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  • Carsten Bolm: „Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht“

    „Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht“

    Chemieprofessor Carsten Bolm, Mitglied im GDNÄ-Vorstandsrat, über kreative Forschung, seine nur scheinbar geradlinige Laufbahn und lohnende Perspektiven für den Nachwuchs.

    Herr Professor Bolm, Sie haben sich früh für die Chemie entschieden, sind Hochschullehrer geworden und dabei geblieben – inzwischen seit gut dreißig Jahren. Würden Sie diesen Weg noch einmal gehen?
    Ja, für mich ist er immer genau richtig gewesen. Ich kann meine Forschung nach eigenem Ermessen gestalten und talentierte junge Leute in ihrer Entwicklung begleiten: Diese Vorzüge genieße ich Tag für Tag. Es ist kein Nine-to-five-Job, man ist immer gefordert und gelegentlich findet mein Team, dass ich zu hart arbeite. Es gibt diesen Trend beim Nachwuchs, der Universität den Rücken zu kehren und sich einen ruhigeren Job zu suchen. Da versuche ich gegenzusteuern, unter anderem mit meinem Vortrag „Warum Sie an der Hochschule bleiben sollten“. Ich werde ihn demnächst wieder halten.

    Was sind Ihre Hauptargumente für die Hochschullaufbahn?
    Die gedankliche Freiheit und die Möglichkeit dem nachzugehen, was man beruflich am liebsten tut.

    Wodurch wurde Ihre Begeisterung für die Forschung und speziell für die Chemie geweckt?
    Rollenmodelle in der Familie gab es nicht. Aber meine Eltern haben mir Chemiebaukästen geschenkt und ich durfte in einer nahegelegenen Apotheke alle Chemikalien kaufen, die ich für meine Experimente brauchte. Heute ginge das nicht mehr, es wäre den Erwachsenen zu riskant, aber in den Sechziger- und Siebzigerjahren war das kein Problem. Viel zu verdanken habe ich meiner Biologielehrerin. Sie promovierte nebenher im Fach Mikrobiologie und unterrichtete Biologie mit einer starken Chemieorientierung. Ihre Begeisterung war ansteckend und irgendwann war mir klar: Ich werde Chemiker.

     © Carsten Bolm

    Die große, international gemischte Arbeitsgruppe von Carsten Bolm vor dem Institutsgebäude.

    Diesen Plan haben Sie, so scheint es, zielstrebig umgesetzt.
    Von außen wirkt das vielleicht so. Ich selbst empfand mich in der Zeit als ziemlich sprunghaft. Acht Umzüge, in Deutschland, der Schweiz, in den USA, und nirgendwo war ich länger als zwei Jahre. Dass daraus eine akademische Laufbahn wurde, hat viel mit dem Glück zu tun, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute zu treffen.

    Sie sprachen von der Faszination der Chemie. Was genau fasziniert Sie?
    Die Chemie erfordert sowohl Kopf- als auch Handarbeit, eine wunderbare Kombination. Sie ist auch die einzige Disziplin, in der ständig neue Stoffe herstellt werden – Substanzen, die es vorher nicht gab. Das begeistert mich immer wieder aufs Neue.

    Sie sind Organischer Chemiker, betreiben aber auch Mechanochemie. Wie passt das zusammen?
    Zu Beginn einer akademischen Karriere muss man sich auf wenige Forschungsfragen spezialisieren, um Profil und Sichtbarkeit in der Fachwelt zu gewinnen. Später habe ich mein Spektrum Zug um Zug erweitert, unter anderem in Richtung Mechanochemie. Anwendung findet sie häufig in den Geowissenschaften, wenn es etwa darum geht, Stoffe mithilfe einer Kugelmühle energieeffizient und lösungsmittelfrei zu zerkleinern. Vor zwanzig Jahren war das in der organischen Synthesechemie noch Neuland, heute wird die Mechanochemie als maßgebliche methodische Weiterentwicklung angesehen. In meiner Arbeitsgruppe nutzen wir das Verfahren, um einerseits bestehende Syntheseverfahren zu verbessern und andererseits chemisches Neuland zu entdecken – die ungewöhnlichen Reaktionsbedingungen in den Kugelmühlen sind für manche Überraschung gut.

      © Carsten Bolm

    Arbeitsplatz Labor: Doktorandin Lena Hanek vor einer Kugelmühle, mit der sich Stoffe energieeffizient und lösungsmittelfrei zerkleinern lassen.

    Wie entstehen solche neuen Ansätze an Ihrem Institut?
    Oft durch fachübergreifenden Austausch. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krankheiten arbeite ich zum Beispiel viel mit Medizinern zusammen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Schwefelchemie, etwa zur Entwicklung neuer Tuberkulose-Hemmstoffe. Dank interdisziplinärer Kooperation konnten wir die Substratpalette der Sulfoximine, die sich insbesondere für die Nutzung in der Medizinalchemie und im Pflanzenschutz eignen, maßgeblich erweitern. Kooperationen gibt es auch mit Ingenieuren, etwa im kürzlich wieder bestätigten RWTH-Exzellenzcluster Integrated Fuel & Chemical Science Center, kurz: FSC2. Hier unterstützen wir die Entwicklung umweltfreundlicher flüssiger Energieträger. Ob an der eigenen Universität oder im Rahmen großer EU-Projekte: Wir setzen stets auf hochkarätige, verlässliche Partner. Und das bekommt uns sehr gut.

    Welche Rolle spielt bei Ihnen der Kontakt zur Industrie?
    Eine ganz wichtige. Ich würde sogar sagen: Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht. Meine Arbeitsgruppe hat zum Beispiel enge Kontakte zur Pharmaindustrie, um gemeinsam neue Wirkstoffe zu entwickeln. Eine Pflanzenschutzfirma testet derzeit eine in unseren Laboratorien entdeckte neue Verbindungsklasse. Und ebenso wie viele andere Chemieinstitute an deutschen Hochschulen profitieren wir wesentlich vom Fonds der Chemischen Industrie bei der Förderung des akademischen Nachwuchses. Er vergibt Preise und Fördermittel – für unsere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das sehr wichtig.

      © Stefanie Zimmer

    Lernort Labor: Postdoktorand Dr. Renè Hommelsheim (rechts) beantwortet die Fragen des Master-Studenten Christian Keisers zur Schwefelchemie.

    Wie geht es dem Chemiestandort Deutschland aus Ihrer Perspektive?
    Wir sehen mit Sorge, dass die großen Chemieunternehmen immer weniger Stellen für unsere Absolventinnen und Absolventen anbieten. Aber wer lange genug sucht, findet etwas – das gilt vor allem für promovierte Chemikerinnen und Chemiker. Oft handelt es sich um Positionen in kleineren Firmen. Insgesamt leidet die Branche unter den gewaltigen Energiekosten und viele Unternehmen erwägen derzeit eine Verlagerung ins Ausland. Hilfreich wäre eine schnelle politische Intervention zur Kostensenkung.

    Vor fast 30 Jahren haben Sie den Ruf auf einen Lehrstuhl an der RWTH angenommen und sind trotz anderer Angebote geblieben. Was hat Sie in Aachen gehalten?
    Der starke Standort, gute Forschungsbedingungen und die hohe Lebensqualität. Ich komme aus Braunschweig, habe mich in Basel habilitiert und träumte von einem Leben im deutschen Südwesten. Aber es verschlug mich nach Aachen. Sollte ein Angebot aus Freiburg kommen, dachte ich damals, dann unterschreibe ich blind. Etwas später kam er wirklich, der Ruf aus Freiburg. Die RWTH machte ein so großzügiges Gegenangebot, dass ich nicht Nein sagen konnte. Es folgte ein weiterer Ruf – aber erneut war die RWTH besser. Und mit der Zeit habe ich die Stadt, die Nähe zu Belgien und das Rheinland sehr schätzen gelernt.

    Wie sind Sie zur GDNÄ gekommen?
    Durch einen Telefonanruf vor anderthalb Jahren. Michael Dröscher, Chemiker wie ich und langjähriger Generalsekretär der GDNÄ, fragte mich, ob ich Lust auf eine Mitarbeit hätte. Die GDNÄ war mir damals zwar bekannt, doch mir fehlte ein klares Bild von ihren Zielen. Ich glaube, es geht vielen an den Hochschulen so.  Ich bin dann zur Versammlung in Potsdam gereist und fand sie extrem gelungen. Beeindruckt hat mich das Zusammenwirken der Disziplinen und das wertschätzende Miteinander von Jung und Alt – in dieser Art und Ausprägung hatte ich das noch nie erlebt. In Potsdam wurde das Junge Netzwerk der GDNÄ gegründet, das sich seither prächtig entwickelt. Da kommen einem gleich ganz neue Ideen.

    Welche zum Beispiel?
    Vielleicht gelingt es uns, in Aachen eine Vortragsserie zu Themen der modernen Chemie auf die Beine zu stellen, zusammen mit Vertretern der jGDNÄ. Wenn das klappt, könnte das auch ein Format für andere Universitätsstädte sein. Eine weitere Idee wäre es, GNDÄ-Mitglieder auf Vortragsreise an deutsche Hochschulen zu senden, um so die Gesellschaft mitsamt der jGDNÄ ins universitäre Rampenlicht zu rücken.

    Sie wurden zum Fachvertreter für Chemie in den Vorstandsrat der GDNÄ gewählt. Was wollen Sie aus dem Amt machen?
    Zu meinen zentralen Aufgaben gehört es derzeit, hochkarätige Chemiker für möglichst allgemeinverständliche Vorträge über ihre Forschung für die Versammlung 2026 in Bremen zu gewinnen. Die Themen sollen aktuell und von fachübergreifendem Interesse sein. Es ist ein wunderbares Amt und es passt perfekt zu meinem Anliegen: Ich will die Chemie sichtbarer machen – in Wissenschaft und Öffentlichkeit – und die GDNÄ gleich mit.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Martin Braun Fotografie

    Prof. Dr. Carsten Bolm, Lehrstuhl für Organische Chemie II an der RWTH Aachen University.

    Zur Person

    Professor Carsten Bolm (65) ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Organische Chemie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen University. Seine Forschungsbeiträge reichen von der Grundlagenforschung im Bereich der organischen Synthesechemie über die Mechanochemie bis zur Entwicklung neuer biobasierter Kraftstoffe.

    Carsten Bolm wuchs in Braunschweig auf und studierte dort und an der University of Madison, Wisconsin, Chemie. 1987 wurde er in Marburg promoviert und absolvierte anschließend einen Postdoc-Aufenthalt beim zweimaligen Nobelpreisträger Barry Sharpless am Massachusetts Institute of Technology in Boston. 1993 habilitierte er sich an der Universität in Basel. 1996 nahm er einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Organische Chemie der RWTH an. Der Chemiker gehörte mehrfach zu den „Thomson Reuters Highly Cited Researchers“ und wurde 2015 zum Fellow der britischen Royal Society of Chemistry ernannt. Im Jahr 2022 wurde er in die Academia Europaea berufen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker verlieh ihm für seine Arbeit auf dem Gebiet der Katalyseforschung die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze. Als Fachvertreter Chemie engagiert sich Professor Bolm seit 2024 im GDNÄ-Vorstandsrat.

    © Carsten Bolm

    Das RWTH-Institut für Organische Chemie. Das Relief über dem Eingang zeigt die Entwicklung der Chemie im Verlauf der Jahrhunderte. Dargestellt ist auch der nicht metallische Feststoff Schwefel, den die Arbeitsgruppe Bolm neu beforscht. Schwefel war schon im Mittelalter ein Grundstoff war.

    Zum Weiterlesen

    Ferdi Schüth: „Wir sollten andere Disziplinen stärker einbeziehen“

    „Wir sollten andere Disziplinen stärker einbeziehen“

    GDNÄ-Vizepräsident Ferdi Schüth über die unverzichtbare Expertise von Ökonomen, versemmelte Prüfungen und Forschung mit der Kugelmühle.

    Herr Professor Schüth, im Hauptberuf sind Sie Max-Planck-Direktor, daneben üben Sie zahlreiche Ehrenämter aus. Wissen Sie aus dem Stand, wie viele es sind?
    Es sind tatsächlich viele, die genaue Zahl habe ich jetzt nicht parat. Die Ämter sind sehr unterschiedlich, auch was den Zeitaufwand angeht. Er reicht von 80 Prozent meiner Arbeitszeit in den Jahren als Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft bis zur zweistündigen Sitzung alle paar Jahre in kleineren Gremien. 

    Vor einigen Monaten ist ein weiteres Amt dazugekommen: das des Vizepräsidenten und kommenden Präsidenten der GDNÄ. Was motiviert Sie, sich für die GDNÄ zu engagieren?
    Mir gefällt ihre thematische Breite. In der GDNÄ zeigt sich, wie verschiedene Bereiche der Wissenschaft zusammenwirken – das ist in anderen Gesellschaften nicht so deutlich sichtbar. Als ich gefragt wurde, ob ich das Amt übernehme wolle, musste ich nur kurz überlegen und habe dann überzeugt ja gesagt. Die Präsidentschaft beginnt sanft mit zwei Jahren als Vizepräsident und klingt ebenso sanft wieder aus – das erleichtert vieles.

     © Isabel Schiffhorst für MPI für Kohleforschung

    Haupteingang des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.

    Wie wollen Sie als neues Präsidiumsmitglied vorgehen? 
    Zunächst werde ich mir alles genau anschauen und das, was gut läuft, unterstützen. Ein Beispiel ist die neue Nachwuchsorganisation der GDNÄ, die jGDNÄ. Dass es sie jetzt gibt, finde ich großartig und absolut zeitgemäß. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen wissenschaftlichen Gesellschaften zu beobachten – ich denke etwa an die Jungchemikerforen der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die heute praktisch jeder Ortsverband unterhält. Wichtig ist, dass die jungen Mitglieder Freiräume bekommen, in denen sie selbst etwas gestalten können. 

    Welche Akzente möchten Sie in Zukunft setzen?
    Zunehmend interessant und wichtig erscheint mir die Wirkung der Wissenschaft auf die Gesellschaft. Was halten die Bürgerinnen und Bürger von Wissenschaft und Forschung, was haben sie davon und was können wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihnen bieten? Die GDNÄ ist meiner Ansicht nach ein gutes Forum für solche Fragen und den Austausch mit der Öffentlichkeit. 

    Wie kann das gelingen?
    Vielleicht sollten wir in Zukunft die Sozial-, Human- und Geisteswissenschaften stärker einbeziehen, zumindest punktuell. Wie hilfreich das sein kann, erlebe ich gerade bei der Leopoldina, wo ich in einer Fokusgruppe zu Klima und Energie mitarbeite. Wir Natur- und Technikwissenschaftler in der Gruppe profitieren sehr vom Fachwissen der ebenfalls beteiligten Ökonomen. Sie helfen uns, Geschäftsmodelle für unsere schönen Ideen zu entwickeln. Denn was sich nicht rechnet, kann man vergessen – das ist eine wichtige Erkenntnis, die ich in vielen Berufsjahren gewonnen habe. Wirtschaftswissenschaftliche Expertise beispielsweise könnte auch die GDNÄ bereichern, etwa bei einzelnen Themen in den Versammlungen. Ihren Charakter als naturwissenschaftliche Gesellschaft würde sie dennoch behalten. 

    © Frank Vinken für MPI für Kohleforschung

    Die Professoren Alois Fürstner, Frank Neese, Tobias Ritter, Benjamin List und Ferdi Schüth (v.l.n.r.) bilden zusammen das Direktorium des Mülheimer Max-Planck-Instituts.

    Eine naturwissenschaftliche Gesellschaft, die im Dialog mit der Öffentlichkeit steht… 
    …ja, und das ist eine Stärke der GDNÄ, die wir noch weiter ausbauen können. Der Kommunikationsbedarf ist groß, denn einerseits ist Wissenschaft wichtiger denn je, andererseits vertraut die Gesellschaft ihr weniger als noch vor 20, 30 Jahren. Heute gibt es alternative Fakten und Querdenker, mit denen ein vernünftiges Gespräch kaum möglich ist. Wir als Wissenschaftler müssen unsere Arbeit stärker rechtfertigen als früher und genauer erklären, was Wissenschaft kann und was sie nicht kann. Dafür ist die GDNÄ eine sehr gute Plattform. 

    In der öffentlichen Diskussion dominieren aktuell die politischen Themen. Dabei geht es auch um das wissenschaftsfeindliche Verhalten der Trump-Regierung. Sollte Deutschland die Chance nutzen, wie es einige vorschlagen, und US-Wissenschaftler gezielt abwerben? 
    Wir sollten Aufnahmebereitschaft signalisieren und Optionen in Deutschland aufzeigen. Offensiv darauf hinzuarbeiten, dass amerikanische Wissenschaftler ihr Land verlassen, halte ich nicht für den richtigen Weg. 

    Wirkt sich die aktuelle US-Politik auf Ihr Institut aus? 
    Ja, die Folgen sind spürbar. Jahrzehntelang konnten wir unsere Postdocs problemlos für ein paar Forschungsjahre in die USA schicken. Das ist derzeit schwierig, weil viele US-Forschungseinrichtungen verunsichert sind und nicht wissen, was morgen kommt. Meldet Euch in ein paar Monaten nochmal, heißt es jetzt oft auf unsere Anfragen.

    © Frank Vinken / MPG

    Der Mahlprozess in einer Kugelmühle aktiviert einen Katalysator so, dass er die Synthese von Ammoniak bei viel niedrigerer Temperatur und geringerem Druck vermittelt, als sie im etablierten Haber-Bosch-Verfahren nötig sind.

    In Ihrer aktuellen Forschungsarbeit geht es um die Energie von morgen. In diesem Zusammenhang ist auch die Mechanokatalyse zu sehen, für deren Erforschung Sie im vergangenen Jahr einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ERC einwerben konnten. Was haben Sie nun vor?
    Wir möchten grundlegende Abläufe in der Mechanochemie auf molekularer Ebene verstehen. Unsere mechanochemischen Reaktionen führen wir in Kugelmühlen durch. Da laufen Reaktionen bei Raumtemperatur und normalem Druck ab, für die sonst mehrere hundert Grad und hundert bar Druck erforderlich sind. Das spart Ressourcen, Zeit und Kosten. Meine Arbeitsgruppe hat mit diesem Konzept bereits spannende Projekte realisiert, beispielsweise die Synthese von Ammoniak. Ein Detailverständnis des Prozesses könnte die Produktion völlig neuer Materialien ermöglichen. Das ist aber nicht Teil des ERC-Projekts, beim Aufklären der Prozesse handelt es zunächst um reine Grundlagenforschung. Dennoch wird in meiner Abteilung, basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen, zur Zeit die Gründung mehrerer Start-up-Unternehmen vorbereitet.

    Lassen Sie uns noch einen Blick auf Ihren Werdegang werfen: Sie haben Chemie und Jura studiert, eine ungewöhnliche Fächerkombination. Wie kam es dazu?
    Die meisten Chemiker gehen nach dem Studium in die Industrie und so dachte ich mir, ein zusätzliches Jurastudium sei nicht verkehrt. Juristen denken anders, das hat mich  interessiert. Als ich dann drei Mal durch die erste Prüfung gefallen bin, hat mich der Ärger gepackt und ich wollte beweisen, dass ich es kann. Ärger ist ein guter Antrieb. Meine Laufbahn hat sich dann anders entwickelt, aber die Jurakenntnisse haben mir später bei der Gründung unserer Firma hte geholfen.

    Sie feiern in diesem Jahr Ihren 65. Geburtstag. Für viele Berufstätige ist das ein Wendepunkt im Leben. Wie ist es für Sie?
    Ich habe vor, in dem für Max-Planck-Direktoren ohne größere Hürden möglichen Renteneintrittsalter von 68 Jahren aufzuhören. Das wäre dann knapp zwei Jahre später als das reguläre Pensionierungsalter. Bis dahin, wir sprechen von 2028, sollten die Promotionsvorhaben in meinem Bereich abgeschlossen sein, bis dahin läuft auch – für mich mit einigen Monaten am Emeritusarbeitsplatz – das ERC-Projekt. Ich freue mich auf die neuen Freiheiten als Pensionär. Ich werde Bücher schreiben, als Erstes vielleicht ein Buch über Energie. Und ich will Deutschland durchwandern: einmal längs von Nord nach Süd.

     

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Robert Eickelpoth

    Prof. Dr. Ferdi Schüth

    Zur Person

    Ferdi Schüth, Jahrgang 1960, studierte Chemie und Jura an der Universität Münster und wurde 1988 in Chemie promoviert. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der Universität von Minnesota habilitierte er sich in Anorganischer Chemie in Mainz. 1995 wurde er Professor an der Universität Frankfurt. 1998 zog es ihn nach Mülheim an der Ruhr, wo er Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung wurde. Seit 1999 ist er auch Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum. Im selben Jahr gründete er mit sechs Kollegen die hte GmbH. Deren Geschäftsmodell basiert auf einem Verfahren, mit dem sich optimale Katalysatoren für chemische Reaktionen schnell und effizient finden lassen. Insgesamt geht es in Schüths Forschung um Katalyse, Zeolithe, poröse Materialien und energiebezogene Themen. 

    Ferdi Schüth hatte und hat zahlreiche Funktionen in wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien inne. So war er unter anderem von 2014 bis 2020 Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft mit Zuständigkeit für die Fachgebiete Chemie, Physik und Technik. Er hat viele Auszeichnungen für seine wissenschaftliche Arbeit erhalten, darunter den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Als Mitglied der Leopoldina leitet er, zusammen mit Robert Schlögl, die Fokusgruppe „Klima und Energie“.

    Zum Weiterlesen:

    Katharina Kohse-Höinghaus: „Morgens klingelten oft drei Wecker“

    „Morgens klingelten oft drei Wecker“

    Katharina Kohse-Höinghaus, Seniorprofessorin für Physikalische Chemie und GDNÄ-Vorstandsrätin, über ihren Weg als Wissenschaftlerin in einer männlich dominierten Disziplin, Karrieren mit Kind und warum es ohne Verbrennungsforschung nicht geht.
    Frau Professorin Kohse-Höinghaus, wir nehmen den Internationalen Frauentag am 8. März zum Anlass, um über Ihre kürzlich erschienene Autobiografie zu sprechen. Sie schildern darin Ihren Weg als Frau in einem technischen Gebiet, wie es im Untertitel heißt. Sehen Sie sich als Pionierin?
    Ja, durchaus. In der Physikalischen Chemie und speziell in der Forschung zu Verbrennungsprozessen gab es lange Zeit kaum Frauen. Als ich als frisch promovierte Chemikerin 1979 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart anfing, war ich dort die einzige Wissenschaftlerin. Anfangs beäugte man mich skeptisch, dann wurde ich akzeptiert. Später, als ich mich um Professuren bewarb, erfuhr ich hinter vorgehaltener Hand, dass man einen gestandenen Mann für die Stelle suche. Und keine junge Mutter mit Baby und einem Mann mit eigener Karriere, wie das bei mir der Fall war. Zum Glück änderte sich das und auch in meiner Disziplin wurden Frauen zunehmend anerkannt.

    Wie machte sich das bemerkbar?
    Herablassendes Verhalten gegenüber Fachkolleginnen kam immer seltener vor, um ein Beispiel zu nennen. Für mich persönlich waren es zwei Ereignisse, die mir das Gefühl gaben, angekommen zu sein: 2007 wurde ich als erste Frau zur Vorsitzenden der Deutschen Bunsen-Gesellschaft berufen und 2012 wurde mir als erste Frau die Präsidentschaft des Combustion Institute, der international führenden Fachgesellschaft, für vier Jahre übertragen. Beides hat auch anderen Wissenschaftlerinnen den Weg geebnet.

    Für welche Zielgruppe ist Ihr Buch gedacht?
    Vor allem für junge Leute, die eine Laufbahn in der Wissenschaft anstreben. Ich möchte ihnen an meinem Beispiel zeigen, wie kurvenreich Karrierewege verlaufen und ihnen Mut machen, ihrem eigenen Kompass zu folgen. Aber im Prinzip können alle, die sich für die Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik in den letzten fünfzig Jahren interessieren, von dem Buch profitieren. Es ist reich bebildert und ich habe versucht, allgemeinverständlich, unterhaltsam und anschaulich zu schreiben. Auch deshalb denke ich, dass der Band sich gut als Geschenk oder als Preis für besondere Leistungen eignet.

     © aus dem Buch „Burning for Science“

    Promotion 1978, hier mit Betreuer Professor Friedrich Stuhl.
    Sie haben das Buch auf Englisch geschrieben. Warum nicht auf Deutsch?
    Englisch ist heute die globale Wissenschaftssprache und mein akademisches Netzwerk ist international. Ich möchte, dass meine Kolleginnen und Kollegen in aller Welt das Buch mühelos lesen können. Jungen Menschen ist das Englische heute ohnehin vertraut, da sehe ich keine Probleme.

    In Ihrer Jugend war das anders. Und dass sie einmal Professorin für Physikalische Chemie werden sollten, war damals nicht abzusehen.
    Das stimmt. Ich bin in einer Lehrerfamilie im Ruhrgebiet aufgewachsen und meine Eltern waren nicht begeistert, als ich Chemie studieren wollte. Kriegt man mit so einem Abschluss überhaupt einen Mann? Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, aber damals gab es solche Sorgen. Einfach war es für mich auch an der Uni nicht. Ich kam von einem neusprachlichen Gymnasium, hatte Defizite in Mathe und Physik und musste in den ersten Semestern an der Universität Bochum eine Menge aufholen. Morgens klingelten oft drei Wecker, die ich mir gestellt hatte, um nur ja keinen Kurs zu verpassen. Anstrengend war es, aber auch eine gute Zeit mit vielen Freiheiten.

    Haben Sie ein Beispiel für uns?
    Da fällt mir als Erstes ein, wie ich Ende der 1970er-Jahre einen Laser gebaut habe, der für meine Promotion in der Atmosphärenchemie wichtig war. In dem Forschungsgebiet tat sich in den 1970er-Jahren sehr viel und das öffentliche Interesse daran war groß. Hintergrund war die zunehmende Luftverschmutzung, gerade auch im Ruhrgebiet. Für meinen Laser musst ich mich tief in die Physik einarbeiten, was mir großen Spaß gemacht hat. Mein Doktorvater Friedrich Stuhl verbrachte in der Zeit ein Forschungssemester in den USA. Als er zurückkam, konnte ich ihm meine fertige Dissertation auf den Tisch legen.

    Jetzt stand Ihnen die große weite Welt der Wissenschaft offen. Welche Stationen waren entscheidend für Sie?
    Meine erste Festanstellung bekam ich 1979 in Stuttgart am DLR. Ich hatte mich vorher schon von der Atmosphärenchemie verabschiedet – jetzt wollte ich herausfinden, wo die Luftverschmutzung eigentlich herkommt und was man dagegen tun kann. Wissenschaftlich war ich also in die Verbrennungsforschung gewechselt und am DLR konnte ich solche Hochtemperaturprozesse mittels Laserspektroskopie im Detail untersuchen.

    © aus dem Buch „Burning for Science“

    Abschiedsposter der Stuttgarter Arbeitsgruppe 1994.
    Mit 27 Jahren eine Lebenszeitstelle in der Wissenschaft – davon träumen heute viele Nachwuchsforscher.
    Auch ich habe mich damals sehr über die Zusage aus Stuttgart gefreut. Ich hatte dort gute Arbeitsbedingungen, tolle Kollegen, ein sicheres Einkommen, aber nach einer Weile brauchte ich neue Herausforderungen. 1987 bin ich dann, zusammen mit meinem Mann Klaus, für ein gutes Jahr nach Kalifornien gezogen, um in Stanford zu forschen. Dort habe ich viel über Maschinenbau und Molekülspektroskopie gelernt, und beides hat mir neue Horizonte in der Verbrennungsforschung eröffnet. In dieser Zeit sind viele neue Freundschaften entstanden, die bis heute halten und ein wichtiger Teil meines beruflichen Netzwerks sind.

    Viele junge Wissenschaftlerinnen werden nicht von ihren Partnern ins Auslandsjahr begleitet, umgekehrt ist das oft anders. Wie kam es, dass Ihr Mann mitreiste?
    Wir hatten einige Jahre Fernbeziehung hinter uns und wollten das nicht wiederholen. Mein Mann hat daher als Arzt in einer Stuttgarter Klinik unbezahlten Urlaub genommen, ein Stipendium beantragt und tatsächlich bekommen. Wir waren also beide gut beschäftigt und sind 1988 mit frischen Ideen und voller Tatkraft in unsere Institute in Stuttgart zurückgekehrt.

    Zwei Jahre später, im Sommer 1990, kam Ihre Tochter zur Welt. Damals gab es weder Elterngeld noch das Anrecht auf einen Kitaplatz. Wie ging es dem Dual-Career-Paar Kohse-Höinghaus in dieser Phase?
    Es war eine Umbruchphase in jeder Hinsicht. Ich strebte eine Professur an einer Universität an, um eigenen Forschungsinteressen folgen zu können und mehr mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Mein Mann suchte eine leitende Stellung in einer Klinik, die er schließlich in Oldenburg fand. Ich konnte mich, parallel zu meiner Arbeit als Gruppenleiterin am DLR, 1992 an der Universität Stuttgart habilitieren, als erste Frau an der Fakultät. Es war eine turbulente Zeit, die Klaus und ich durch unseren Zusammenhalt, mit moralischer Unterstützung von Verwandten und Freunden sowie privater Kinderbetreuung und Haushälterin überstanden haben. Unser Lebensmittelpunkt ist seither Oldenburg. Von dort pendelte ich regelmäßig an die Universität Bielefeld, wo ich 1994 auf den Lehrstuhl für Physikalische Chemie berufen worden war. Mein Mann und ich haben uns die Familienarbeit geteilt, unsere Tochter war gut versorgt. Trotzdem konnten manche es nicht lassen, mich Rabenmutter zu nennen.

    Sehen Sie sich als Rollenmodell für junge Frauen von heute, die Forschung und Familie verbinden wollen?
    Ja und nein. Für junge Familien gibt es heute mehr staatliche Unterstützung. Auch in der Forschungsförderung und bei Berufungen hat sich das Klima in Bezug auf Chancengleichheit deutlich geändert. Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen erleichtern es mit Dual-Career-Strategien, zwei Karrieren und Familie zu verbinden. Allerdings ist es immer noch ein Spagat, der viel Einsatz erfordert. In einem experimentellen Fach wie der Chemie kann es helfen, für eine Schwangerschaft laborintensive Zeiten zu vermeiden. Und nicht nur wenn die Kinder klein sind, braucht es viel Unterstützung, viel Vorbereitung auf Eventualitäten – aber das gilt genauso für andere Berufsgruppen. Gerade im internationalen Kontext stelle ich aber fest, dass viele junge Frauen heute immer noch ähnliche Schwierigkeiten haben wie ich vor mehr als 30 Jahren.

    © aus dem Buch „Burning for Science“

    Die Messung läuft: Verbrennungsforschung am französischen Synchrotron SOLEIL nahe Paris.
    Heute sind Sie Mentorin für junge Leute. Gab es in Ihrer Laufbahn so etwas auch für Sie´?
    Nein, und das hat mir sehr gefehlt. Deshalb habe ich immer versucht, jüngere Generationen mit Rat und Tat zu unterstützen. Als Seniorprofessorin halte ich nach wie vor Kontakt zu mehr als hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit mir zusammengearbeitet haben. Zum Mentoring im weiteren Sinne zählt auch das teutolab. So nennt sich das Bielefelder Mitmachlabor, das ich als eines der allerersten solcher außerschulischen Lernorte gegründet habe, um Kinder und Jugendliche für die Naturwissenschaften zu begeistern. Der entsprechende Bundesverband, den wir aus Bielefeld mit ins Leben gerufen haben, besteht jetzt 20 Jahre, und in diesem Jahr feiern wir den 25. Geburtstag des teutolab.

    Als Seniorprofessorin sind Sie weiterhin aktiv. Wie können wir uns Ihre Tätigkeit vorstellen?
    Ich sitze viel am Schreibtisch und bin viel unterwegs. Am Schreibtisch arbeite ich an Vorträgen, Fachartikeln oder wissenschaftlichen Stellungnahmen für Akademien und Wissenschaftsorganisationen. In den letzten zwei Jahren hat mich die Arbeit an der Autobiografie intensiv beschäftigt. Als Fachwissenschaftlerin mit großem Netzwerk und langjährigen Verbindungen ins Ausland bin ich oft unterwegs, zum Beispiel in China. Ich halte es für sehr wichtig, trotz politischer Spannungen die Kontakte dorthin aufrechtzuerhalten, gerade auch zum wissenschaftlichen Nachwuchs. Ohne China gibt es keine Lösung für einige globale Probleme unserer Zeit – wir müssen zusammenarbeiten.

    Eines dieser Probleme ist der Klimawandel, der maßgeblich auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückgeht. Hat Sie das nicht an Ihrem Fachgebiet zweifeln lassen?
    Absolut nicht. Wir müssen die Verbrennung fossiler Rohstoffe aufgeben, nicht aber die Verbrennungsforschung. Denn sie liefert wissenschaftliche Grundlagen, die wir für die Entwicklung klimaneutraler Treibstoffe für Industrie und Verkehr brauchen. Die Verbrennungsforschung gibt uns auch das Rüstzeug für eine bessere Bekämpfung von Großbränden, sei es in der freien Natur oder in Städten. Mit meiner Forschung konnte ich einen Beitrag zum Verständnis der komplexen chemischen Reaktionen in Hochtemperaturprozessen leisten und Wege zur Vermeidung von Schadstoffen aufzeigen. Und das gibt mir ein gutes Gefühl.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Universität Bielefeld / Norma Langohr

    Prof. Dr. Katharina Kohse-Höinghaus.

    Das Buch

    Katharina Kohse-Höinghaus: Burning for Science – A Woman in a Technical Field, GNT Publishing GmbH, Berlin 2025

    Zur Buchreihe

    Die autobiografische Reihe „Lives in Chemistry – Lebenswerke in der Chemie“ gibt Einblicke in das Leben und Denken herausragender Forscher im Spiegel der Zeit. Erfolgreiche Chemiker beschreiben darin authentisch und persönlich, wie Neues in den Naturwissenschaften entsteht. Herausgegeben wird die Reihe vom Beirat der Fachgruppe Geschichte der Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

    Am 8. März 2025 erscheint in dieser Reihe die Autobiografie einer weiteren Wissenschaftspionierin, der Chemikerin Sigrid Peyerimhoff: „Ab initio – Ein Leben für die Quantenchemie“, GNT Publishing GmbH, Berlin 2025. Professorin Peyerimhoff erhielt 2018 die Alexander-von-Humboldt-Medaille der GDNÄ für ihre herausragenden Verdienste um die Weiterentwicklung der Naturforschergesellschaft.

    © aus dem Buch „Burning for Science“

    Habilitation 1992, erwartet von Mann und Tochter.
    Zur Person

    Katharina Kohse-Höinghaus ist Senior-Professorin für Physikalische Chemie an der Universität Bielefeld. Die 73-jährige Wissenschaftlerin ist international bekannt für die Diagnostik von Verbrennungsvorgängen mittels Laserspektroskopie und Massenspektrometrie.

    Von 1994 bis 2017 leitete sie an der Universität Bielefeld einen Lehrstuhl für Physikalische Chemie. Zuvor forschte Kohse-Höinghaus an verschiedenen Institutionen im In- und Ausland 1992 habilitierte sie sich mit einem Thema aus der Energietechnik an der Universität Stuttgart.

    Auf Initiative von Katharina Kohse-Höinghaus wurde im Jahr 2000 eines der ersten deutschen Mitmachlabore, das teutolab, gegründet. Inzwischen gibt es Satellitenlabore in der Region Bielefeld, im europäischen Ausland und in Asien.

    Die international renommierte Wissenschaftlerin ist Mitglied mehrerer Akademien, darunter die Leopoldina und die acatech, sowie zahlreicher Gremien und Wissenschaftseinrichtungen im In- und Ausland. Sie erhielt viele Auszeichnungen, zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie Ehren- und Gastprofessuren in mehreren Ländern. Im Jahr 2007 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin der Deutschen Bunsen-Gesellschaft gewählt und als erste Europäerin war Katharina Kohse-Höinghaus von 2012 bis 2016 Präsidentin des International Combustion Institute. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied der GDNÄ und zählt zu den Mitgestaltern der wissenschaftlichen Tagungsprogramme im Bereich Technikwissenschaften.

    Zum Weiterlesen:

    © Andreas Brockhinke

    Professorin Kohse-Höinghaus in ihrem Bielefelder Büro im Jahr 2011.

    Heribert Hofer: „Wir empfangen die jungen Leute mit offenen Armen“

    „Wir empfangen die jungen Leute mit offenen Armen“

    Was wurde erreicht, was steht an? Nach zwei Jahren als GDNÄ-Präsident blickt Heribert Hofer zurück – und voraus auf spannende Zeiten mit der Jungen GDNÄ. 

    Herr Professor Hofer, Ihre Amtszeit als Präsident der GDNÄ neigt sich dem Ende zu. Wie blicken Sie zurück?
    Mit einem guten Gefühl. Die Scheu, die ich zu Beginn angesichts der großartigen Geschichte der GDNÄ empfand, ist überwunden. Dazu beigetragen hat die positive Resonanz bei der Versammlung in Potsdam, deren wissenschaftliches Programm in meiner Amtszeit erarbeitet wurde. Heute bin ich mehr denn je überzeugt, dass die GDNÄ mit ihren Anliegen richtig liegt und eine Lücke im Wissenschaftssystem füllt. Denken wir nur an die einzigartige Verknüpfung des persönlichen, fachübergreifenden Austausches, wie wir ihn auf unseren Versammlungen pflegen, oder an die Programme zur Förderung junger Talente. 

    Sie engagieren sich seit vielen Jahren im Schülerprogramm der GDNA und haben das beliebte Science-Slam-Format „Wissenschaft in 5 Minuten“ auf die Beine gestellt. Empfinden Sie die Gründung der Jungen GDNÄ vor wenigen Wochen in Potsdam als Krönung Ihrer Amtszeit?
    Krönung ist vielleicht eine Nummer zu groß, ich würde eher von einem Highlight  sprechen. Mit der Jungen GDNÄ räumen wir den jungen Leuten deutlich mehr Mitsprache und Gestaltungschancen in unserer Gesellschaft ein. Erkennbar war das in Potsdam zum Beispiel bei den vielen Podiumsgesprächen, in denen junge Leute mit etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Augenhöhe diskutierten. Das Format fand so großen Anklang beim Publikum, dass wir es in Zukunft beibehalten wollen.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Mittendrin: Professor Heribert Hofer bei der GDNÄ-Versammlung 2024 in Potsdam.

    Bisher gab es das Schülerprogramm, jetzt ist fast immer die Rede von der Jungen GDNÄ. Wie hängt beides zusammen? 
    Das frühere Schülerprogramm geht in der Jungen GDNÄ auf. In ihr sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der Oberstufe vertreten, sondern auch Studierende und Berufsanfänger. Das Altersspektrum ist also wesentlich größer als beim Schülerprogramm und reicht von 17 Jahren bis etwa 32 Jahre. Die Junge GDNÄ, das sind  junge Leute mit sehr guten Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern und in der Medizin und mit Interesse am tatkräftigen Einsatz in der GDNÄ.

    Wie reagieren die Nachwuchstalente auf das Angebot?  
    Die freuen sich unglaublich über das Interesse gestandener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an ihnen. Viele von ihnen kommen nämlich mit der Vorstellung auf unsere Versammlungen, dass die Älteren sich nicht für sie interessieren – eine Erkenntnis, die mich in den letzten Jahren immer wieder erstaunt hat.  Mit der Jungen GDNÄ empfangen wir die jungen Leute mit offenen Armen und das finden die toll. Es gibt auch schon eine Menge Anregungen und Wünsche. Deutlich wurde das kürzlich bei einer Strategiesitzung, an der neben dem GDNÄ-Vorstand auch drei gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Jungen GDNÄ teilnahmen. 

    Was wünschen sich junge Frauen und Männer von der GDNÄ? 
    Zum Beispiel interessante Angebote zwischen den Versammlungen, Gelegenheiten zum persönlichen Austausch auf lokaler Ebene und mit etablierten GDNÄ-Mitgliedern. 

    Was folgt jetzt daraus? 
    Fest eingeplant ist eine Zusammenkunft der Jungen GDNÄ im kommenden Jahr, in dem ja keine große GDNÄ-Versammlung stattfindet. Das Treffen dient der inneren Vernetzung und Strategiediskussion. Wir wollen auch Ortsgruppen aufbauen, in denen GDNÄ-Mitglieder aller Altersstufen zusammenkommen, um zu diskutieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Anfang wurde bereits 2018 durch den damaligen Präsidenten Wolfgang Wahlster gemacht, aber in den Pandemiejahren ist die Initiative verständlicherweise eingeschlafen. Denkbar sind darüber hinaus interessante Veranstaltungen, zum Beispiel Führungen in Instituten oder Firmen. Wahrscheinlich werden wir in ein paar Universitätsstädten anfangen und unser Ortsgruppennetz Schritt für Schritt erweitern. Erste Gruppen gibt es voraussichtlich in einem halben Jahr.  

    AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

    © MIKA-fotografie | Berlin

    „Wissen teilen heißt Wissen multiplizieren“ steht es auf dem T-Shirt, mit dem GDNÄ-Präsident Heribert Hofer zum Abschluss der 133. Versammlung in Potsdam von Generalsekretär Michael Dröscher bedacht wurde.

    Sie skizzieren ein intergenerationelles Projekt. Werden die älteren GDNÄ-Mitglieder mitspielen?
    Ich bin da ganz zuversichtlich. Die Beiträge der Jungen GDNÄ kommen bei den Versammlungen sehr gut an, sowohl bei den Vortragenden als auch beim Publikum. Und in vielen Gesprächen mit etablierten Mitgliedern habe ich eine große Bereitschaft gespürt, sich für die Förderung des Nachwuchses zu engagieren. 

    Das Vorhaben erfordert viel Koordination: Wer hält in der GDNÄ die Fäden zusammen?
    Als künftiger Vizepräsident werde ich diese Aufgabe für zwei Jahre übernehmen. Darauf haben wir uns im Vorstand geeinigt. Es wird viel Arbeit sein, aber ich freue mich darauf. 

    Sie haben demnächst vielleicht auch mehr Zeit für solche Projekte.
    Richtig. Ende März 2025 erreiche ich das Pensionsalter und damit endet meine Amtszeit als Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Auch die reguläre Professur für dieses Fachgebiet an der Freien Universität Berlin läuft dann aus. Ich werde zwar weiterhin als Seniorprofessor an meiner Universität tätig sein, aber die Arbeitsbelastung wird deutlich sinken. Das gibt mir Zeit für die GDNÄ. 

    Und was wird aus Ihrer spektakulären Hyänenforschung in der Serengeti?
    Damit mache ich auf jeden Fall weiter. Nicht unbedingt vor Ort in Tansania, das machen jetzt andere, insbesondere Sarah Benhaiem, an die ich das Projekt übergeben habe. Aber in den 37 Jahren meiner Hyänenforschung sind große Datenmengen entstanden, die auf ihre Auswertung und Publikation warten. Das wird mich locker fünf Jahre beschäftigen.

    Mit Medaille und Urkunde in der Bielefelder Stadthalle © David Ausserhofer

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Der Berliner Zoologe Prof. Dr. Heribert Hofer, GDNÄ-Präsident von 2023 bis 2024 und 1. Vizepräsident ab Anfang 2025.

    Zur Person

    Professor Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, wurde von der GDNÄ-Mitgliederversammlung für die Jahre 2023 und 2024 in das Präsidentenamt gewählt und war somit zuständig für die wissenschaftliche Gestaltung der 133. Versammlung im Jahr 2024 in Potsdam.

    Der renommierte Zoologe (64) leitet das Leibniz-IZW in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000 und ist seither auch Professor für Interdisziplinäre Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin. Vor seiner Berliner Zeit forschte er von 1986 bis 1999 am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen, zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne. Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.

    Der GDNÄ ist der international bekannte Wissenschaftler seit vielen Jahren eng verbunden. Er engagierte sich als gewählter Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Fach Biologie, mit Redebeiträgen auf Versammlungen, als Vizepräsident bei der Vorbereitung der 200-Jahr-Feier in Leipzig, und seit Anfang 2023 als Präsident der GDNÄ. Am 1. Januar 2025 wechselt Professor Hofer für zwei Jahre in das Amt des 1. Vizepräsidenten der Naturforschergesellschaft.

    Weitere Informationen:

    Professor Dietrich von Engelhardt: „Auch als Naturforscher machte Goethe großen Eindruck“

    „Auch als Naturforscher machte Goethe großen Eindruck“

    Dietrich von Engelhardt, Wissenschaftshistoriker und Mitglied der GDNÄ, dokumentiert in seinem neuen Buch den internationalen Widerhall auf Johann Wolfgang von Goethes naturwissenschaftliche Schriften im 19. Jahrhundert – und füllt damit eine Forschungslücke.

    Herr Professor von Engelhardt, vor Kurzem ist Ihr Buch „Goethe als Naturforscher im Urteil der Naturwissenschaft und Medizin des 19. Jahrhunderts“ erschienen. Sie sind der Herausgeber des 670 Seiten starken Werks. Was hat Sie zu dieser Arbeit veranlasst?
    Mit Goethe und seinen Beziehungen zu den Naturwissenschaften und der Medizin um 1800 beschäftige ich mich seit Jahrzehnten. Dabei fiel mir auf, dass in der Forschung die deutsche und internationale Rezeption von Goethe als Naturforscher in den Naturwissenschaften und der Medizin des 19. Jahrhunderts bis auf wenige Ausnahmen nicht behandelt wurde. Das war für mich jetzt der Anlass, das Echo der Fachwelt mit ausgewählten, teils an entlegenen Orten gefundenen Texten zu dokumentieren. Die 670 Seiten sind der Fülle bemerkenswerter Aufsätze geschuldet.

    Für welche Zielgruppe ist der Band gedacht?
    Das Werk richtet sich an Goethe-Forscher, Wissenschafts- und Medizinhistoriker und alle Menschen, die sich für Goethes Beiträge zu den Naturwissenschaften und der Medizin interessieren.

    Nach welchen Kriterien haben Sie die Beiträge ausgewählt?
    Die 48 Aufsätze von Wissenschaftlern, von denen viele Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte waren, sollen einen international repräsentativen Eindruck der Rezeption in den Naturwissenschaften und der Medizin des 19. Jahrhunderts geben. Auf umfangreiche monografische Darstellungen, die ich in der ausführlichen Einleitung erwähne und die in der Gesamtbibliografie von 240 Texten angeführt werden, musste ich aus Platzgründen verzichten.

    Der Band enthält Texte auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Niederländisch. Warum haben Sie sich für die Originalsprache entschieden?
    Es geht mir um einen authentischen Eindruck in Sprachen, die auch Goethe verstanden hat. Außerdem können auf diese Weise ausländische Zitate unmittelbar aus den Texten angeführt und bibliographisch belegt werden. Wer Übersetzungen wünscht, kann dies heute problemlos mit entsprechenden Programmen tun.

    © SUB Göttingen Cod. Ms. Lichtenberg VI, 44.

    Seine Farbenlehre, symbolisiert im Farbenkreis, verstand Goethe als sein wichtigstes Werk.

    Welche Texte würden Sie dem eiligen Leser ans Herz legen?
    Für eilige Leser empfehle ich vor allem die Beiträge von Carl Gustav Carus (zuerst erschienen 1843), Hermann von Helmholtz (1853), Rudolf Virchow (1861), Emil Du Bois-Reymond (1882) und Ernst Haeckel (1882) – alle waren sie Mitglieder der GDNÄ. Unter den ausländischen Texten verdienen die Ausführungen von Ernest Faivre (1859), François-Louis Hahn (1883), François-Jules Pictet (1838) und John Tyndall (1880) besondere Beachtung. Sehr eindrucksvoll ist auch das Kapitel über den englischen Biologen Thomas Henry Huxley – ihm wurde auf der Versammlung von 1877 in München die Ehrenmitgliedschaft der GDNÄ verliehen. Huxley hat die 1869 erschienene erste Ausgabe des heute international maßgeblichen Wissenschaftsmagazins Nature mit Aphorismen zur Natur von Goethe eröffnet (siehe Randspalte).

    Zwischenkieferknochen, Farbenlehre, Urpflanze: Der Naturforscher Goethe hat sich mit beeindruckend vielen wissenschaftlichen Themen beschäftigt. Wie kam es dazu?
    Lebenslang waren für Goethe die anorganische und organische Natur, ihre Phänomene, Prozesse und Entwicklungen von großem Interesse. „Erfahrung, Betrachtung, Folgerungen – durch Lebensereignisse verbunden“ – so beschrieb er seine Methode in der Naturforschung. Farben sind für Goethe nicht nur mathematische und physikalische Phänomene, für ihn besitzen sie gleichermaßen ethische, psychologische und kulturhistorische Bedeutungen. Das Phänomen der Metamorphose gilt für die Pflanze und das Tier: „Die Lehre der Metamorphose ist der Schlüssel zu allen Zeichen der Natur“, heißt es in einem nachgelassenen Text namens Morphologie. Goethe veröffentlichte auch zahlreiche wissenschaftstheoretische Schriften, darunter Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt oder Erfinden und Entdecken oder Analyse und Entdecken. Die naturwissenschaftlichen Schriften Goethes umfassen in der wissenschaftlich-kritischen Ausgabe der Leopoldina elf Bände.

    Goethe war Dichter und Naturforscher: Wirkte sich das eine auf das andere aus?
    Bei allen Unterschieden, an die Goethe wiederholt erinnert, war ihm die Verbindung der zwei, oder besser, der vier Kulturen überaus wichtig. Gemeint sind die Kulturen der Naturwissenschaften, der Geisteswissenschaften, der Künste und des Lebens. Diese Verbindung zeigt sich sowohl in Goethes wissenschaftlichen als auch in seinen literarischen Texten wie ebenfalls in seinen autobiographischen Schriften Dichtung und Wahrheit oder in der Italienischen Reise. Ein literarisches Beispiel ist der Roman Die Wahlverwandtschaften, der in Titel und Inhalt mit der zeitgenössischen Chemie korrespondiert und die Beziehungen der Elemente in Analogie zu den Beziehungen der Menschen interpretiert. Allerdings weist Goethe ausdrücklich auf die Freiheit und Verantwortung des Menschen hin, sinnlichen Anziehungen auch widerstehen zu können. In der Farbenlehre entwickelte Goethe zahlreiche Ideen zu Theorie und Praxis der Farben in der Malerei. Und das Gesetz der Urpflanze, so erkennt Goethe in Italien, wird sich auf „alles Lebendige anwenden lassen“.

    © Frithjof Spangenberg, Illustrationen & Kommunikationsdesign

    Die Illustration zeigt einen Schafsschädel mit deutlich sichtbarem Zwischenkieferknochen (os intermaxilliare, rechts vorne). Um dieses Thema entbrannte ein heftiger Streit zwischen Goethe und dem GDNÄ-Gründer Lorenz Oken.

    Inwiefern war Goethe als Naturforscher ein Kind seiner Zeit?
    Goethe kannte sich in den Naturwissenschaften und der Medizin seiner Zeit bestens aus. Er wurde vom Stand der Wissenschaften beeinflusst, pflegte Verbindungen zu vielen Naturforschern und Medizinern der Zeit, beachtete aber auch die historische Entwicklung der Wissenschaften und einzelne Forscher der Vergangenheit. Die Farbenlehre ist ein besonderes Beispiel: Ihr widmete Goethe ein ganzes Buch, das ihre Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart beschreibt.

    Wie reagierten Goethes Zeitgenossen auf seine Arbeiten?
    Das Spektrum der Reaktionen war, wie im vorliegenden Werk deutlich wird, unter Naturwissenschaftlern und Medizinern seiner Zeit und bis in die Gegenwart hinein vielfältig und unterschied sich nach naturwissenschaftlichen Disziplinen. Ausgesprochen kritisch fielen die Reaktionen in der Physik aus. Zustimmung gab es mehrfach in der Geologie, Botanik und Anatomie. Nach Ansicht von Nees von Esenbeck, Mitglied der GDNÄ und von 1818 bis 1838 Präsident der Leopoldina, hat Goethe zum ersten Mal die Pflanzenwelt nach „wissenschaftlichen Prinzipien“ geordnet und philosophisch eingeleitet. Insgesamt hat der Naturforscher Goethe seine Zeitgenossen stark beeindruckt. Notwendig und aufschlussreich wäre jetzt ein Vergleich mit den Reaktionen in den Geisteswissenschaften und Künsten seit dem 19. Jahrhundert bis heute – eine Arbeit, die ich anderen Forschern überlassen möchte.

    Wie stand Goethe zur GDNÄ?
    Goethe nahm interessiert und zustimmend Anteil an den Versammlungen der 1822 gegründeten Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte und verfasste eine zu seiner Zeit nicht veröffentlichte, aber später mehrfach gedruckte Studie über die GDNÄ. Er begrüßte vor allem das Anliegen der neuen Forschergesellschaft, Wissenschaftler persönlich in Kontakt zu bringen und vermerkte zugleich, dass ihre Mitglieder nicht die „mindeste Annäherung“ zu seiner „Sinnes-Art“ hätten. Alexander von Humboldt bezeichnete Goethe in seiner Rede auf der Berliner Tagung 1828 als „Patriarchen vaterländischen Ruhmes“, den seine literarischen Schöpfungen nicht abgehalten hätten, „den Forscherblick in alle Tiefen des Naturlebens zu tauchen“.

    Wie war Goethes Verhältnis zu Lorenz Oken, dem Gründer der GDNÄ?
    Das Verhältnis war beiderseits ambivalent, Ein Plagiatsstreit zwischen Goethe und Oken löste die Entdeckung des Schädelwirbels aus, die Oken 1807 in einer Veröffentlichung beschrieb und auch Goethe schickte. Der war sehr angetan von der Studie. Er lud Oken nach Weimar ein und setzte sich für dessen Berufung an die Universität Jena ein, wofür Oken ihm überaus dankbar war.  1823 reklamierte Goethe in den Heften zur Morphologie die Entdeckung für sich selbst. Er habe sie 1790 anhand eines auf den Dünen des Lidos von Venedig gefundenen Schafschädels gemacht, die Entdeckung dann zwar nicht veröffentlicht, aber mehrfach in Briefen aus Italien nach Deutschland darüber berichtet. An der Kontroverse beteiligten sich viele Wissenschaftler und nahmen mehrfach für Oken Partei. In anderen Bereichen standen sich Goethe und Oken durchaus nahe. Trotz abweichender politischer Auffassungen und obwohl er das Verbot von Okens Zeitschrift Isis in Thüringen durchsetzte, bezeichnete Goethe den GDNÄ-Gründer als „genial“.

    Nehmen Sie heute noch ein Interesse an Goethe als Naturforscher wahr?
    Ein neues Interesse ist in der Gegenwart vor allem an Goethes Farbenlehre zu beobachten. Man versucht, Goethes Forschungen, Beobachtungen und Auffassungen auf diesem Gebiet im Sinne seines ganzheitlichen Naturverständnisses zu verstehen, das sich vom objektiven oder auch experimentell-statistischen Wissenschaftsbegriff der Moderne abhebt. Sehr deutlich wird das in Goethes von Physikern meist vernachlässigten psychologisch-kulturellen Interpretation der Farben und an seinem Konzept der Metamorphose und Morphologie in den organischen Wissenschaften.

    Inwiefern kann Goethe zu einem Zusammenwachsen der Kulturen in Wissenschaft und Kunst beitragen?
    Goethes Bedeutung liegt ohne Zweifel auch in seinem Beitrag zur Überwindung oder, besser gesagt, Milderung der Trennung der zwei beziehungsweise vier Kulturen. Es kam Goethe insbesondere auf eine wechselseitige Verbindung und Kommunikation zwischen diesen Kulturen an, was für Naturwissenschaften und Medizin eine Herausforderung darstellt. Umgekehrt müssten aber auch die Künste und Geisteswissenschaften ihre naturwissenschaftliche Basis oder Abhängigkeit von der Natur erkennen – eine wohl noch größere Herausforderung. Wie sehr die Mühe sich lohnen kann, beschreibt Goethe so: „Es ist ein angenehmes Geschäft, die Natur und zugleich sich selbst zu erforschen, weder ihr noch seinem Geist Gewalt anzutun, sondern beide durch gelinden Wechseleinfluss miteinander ins Gleichgewicht zu setzen.“

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung Lübeck

    Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt

    © J.B. Metzler, Heidelberg 2024

    Zur Person

    Dietrich von Engelhardt war von 1983 bis 2007 Ordinarius für Geschichte der Medizin und Allgemeine Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Naturphilosophie, Naturwissenschaften, Medizin in Idealismus und Romantik sowie europäische Wissenschaftsbeziehungen. 1997 organisierte Professor Engelhardt ein großes Symposium zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ in Lübeck. Er ist Herausgeber der zugehörigen Festschrift Forschung und Fortschritt sowie der Schriftenreihe über Die Versammlungen Deutscher Naturforscher und Ärzte. Dietrich von Engelhardt ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und seit 1981 auch der GDNÄ. 2016 erhielt er die Alexander-von-Humboldt-Medaille der GDNÄ.

    © Chris Light

    Im Jahr 1786 besuchte Goethe den Botanischen Garten in Padua. Bei der Betrachtung einer Fächerpalme kam ihm die Idee, dass alle Pflanzenarten vielleicht aus einer Art entstanden sein könnten. Der heute Goethe-Palme genannte Baum steht noch heute da und eine vorn angebrachte Tafel enthält in italienischer Sprache folgende Inschrift: „Johann Wolfgang Goethe, Dichter und Naturforscher entnahm hieraus den Gedanken und die Beweise seiner Metamorphose der Pflanzen.“

    Thomas Henry Huxley in der Erstausgabe von Nature, 1869

    „It may be, that long after the theories of the philosophers whose achievements are recorded in these pages, are obsolete, the vision of the poet will remain as a truthful and efficient symbol of the wonder and the mystery of Nature.“

    (in: Dietrich von Engelhardt: Goethe als Naturforscher, S. 291)

    Zum Weiterlesen:

    Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung:

    © Stadtmuseum Dresden

    Der deutsche Universalgelehrte und Maler Carl Gustav Carus (1789-1869) war sowohl Goethe als auch der GDNÄ eng verbunden.

    Martin Lohse: „Über Placebos oder die Therapie mit nichts“

    Über Placebos oder die Therapie mit nichts

    Martin Lohse, Pharmakologie-Professor und Vizepräsident der GDNÄ, über die verblüffenden Wirkungen von sogenannten Scheinmedikamenten und wie sie die Medizin bereichern können.

    Herr Professor Lohse, bei der GDNÄ-Versammlung in Potsdam hielten Sie kürzlich einen Vortrag über Placebos oder die Therapie mit nichts. Ihr Metier als Pharmakologe ist aber doch eher die Therapie mit etwas. Wie passt das zusammen?
    Auf den ersten Blick könnte man da einen Widerspruch sehen. Aber Placebo-Wirkungen begleiten auch jede Arzneimitteltherapie sowie andere medizinische Maßnahmen, und deshalb gehören sie dazu.

    Das Publikum war begeistert von Ihrem Vortrag, applaudierte ausgiebig und hatte viele Fragen. Woher rührt das große Interesse an diesem Thema?
    Ich denke, dass viele Menschen sich davon angesprochen fühlen, weil sie so etwas selbst erlebt oder bei anderen gesehen haben und sich dazu Gedanken machen. Bei dem Thema kreuzen sich auch verschiedenartigste Denkrichtungen – von der wissenschaftlichen Arzneitherapie bis hin zum Schamanismus.

    Wie kamen Sie auf das Thema?
    Mehr als zwanzig Jahre lang habe ich es in meinen Pharmakologie-Einführungsvorlesungen behandelt, weil ich denke, dass Ärzte und Apotheker darüber Bescheid wissen sollten. Sie alle arbeiten ja, bewusst oder unbewusst, mit Placebo-Wirkungen. Dazu gehören auch schädliche Wirkungen, sogenannte Nocebo-Effekte. Über die Jahre habe ich mich dann tiefer in die Materie eingearbeitet, weil ich wissen wollte, was in diesem Feld eigentlich belegt und was nur Vermutung ist. Gerade in jüngerer Zeit bin ich auf viele neue Ergebnisse und auch manches Erstaunliche gestoßen.

    Was hat Sie am meisten erstaunt?
    Dass bei Placebo-Wirkungen im Kopf des Arztes die gleichen Gehirnzentren aktiviert werden wie im Kopf des Patienten. Das ist vor allem in der Therapie von Schmerz untersucht worden. Es scheint so zu sein, dass der Arzt zunächst die Schmerzen des Patienten nachempfinden muss. Dann kann er mit dieser Vorstellung seine eigenen schmerzunterdrückenden Systeme aktivieren, und das wiederum überträgt sich auf den Patienten. Diese Fähigkeit des Arztes korreliert eng mit seiner Fähigkeit zur Empathie, wie sie in psychologischen Tests gemessen werden kann. In meinem Vortrag bin ich näher auf entsprechende Forschungsergebnisse eingegangen.

    Schema der Wechselwirkung zwischen Patienten und Ärzten bei der Schmerzunterdrückung

    Placebo-Effekte bei der Schmerz-Unterdrückung entstehen durch die Interaktion von Patienten und Ärzten. Schmerz aktiviert bei Patienten sogenannte Schmerzzentren im Gehirn gelber Stern), wie die funktionelle Kernspin-Resonanz-Bildgebung zeigt. Wenn empathische Ärzte mit solchen Patienten zusammenkommen, dann aktivieren sie ihrerseits die gleichen Zentren im Gehirn. Sie können aber auch die eigenen schmerzunterdrückenden Zentren in ihrem Gehirn in Gang setzen (blaues Symbol). Dies überträgt sich auf Patienten und führt bei ihnen zur Aktivierung von schmerzunterdrückenden Nerven, die körpereigene Opioide und andere Überträgerstoffe im Körper freisetzen und so die schmerzunterdrückende Placebo-Wirkung erzeugen. Dieser Effekt entsteht unabhängig davon, ob das Arzneimittel, das dem Patienten dabei verabreicht wird, einen schmerzstillenden Wirkstoff enthält oder ob es ein reines Placebo ist.

    Was bedeutet das für die ärztliche Praxis?
    Ärzte, die es verstehen, sich in ihre Patienten hineinzuversetzen, können mit Empathie in der wechselseitigen Beziehung sehr viel bewirken. Es wäre gut, wenn wir solche Placebo-Effekte systematischer und begründeter nutzen könnten, nicht nur intuitiv und basierend auf persönlicher Erfahrung. Deshalb sollten wir das Wissen auf diesem Feld vermehren und es auch stärker in die Ausbildung von Ärzten und Apothekern einfließen lassen.

    Kann man Empathie, die ja offenbar eine große Rolle spielt, überhaupt lehren und lernen?
    Manches ist Talent und manches kann man lernen. Aber da es sich um eine zentrale Kompetenz von Therapeuten handelt, sollte das Thema eigentlich die gesamte Ausbildung begleiten. Die heutigen Kurse in Medizinischer Psychologie für angehende Ärzte sind ein Anfang.

    Wie weit ist die Placebo-Forschung?
    Im Vergleich zu vielen anderen Bereichen in der Medizin steht sie noch am Anfang. Von einer ernst zu nehmenden, naturwissenschaftlich begründeten Placebo-Forschung können wir erst seit rund drei Jahrzehnten sprechen. In ihr begegnen sich Medizin, Psychologie und die neuen bildgebenden Verfahren. Vor allem die funktionelle Kernspin-Bildgebung gibt uns eine Vorstellung davon, was im Kopf von Patienten und Therapeuten passiert. Es geht also voran in der Placebo-Forschung und Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Vor vier Jahren wurde zum Beispiel ein überregionaler Sonderforschungsbereich  eingerichtet, der schon zu einer Reihe interessanter Ergebnisse geführt hat. 

    Eröffnung der Büros Postplatz 1 © Paul Glaser

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Großes Publikumsinteresse: Nach dem Vortrag gab es viele Fragen und Kommentare zur Placebo-Wirkung.

    Placebos wurden bisher ja vor allem in Arzneimittelstudien eingesetzt, um herauszufinden, ob Arzneimittel im Vergleich zu ihnen wirken. Lernt man daraus auch etwas, wie Placebos wirken?
    Eigentlich nicht, denn in solchen Studien dient der Placebo-Arm nur als Hintergrund, vor dem sich die Wirkung eines Arzneimittels zeigen soll. Aber die Behandlung mit Placebos ist nicht neutral. Das zeigen Studien mit offenen Placebos, bei denen die Patienten wissen, dass sie Placebo bekommen und dennoch eine Heilwirkung verspüren. Vermutlich gibt es viele Arten von Placebo-Effekten – so wie es ja auch zahllose Arzneimittel gibt. Die sollten wir künftig im Einzelnen charakterisieren und in ihrem Zusammenwirken untersuchen.

    Noch ein paar Worte zu Arzneimittelstudien: Dass Verum allein gegen Placebo getestet wird, kommt kaum noch vor. Denn wenn es bereits wirksame Arzneimittel gibt, verbietet sich aus ethischen Gründen die Gabe von Scheinpräparaten. In diesen Fällen testet man Standardbehandlung plus Placebo gegen Standardbehandlung plus neues Arzneimittel. Das erschwert neuen Arzneimitteln die Marktzulassung: Sie müssen nicht nur selbst wirken, sondern einen Nutzen zusätzlich zur Standardtherapie bringen. 

    Lassen Sie uns einmal genauer auf den Placebo-Effekt schauen: Was weiß man über seine psychologischen und biologischen Grundlagen?
    Psychologisch wichtig ist die Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten. Sowohl positive als auch negative Erwartungen haben einen starken Einfluss auf den Behandlungserfolg – die Therapie mit nichts gründet sozusagen in unseren Erwartungen. Über die biologischen Vorgänge wissen wir noch sehr wenig. Bekannt ist, dass Placebos die Aktivität bestimmter Hirnregionen erhöhen. Zum Beispiel aktivieren Placebos bei der Schmerzunterdrückung genau jene Regionen und Nervenbahnen im Gehirn, die für die Kontrolle der Schmerzwahrnehmung da sind. 

    Braucht es Pillen für die Placebo-Wirkung oder reicht die positive Erwartung?
    Pillen, ob mit oder ohne Wirkstoff, oder auch andere spezifische Maßnahmen wie zum Beispiel die Akupunktur haben eine Placebo-Wirkung. Optimal ist ein gutes Arzneimittel kombiniert mit positiven Erwartungen. So zeigen die meisten Studien, dass Arzneimittel plus Placebo doppelt so gut wirkt wie Placebo allein. 

    Bei welchen Krankheiten ist der Placebo-Effekt am größten?
    Bei Schmerzen ist der Effekt gut untersucht, speziell auch bei Migräne, bei funktionellen Störungen im Magen-Darm-Trakt und allgemein bei Störungen mit einer starken psychosomatischen Komponente. Auch Depressionen lassen sich oft gut mit Placebos lindern. Diese Wirkung ist überzeugend nachgewiesen und sie macht Studien zu Antidepressiva so schwierig. 

    Bei welchen Krankheiten sollte man nicht auf den Placebo-Effekt setzen?
    Immer dann, wenn man weiß, dass es Arzneimittel mit einem guten Verum-Effekt gibt, deren Inhaltsstoffe also nachweislich gegen eine bestimmte Krankheit helfen. In diesem Fall muss man das Verum auch einsetzen – im Wissen, dass seine Wirkung durch Placebo-Effekte ergänzt wird. Tut man das als Arzt nicht, etwa in der Krebstherapie, wird es gefährlich. Das ist ja auch der stärkste Vorwurf gegen umstrittene Therapierichtungen wie etwa die Homöopathie. 

    Nicht wenige Patienten berichten von verblüffenden Heilungserfolgen durch homöopathische Mittel. Wie stehen Sie dazu?
    Gute Homöopathen verstehen es, Placebo-Effekte effizient zu nutzen. Darauf beruht die Wirkung der Homöopathie und nicht auf den fast unendlich verdünnten Arzneimitteln, die sie verwendet. Diesen Mitteln Verum-Effekte zuzuschreiben, halte ich für Unfug. 

    Wie geht es weiter in Sachen Placebo-Effekt?
    Ich rechne schon bald mit vielen neuen Erkenntnissen. Und ich hoffe, dass wir ganz unterschiedliche Placebo-Wirkungen und -Mechanismen identifizieren und verstehen werden, und dass wir daraus praktische Konsequenzen für die Ausbildung und die therapeutische Tätigkeit ziehen können.

    Heribert Hofer © MIKA-fotografie | Berlin

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Placebo oder Therapie mit nichts:  Zu diesem Thema hielt der Pharmakologe und GDNÄ-Vizepräsident Martin Lohse den öffentlichen Leopoldina-Vortrag 2024.

    So wirken Arzneimittel: Eine zeitlich begrenzte, von selbst abheilende Erkrankung verursacht eine Zeitlang Symptome wie Fieber oder Schmerzen – das beschreibt die glockenförmige äußere Kurve.

    So wirken Arzneimittel: Eine zeitlich begrenzte, von selbst abheilende Erkrankung verursacht eine Zeitlang Symptome wie Fieber oder Schmerzen – das beschreibt die glockenförmige äußere Kurve. Wenn man auf dem Höhepunkt der Symptome ein wirksames Arzneimittel gibt, etwa eines, das Fieber senkt, dann nehmen die Symptome zügig ab. Dazu tragen zwei Komponenten bei: die Placebo-Wirkung (blauer Bereich) und die Wirkung des Arzneistoffs, auch Verum genannt (roter Bereich).

    Zur Person

    Martin Lohse ist Professor für Pharmakologie und Toxikologie, Geschäftsführer des bayerischen Forschungsunternehmens ISAR Bioscience in Martinsried und Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Als deren Präsident in den Jahren 2019 bis 2022 prägte er die 200-Jahr-Feier der Naturforschergesellschaft in Leipzig mit dem Tagungsthema „Wissenschaft im Bild“ (PDF). Er ist Herausgeber der aus diesem Anlass veröffentlichten Festschrift „Wenn der Funke überspringt“. Für seine Forschung über G-Protein gekoppelte Rezeptoren erhielt er den höchsten deutschen Wissenschaftspreis, den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und viele weitere Auszeichnungen.

    Ausführlicher Lebenslauf zum download (PDF)

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