung. Beides ist reizvoll und das möchte ich vermitteln. Und dabei auch ein bisschen für die Max- Planck-Gesellschaft werben. Ihre großartige Grundlagenforschung ist vielen bekannt, aber dass sie auch die erfolgreichste Gründerorganisation hierzulande ist, wissen längst nicht alle. Eine Botschaft hätte ich noch: Wichtig ist Enthusiasmus für das, was man tut. Egal, ob in der Forschung oder in anderen Lebensbereichen.
Gestatten Sie zum Abschluss eine Frage zu einem besonderen Foto, das Sie mit verschränkten Beinen auf Ihren Händen stehend im Labor zeigt. Wie kam es dazu?
Das Bild ist ein paar Jahre vor dem Nobelpreis entstanden, bei einem Interview mit meiner Studienkollegin Catarina Pietschmann, die als freie Journalistin in Berlin arbeitet. Man muss gelegentlich in eine andere Richtung schwimmen, hatte ich in dem Gespräch gesagt, vielleicht auch mal auf dem Kopf stehen. So entstand die Idee mit dem Handstand in Lotuspose. Meine Frau war gerade im Labor, sie hat mich gehalten. Frei im Handstand stehen, das bringe ich allein noch nicht fertig.
Sie praktizieren Yoga?
Ja, Yoga ist wichtig für mich, um frisch im Kopf zu bleiben. Ich mache das seit vielen Jahren so, täglich ein bis zwei Stunden und meistens ohne Anleitung. Inzwischen kann ich es ja ein wenig.