• DE
  • EN
  • Robert Dunkelmann: „Mehr Youtube, Instagram und Co. wagen“

    „Mehr Youtube, Instagram und Co. wagen“

    Robert Dunkelmann, Chemie-Produktionsfachkraft und begeistertes Mitglied der GDNÄ, über soziale Medien und ihr großes Potenzial, junge Leute für Wissenschaft zu begeistern.

    Herr Dunkelmann, Sie sind mit 22 Jahren zur GDNÄ gekommen und seit zwölf Jahren aktives Mitglied. Was kann die GDNÄ jungen Menschen wie Ihnen bieten?
    Mir bietet sie sehr viel. Bei den Tagungen lerne ich in drei Tagen neueste Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften kennen – konzentriert, verständlich und von den besten Wissenschaftlern präsentiert. Davon profitiere ich immer. Ein Beispiel: Bei der Versammlung in Mainz 2014 habe ich zum ersten Mal von nichtcodierender RNA gehört, die lange Zeit als genetischer Müll verkannt wurde. Erst in den letzten Jahren entdeckte man ihre Bedeutung als Drahtzieher der Genregulation. Gerade während der Corona-Pandemie war davon häufig die Rede. Für die meisten um mich herum war das komplett neu, aber ich hatte schon eine Vorstellung von der Sache.

    Die Versammlung 2014 in Mainz war schon Ihre zweite GDNÄ-Tagung. Zum ersten Mal dabei waren Sie in Göttingen.
    Ja, das war 2012, ich hatte gerade einen Sonderpreis im Bundeswettbewerb von Jugend forscht gewonnen und durfte meine Erfindung bei der Versammlung vorstellen. 

    Welche Erfindung?
    Ich hatte als Schüler ein Siegel entwickelt, das bei Tiefkühlprodukten anzeigt, ob sie auf ihrem Weg in den Supermarkt auch immer ausreichend kalt gelagert wurden. Für Verbraucher ist das ja eine wichtige Information. FrozenSignal, so hatte ich das Siegel getauft, ist weder gesundheits- noch umweltschädlich. Es enthält zwei durch eine dünne Schicht getrennte Stoffe. Bei einem deutlichen Temperaturanstieg schmilzt der obere Stoff und reagiert mit dem unteren. Das zunächst weiße Siegel verfärbt sich dann rostbraun. Es fällt sofort ins Auge, dass das Produkt schon mal aufgetaut war. 

    Was ist aus der Idee geworden?
    Ich habe sie zum Patent angemeldet und erste Vermarktungsgespräche  geführt. Anfänglich gab es Interesse aus der Industrie, aber das ließ nach, als sich herausstellte, dass der Handel so etwas nicht wollte. Ich habe die Sache dann nicht weiterverfolgt.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    @ Robert Kraemer GmbH & Co. KG

    Produkteigenschaften wie Säuregehalt, Viskosität oder Löslichkeit werden im Labor per Titration ermittelt.

    Sie waren damals Schüler einer Fachoberschule bei Bremen und hatten bereits eine Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten hinter sich. Wie ging es für Sie beruflich weiter?
    Nach dem Erwerb der Fachhochschulreife habe ich einige Jahre als Laborant gearbeitet und mich in einem Bremer Unternehmen um die Eingangskontrolle und Abwasseranalytik gekümmert. Seit 2018  arbeite ich bei einer anderen Firma in Rastede, die Bindemittel auf der Basis des Naturharzes Kolophonium herstellt. Das Zwischenprodukt wird in der Industrie zur Produktion von Farben, Lacken und Klebstoffen benötigt. Ich bin sowohl in der prozessbegleitenden Analytik als auch in der Produktion tätig und strebe einen Job als Operator in der neuen Chemieanlage meiner Firma an.

    Haben Sie zwischendurch ein Studium erwogen?
    Ja, tatsächlich dachte ich immer wieder an ein Chemiestudium. Aber mit den Jahren merkte ich, dass ich ein Mensch der Praxis bin. Darauf habe ich mich konzentriert und das war auch richtig so. In meiner jetzigen Firma habe ich gute Entwicklungsmöglichkeiten und werde gehört, wenn ich Neuerungen vorschlage. Gemeinsam mit meinen Chefs und Kollegen konnte ich schon einige Produktionsprozesse optimieren.

    Sie sagten eingangs, dass Sie in der GDNÄ mehr beitragen möchten. Haben Sie schon konkrete Vorstellungen?
    Ja, die habe ich. Ein Beispiel: Um junge Leute besser zu erreichen, wäre es wichtig, mehr über soziale Medien wie Youtube, Instagram, Tiktok, Twitch und Co. zu kommunizieren. Ich weiß, die GDNÄ hat bei der Jubiläumsversammlung 2022 in Leipzig damit begonnen, aber da ist noch Luft nach oben. Eine Option wäre es, Wissenschafts-Influencer mit großer Reichweite für eine Kooperation zu gewinnen. Es gibt tolle junge Leute an den Universitäten, die regelmäßig über ihre Forschung, ihren Alltag im Labor und ihr Leben als Wissenschaftler berichten. Mit Zehntausenden Followern erreichen sie ein sehr großes Publikum.

    Ein Instagram-Video dauert maximal 60 Sekunden. Ist das nicht zu kurz, um anspruchsvolle Inhalte zu vermitteln?
    Das ist wenig Zeit, keine Frage. Aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel Wesentliches sich in 60 Sekunden vermitteln lässt. Und wer mehr will, kann sich längere Beiträge auf Youtube anschauen – da sind 15 Minuten und mehr drin. Die populärsten Wissenschafts-Influencer sind auf mehreren Plattformen unterwegs. Und wer heute junge Leute erreichen will, muss diese Medien nutzen. Sie sind natürlich auch für Ältere interessant.

    Welche Vorteile winken?
    Man sieht, was gerade viele Menschen beschäftigt, lernt einiges über die Kunst der kurzen Form und übt sich im Umgang mit sozialen Medien. Sie sind eine Fundgrube für Neugierige, hier findet moderne Wissensvermittlung statt.

    Instituts für Fertigungstechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. © FAU

    @ Robert Kraemer GmbH & Co. KG

    In diesem Raum werden die Anlagen des Unternehmens gesteuert. Von hier aus kann Robert Dunkelmann beispielsweise Reaktoren füllen, Temperatur und Druck verändern oder auch die thermische Abgasreinigung regulieren.

    Andererseits werden soziale Medien leicht zum Zeitfresser.
    Das stimmt, man verdaddelt sich schnell, und deshalb habe ich meinen Instagram-Konsum stark reduziert. Inzwischen halte ich mich höchstens noch eine Stunde im Monat auf der Plattform auf. Bei Youtube komme ich auf zwei bis drei Stunden am Tag. Da geht es nur zum Teil um Wissenschaft, es ist auch viel Musik dabei. Dafür läuft bei mir kaum noch Radio und lineares Fernsehen schaue ich gar nicht mehr.

    Gerät man da nicht schnell in eine Filterblase? Engt den eigenen Horizont ein?
    Die Gefahr besteht. Auch deshalb ist es so wichtig, Kontakt zu Institutionen zu halten, die für Weitblick und Überblick sorgen. Die GDNÄ leistet genau das und sie fördert den persönlichen Kontakt. Für meine Laufbahn war das ein riesiger Gewinn.

    Inwiefern?
    Ich denke zum Beispiel an das Format „Meet the Prof“ bei den Versammlungen. In diesen kleinen Gesprächsrunden können junge Leute ohne Angst vor Blamage ihre Fragen stellen und mit gestandenen Wissenschaftlern in wohlwollender Atmosphäre diskutieren. Mir hat das eine Menge Impulse gegeben und ich bin überzeugt, dass es auch anderen so geht, wenn sie die Gelegenheit bekommen. Holt man Schüler, Studenten oder auch junge Berufstätige da ab, wo sie stehen, dann kann man viele für die Naturwissenschaften zu begeistern – auch wenn die Schule das nicht geschafft hat.

    Sieht man sich bei der Versammlung 2024 in Potsdam?
    Ich habe fest vor zu kommen. Und ich freue mich schon jetzt darauf, Gesprächspartner von früher wiederzusehen und neue kennenzulernen.

    Marion Merklein © FAU

    @ Robert Kraemer GmbH & Co. KG

    Robert Dunkelmann, Produktionsfachkraft, Jugend-forscht-Preisträger und langjähriges GDNÄ-Mitglied.

    Zur Person

    Robert Dunkelmann kam 1990 in Waren (Müritz) zur Welt. Zur Schule ging er zunächst in Penzlin im Landkreis Müritzer Seenplatte und von 2000 bis 2008 in Ganderkesee in der Metropolregion Bremen-Oldenburg. Es folgte eine Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten am Schulzentrum Utbremen. Dort erwarb erwarb Robert Dunkelmann im Jahr 2012 auch die Fachhochschulreife.

    Von 2013 bis 2018 arbeitete er als Laborant in der Eingangskontrolle und Abwasseranalytik des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens Nehlsen Plump GmbH. Seit 2018 ist er in der Produktion der Chemiefirma Robert Krämer GmbH in Rastede tätig. Zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter rekonstruiert der 33-Jährige in seiner Freizeit historische Produktionsverfahren in der Chemie. GDNÄ-Mitglied ist er seit 2012.

    Bohrkern aus dem grönländischen Eisschild mit schwarzen Partikeln, die Algen, Mineralien und Ruß enthalten. Sie verdunkeln die Gletscheroberfläche und beschleunigen im Sommer die Eisschmelze. © Rey Mourot

    @ Robert Kraemer GmbH & Co. KG

    Hier werden Zwischengebinde wie Harze, Alkohole oder organische Säuren für die anschließende Dosierung bereitgestellt. Die dosierten Rohstoffe gelangen dann mittels Förderschnecke direkt in den Reaktor.

    Liane G. Benning: „Wie Algen den Klimawandel anheizen“

    Wie Algen den Klimawandel anheizen

    Liane G. Benning, Biogeochemikerin, über weltbewegende Grenzflächen, Mikroben im arktischen Eis und ihr El Dorado der Forschung.

    Frau Professorin Benning, bei der nächsten Versammlung der GDNÄ halten Sie einen öffentlichen Abendvortrag mit dem Titel „Das große Schmelzen: kleine Zellen, große Folgen“. Warum sollte man sich diesen Termin vormerken?
    Ich werde neue, bisher wenig bekannte Erkenntnisse vorstellen, die für Klimaprognosen der Zukunft wichtig sind. Es geht zum Beispiel um Schnee und Eisalgen und ihren großen Einfluss auf das  Abschmelzen des grönländischen Eisschilds, der erheblich zum globalen Meeresspiegelanstieg beiträgt. Wer sich also für aktuelle Klimaforschung interessiert und wissen will, was wir als Wissenschaftler in Potsdam und Berlin dazu beitragen, ist zu meinem Vortrag herzlich eingeladen.

    Sie leiten die Forschungsgruppe Grenzflächengeochemie am Deutschen Geoforschungszentrum. Was haben Grenzflächen mit dem Klima zu tun?
    Da muss ich ein wenig ausholen. In meiner Forschungsgruppe geht es um Grenzflächenreaktionen. Damit gemeint sind chemische, physikalische und biologische Reaktionen auf und in den Oberflächen unterschiedlichster Materialien, die deren Form, Struktur und Funktion prägen. Unser Planet verdankt solchen Prozessen sein Aussehen im Kleinen wie im Großen, sie steuern den Kreislauf von Kohlenstoff, Nährstoffen und Spurenelementen. Auch der Klimawandel ist eine Folge von Grenzflächenreaktionen. Ein Beispiel sind die Reaktionen zwischen Kohlendioxid und Atmosphäre. Ein weiteres, indirekteres Beispiel sind die Kettenreaktionen im arktischen Eis.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    © Katie Sipes

    Feldforschung, die Freude macht: GFZ-Doktorand Rey Mourot sammelt Schnee- und Eisproben im Süden Grönlands. Der Hubschrauber im Hintergrund steht aus Sicherheitsgründen bereit. Das Wetter kann schnell umschlagen, dann muss die Arbeit sofort abgebrochen werden. Die Grönland-Fotos auf dieser Seite wurden im Mai 2022 aufgenommen.

    Wie erfassen Sie die Vorgänge in Grenzflächen?
    Wir kombinieren experimentelle Ansätze und Messungen in der Natur, beispielsweise in Grönland, mit Satellitenbildern, mikrobieller Sequenzierung und hochauflösenden, von uns ständig weiterentwickelten Bildgebungstechniken der Elektronenmikroskopie und Spektroskopie. Auf diese Weise können wir Wechselwirkungen in Grenzflächen bis hinunter auf die atomare Ebene beobachten. Die Erkenntnis, dass Algen, Viren und Bakterien eine Schlüsselrolle im Klimageschehen spielen, ist diesem großen Repertoire an Methoden zu verdanken. 

    Bitte erläutern Sie genauer, wie all das zusammenhängt.
    Nehmen wir Grönland als Beispiel. Ich bin dort immer wieder mit meinem Team, um Messungen vor Ort zu machen und Eisproben zu entnehmen, die wir nach der Rückkehr in Potsdam untersuchen. Noch ist das Grönlandeis kilometerdick, doch im Jahr schmilzt im Schnitt ein Meter weg und geht in die Ozeane. Seit Jahren verläuft diese Entwicklung immer schneller. Das hat nicht nur mit der zunehmenden Erderwärmung zu tun, sondern auch mit dunklen Flächen auf dem Eis. Sie reduzieren den sogenannten Albedo, also das Rückstrahlvermögen der Oberfläche, und erwärmen diese. Lange dachte man, dass herangewehte Ruß- oder Staubpartikel das Eis schwärzen. Doch inzwischen wissen wir, dass natürlich vorkommende Schnee- und Eisalgen im Verbund mit anderen Mikroorganismen wesentlichen Anteil an der Verdunklung haben – und sich in Grönland kräftig vermehren. Im südwestlichen Teil der Insel gehen bis zu 26 Prozent der Albedo-Reduktion auf Eisalgen zurück. Und im Rahmen des großen EU-Projekts „Deep Purple“ erforschen wir zudem, ob spezielle Viren die Algenblüte womöglich kontrollieren und wie die Blüte durch winzige Pilze verlangsamt wird. 

    Lassen sich solche Erkenntnisse nutzen, um den Klimawandel abzubremsen?
    Was wir machen, ist reine Grundlagenforschung. An Maßnahmen zur Milderung von Klimawandelfolgen beteiligen wir uns nicht. Ein Bio- oder Geoengineering auf der Basis bisheriger Forschungsergebnisse halte ich auch für verfrüht, weil wir noch viel zu wenig über das Gesamtsystem wissen. Einzelne Eingriffe können großen Schaden anrichten, wir müssen da sehr vorsichtig sein. 

    Findet das neue Wissen über Algen und Co. schon Eingang in Klimaprognosen?
    Im letzten Bericht des Weltklimarats von 2023 wurde der Beitrag der Algen zwar schon erwähnt, aber in den Vorhersagen ist das Bio-Albedo noch nicht berücksichtigt. Ich bin zuversichtlich, dass der nächste Sachstandsbericht näher auf den Effekt eingehen wird.

    Instituts für Fertigungstechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. © FAU

    © Katie Sipes

    Liane G Benning und ihr Doktorand Rey Mourot vor einem Schneefeld im südlichen Grönland. Es ist deutlich zu erkennen, wie hier grüne, gelbliche und rote Schneealgen wuchern.

    Sie arbeiten schon lange auf diesem speziellen Gebiet. Wie kam es dazu?
    Eigentlich war ich schon immer fasziniert von Prozessen in der Umwelt. Ich studierte dann zunächst Mineralogie in Kiel und setzte mein Studium fort an der ETH in Zürich, wo ich geochemische Reaktionen zu meinem Promotionsthema machte. Es folgten akademische Stationen in den USA und in Großbritannien und mit der Zeit wurde mir klar, dass ich ohne Biologie wissenschaftlich nicht vorankomme. Also habe ich mich eingearbeitet, vor allem in die Genetik, und so wurde aus mir schließlich eine Biogeochemikerin. 

    Sie waren 17 Jahre an der Universität Leeds, bevor Sie nach Potsdam und Berlin wechselten. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?Nach Deutschland zurückzukommen war ein kleiner Kulturschock. Im Alltag musste ich mich erst einmal an die rustikalen Umgangsformen in Berlin und Brandenburg gewöhnen – da geht es in England doch etwas höflicher zu. Und dann die ausufernde Bürokratie, mit der die Deutschen sich und andere quälen. Die Briten – vor allem an den Universitäten – arbeiten oft viel effizienter, da können wir uns einiges abschauen. 

    Inzwischen sind Sie zehn Jahre in der Region und konnten hoffentlich auch Positives entdecken.
    Sogar sehr viel Positives. Wissenschaftlich habe ich hier fantastische Möglichkeiten. Wenn ich ein modernes, teures Messgerät für meine Forschung brauche, finde ich es so gut wie immer in der Region – sei es an einem anderen Helmholtz-Institut, bei Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft oder an der Bundesanstalt für Materialprüfung. Und, was genau so wichtig ist: Die Kollegen sind hochkompetent, hilfsbereit und offen für Kooperationen. Genial ist zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Thomas Leya vom Potsdamer Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie. In seiner Biobank befindet sich eine wunderbare Schneealgen-Kultur, die sich hervorragend für Vergleiche mit unseren Eisalgen eignet. Beim Aufbau unserer Kultur konnten wir sehr vom Know-how der Fraunhofer-Kollegen profitieren. Unterm Strich kann ich mir für meine Forschung kein besseres Umfeld wünschen. 

    Berlin-Brandenburg, ein El Dorado für Geowissenschaftler?
    Dem kann ich zustimmen. 

    Dann haben Sie vermutlich wenig Probleme, gute junge Leute für Ihr Team zu gewinnen?
    Wenn wir eine Stelle ausschreiben, kommen Bewerbungen aus aller Welt. Das war gerade wieder der Fall, es ging um eine Nachwuchswissenschaftler-Position. Aber wir wurden nicht fündig, die Bewerbungen waren einfach nicht gut genug. Bei den einen waren es die lückenhaften Unterlagen, bei anderen die Schmalspur-Qualifikation, die für unsere fachübergreifenden Aufgaben nicht ausreicht. Manche Bewerber wollen nur ihre Chancen austesten und meinen es nicht ernst. Ganz so leicht haben wir es also nicht. 

    Wie lösen Sie das Problem?
    Im konkreten Fall schreiben wir die Stelle jetzt neu aus, mit genaueren Kriterien. Ich schicke die Anzeige auch an mir bekannte Kolleginnen und Kollegen weltweit. Persönliche Empfehlungen sind da sehr viel wert. Außerdem versuche ich, gute junge Leute aus meinem Studiengang an der FU Berlin ans GFZ zu ziehen: für ein Praktikum oder für die Abschlussarbeit. Wenn es gut läuft, kann ein Job daraus werden. Das sage ich auch den Schüler-Praktikanten aus Potsdam, die in den letzten Jahren bei uns waren. Mein Team hat sich ganz toll um deren Fragen und Wünsche gekümmert und wir sind gern bereit, neue Praktikanten aus der Region aufzunehmen.

    Marion Merklein © FAU

    © Phil Dera

    Prof. Dr. Liane G. Benning.

    Zur Person

    Seit 2014 leitet Liane G. Benning die Abteilung Grenzflächengeochemie am Geoforschungszentrum GFZ, Helmholtz-Zentrum Potsdam. Sie ist zudem verantwortlich für die Potsdam Imaging and Spectral Analysis Facility (PISA). Seit  2016 ist sie Professorin an der Freien Universität Berlin.

    An der Universität Kiel machte Liane G. Benning ihr Vordiplom in Mineralogie; an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) schloss sie ihr Studium in den Fächern Petrologie und Geochemie ab. An der ETH wurde sie im Jahr 1995 promoviert. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der Pennsylvania State University wechselte Liane G. Benning an die University of Leeds, wo sie 2007 zur Professorin berufen wurde und bis 2017 forschte und lehrte.

    Die Biogeochemikerin hat viele nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Seit 2018 ist sie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, seit 2020 Geochemistry Fellow der Geochemical Society und der European Association of Geochemistry.  Anfang 2024 wurde Liane G. Benning von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den Wissenschaftsrat berufen.

    Bohrkern aus dem grönländischen Eisschild mit schwarzen Partikeln, die Algen, Mineralien und Ruß enthalten. Sie verdunkeln die Gletscheroberfläche und beschleunigen im Sommer die Eisschmelze. © Rey Mourot

    © Rey Mourot

    Bohrkern aus dem grönländischen Eisschild mit schwarzen Partikeln, die Algen, Mineralien und Ruß enthalten. Sie verdunkeln die Gletscheroberfläche und beschleunigen im Sommer die Eisschmelze.

    Weitere Informationen

    >> Praktikumsplatz-Anfrage für Oberstufen-Schülerinnen und Schüler: benning@gfz-potsdam.de

    Marion Merklein: „Es kommen rumpelige Jahre“

    „Es kommen rumpelige Jahre“

    Marion Merklein, Ingenieurwissenschaftlerin, Firmenchefin und Mitglied des GDNÄ-Vorstandsrats, über die Zeitenwende im Maschinenbau, Schnupper-Unis  und frühe Erfolge mit dem Bohrhammer. 

    Frau Professorin Merklein, an Ihrem Institut an der Universität Erlangen-Nürnberg entwickeln Sie ganze Fertigungsstraßen und realisieren diese zusammen mit Industrieunternehmen. Sind die Aussichten für den deutschen Maschinenbau wirklich so düster, wie derzeit oft gesagt wird?
    Ich gehöre nicht zu den Schwarzmalern. Aber es wird in den nächsten Jahren gehörig rumpeln im Land. Der Maschinenbau steckt mitten in einer großen Transformation, die uns voraussichtlich noch bis zum Ende des Jahrzehnts beschäftigen wird. Erst dann geht es wieder aufwärts. 

    Mit welcher Transformation haben wir es im Maschinenbau zu tun? 
    Dreh- und Angelpunkt ist die Energiewende, die uns weg von fossilen Energieträgern und hin zu grünem Strom und Wasserstoff führen wird. Gleichzeitig sollen Energieverbrauch und Abfallvolumen sinken. Allein das sind schon kolossale Herausforderungen für den Automobilbau und viele andere Branchen des Maschinenbaus. Was die Situation zusätzlich belastet ist die sinkende Auftragslage vor dem Hintergrund einer globalen Konjunkturflaute und ein dramatischer Fachkräftemangel. Wir dürfen das Problem gesellschaftlich nicht unterschätzen, denn in Deutschland hängt jeder fünfte Arbeitsplatz am Maschinenbau. 

    Was trägt Ihre Forschung zur Lösung der Probleme bei?
    An unserem Uni-Institut kreist vieles um die Frage, wie man Prozessketten verschlanken kann. Zum Beispiel beim Bau von Wasserstoffantrieben. Heute sind solche Motoren praktisch Manufaktur-Produkte mit Kleinserien wie beim „Mirai“: Von dieser Limousine mit Brennstoffzelle stellt Toyota nur 30.000 Stück pro Jahr her. Das ist auf Dauer natürlich unwirtschaftlich. Aktuell konzipieren wir daher Fertigungsstraßen für die Großserienproduktion. Damit sollen in Zukunft Millionen von Wasserstoffantrieben für Kraftfahrzeuge aller Art hergestellt werden können. Darüber hinaus entwickeln wir Techniken, um den Wärmeverbrauch beim Fügen von Bauteilen zu reduzieren und spanlose Trenntechniken, was etwa beim Schneiden von Werkstücken zu weniger Abfall führt. 

    Neben Ihrer Tätigkeit an der Universität sind Sie auch Firmenchefin. Was treibt Sie an?
    Wir wollen Forschungsergebnisse aus der Uni schneller als üblich in die Praxis bringen. 2019 habe ich deshalb die Leitung der Firma „Neue Materialien Fürth“ übernommen. Es handelt sich um eine Landesforschungseinrichtung, die dem Freistaat Bayern zu 51 Prozent und mehreren Miteigentümern zu 49 Prozent gehört. Ich besitze auch einen Anteil. Die Firma lässt sich mit einem Fraunhofer-Institut vergleichen, allerdings mit einer viel schlankeren Verwaltung. Uns stehen große Anlagen im industriellen Maßstab zur Verfügung. Das ermöglicht uns realitätsnahe Versuche, die an der Universität so nicht möglich sind.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    © FAU/Giulia Iannicelli

    Marion Merklein mit einem Blechzuschnitt, aus dem Zugproben für die Materialprüfung ausgeschnitten wurden. Aus den Zugproben werden Eingangsdaten und Materialkarten erstellt, um damit Fertigungsprozesse simulieren zu können.

    Gibt es schon Ergebnisse zum Anfassen?
    Ja, da die gibt es und schon bald wird etwas dazukommen, das den Elektromaschinenbau voranbringt. Es geht um eine innenliegende Komponente, über die ich jetzt nicht mehr verraten kann, weil das Patentverfahren noch läuft. Die Entwicklung fußt auf Ergebnissen eines Transregio-Förderprogramms zum Thema Blechmassivumformung und ist ein gutes Beispiel für gelungenen Forschungstransfer. Neue Materialien Fürth macht auch Auftragsforschung und übernimmt Dienstleistungen – unterm Strich schreiben wir schwarze Zahlen. 

    Noch sind Frauen im Maschinenbau eine Minderheit. Wie sieht es in Ihrem Umfeld aus?
    Als ich meine Professur antrat, war ich im Fachgebiet die einzige Frau weit und breit. Über die Jahre hat sich aber viel getan. Heute sind die Professuren im Maschinenbau an der FAU zu knapp einem Drittel mit Frauen besetzt. Ich verstehe mich da durchaus als Rollenmodell. Und in meinen Arbeitsgruppen stelle ich immer wieder fest, dass gemischte Teams die besten Ergebnisse erzielen. 

    Woher kommt Ihre Faszination für das Metier?
    Mein Vater spielte eine große Rolle. Ich war acht Jahre alt, als er mir die Hilti in die Hand drückte, um einen Mauerdurchbruch zu machen. Ich wollte das unbedingt, er hat es mir zugetraut und ich habe es geschafft. In der Schule war ich sehr gut in Physik und als es ans Studieren ging, entschied ich mich für Werkstoffwissenschaften. Mit der Zeit gefiel mir der Maschinenbau noch besser, ich schwenkte um und legte meinem Promotion in diesem Fach ab. 

    Instituts für Fertigungstechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. © FAU

    © FAU

    Außenansicht des Instituts für Fertigungstechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.

    Sie haben schnell Karriere gemacht und waren schon mit 34 Jahren Professorin. Was hat Ihnen Flügel verliehen?
    Vor allem die zuverlässige Unterstützung durch meinen Doktorvater und Mentor, Professor Manfred Geiger. Er hat mich von Anfang an gefördert und mich auf alle möglichen Veranstaltungen und Tagungen mitgenommen. So konnte ich in Leitungsfunktionen hineinwachsen. 

    Heute ist es an Ihnen, den Nachwuchs zu fördern. 
    Leider macht sich der Nachwuchs rar. Im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten haben wir bis zu  40 Prozent weniger Studierende und entsprechend weniger akademischen Nachwuchs. Technikwissenschaftliche Studiengänge haben für junge Leute an Reiz verloren. Wenn sie überhaupt in eine technische Richtung gehen, machen viele von ihnen eher eine Berufsausbildung. Ausländische Studierende können das Defizit nur zum Teil ausgleichen. Wir müssen uns daher etwas einfallen lassen, um junge Leute für unser Fach zu begeistern. 

    Was tun Sie dafür? 
    Mein Team und ich halten Vorträge in Schulen, bieten Technikpraktika an und in den Pfingstferien veranstalten wir eine Schnupper-Uni: Da können uns dann Schülerinnen und Schüler eine Woche lang über die Schulter schauen. Derzeit tüfteln wir an kleinkindgerechten Experimenten, mit denen wir auch in Kitas gehen können. 

    Sie sind Fachvertreterin für die Ingenieurwissenschaften in der GDNÄ. Was hat Sie gereizt, die Aufgabe zu übernehmen?
    Ich wurde sehr freundlich vom Vorstand gefragt und habe das Angebot als Ehre empfunden. Die Interdisziplinarität der GDNÄ gefällt mir, das macht sie für mich so besonders und dafür engagiere ich mich gern.

     

    Marion Merklein © FAU

    © FAU

    Prof. Dr.-Ing. Marion Merklein leitet den Lehrstuhl für Fertigungstechnologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

    Zur Person

    Die Forschungslaufbahn von Prof. Dr.-Ing. Marion Merklein ist eng mit der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbunden. Dort studierte sie Werkstoffwissenschaften und wurde  promoviert, dort arbeitete sie als Oberingenieurin und Forschungsgruppenleiterin und habilitierte sich. Im Alter von nur 34 Jahren erhielt Merklein drei Angebote für Professuren aus dem In- und Ausland, entschied sich aber erneut für die FAU. Ihr Lehrstuhl für Fertigungstechnologie gilt als eines der international führenden Zentren auf seinem Gebiet mit hervorragenden Kontakten in Wissenschaft und Wirtschaft.

    Die mehr als 600 Forschungsarbeiten Marion Merkleins decken ein breites Themenspektrum ab, wobei ihre Hauptinteressen in der Auslegung und Optimierung von Blechleichtbaukonstruktionen, der Blechwarmumformung (Presshärten) und der Blechmassivumformung liegen. In vielen Fällen gelingt Merklein der Brückenschlag zwischen Werkstoffkunde und Fertigungstechnik, wobei sie häufig für die industrielle Anwendung relevante Fragestellungen aufgreift.

    Die 50-jährige Wissenschaftlerin wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2013) und mit dem Bayerischen Verdienstorden (2018). Sie ist Mitglied der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopodina, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech. Marion Merklein leitet zudem ein Unternehmen, die Neue Materialien Fürth GmbH, eine Landesforschungseinrichtung, die das Ziel verfolgt, Erkenntnisse grundlagenwissenschaftlicher Arbeiten in die Industrie zu fördern.

    Weitere Informationen:

    Heribert Hofer: „In Potsdam stellen wir die Junge GDNÄ vor“

    „In Potsdam stellen wir die Junge GDNÄ vor“

    GDNÄ-Präsident Heribert Hofer über Höhepunkte der Versammlung 2024, Deutsch als Konferenzsprache und sein Zwischenfazit nach einem Jahr im Amt. 

    Herr Professor Hofer, im September 2024 findet in Potsdam die 133. Versammlung der GDNÄ statt. Bis dahin sind es noch neun Monate. Liegen Sie und Ihr Team im Zeitplan?
    Ja, die Vorbereitungen sind sehr weit gediehen. Wir haben klare Vorstellungen vom wissenschaftlichen Programm, die Veranstaltungsräume sind gebucht, das Rahmenprogramm steht weitgehend. Anfang Januar werden alle GDNÄ-Mitglieder im Jahresbrief Näheres erfahren. 

    Bis dahin sind es noch drei Wochen. Können Sie uns vorab ein paar Einblicke geben?
    Es wird eine ausgesprochen interdisziplinäre Tagung werden, mehr noch als es bei Versammlungen der GDNÄ üblich ist. Wir zeigen zum Beispiel, wie wichtig Künstliche Intelligenz heute schon für unterschiedliche Wissenschaftsbereiche ist und wie sie verwendet wird. Bei manchen Vorträgen wird man sich fragen, ob das jetzt Biologie oder Physik ist – so verzahnt sind die Methoden inzwischen. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten gewinnt in fast allen Fächern an Bedeutung, dieser Trend spielt uns natürlich in die Hände. Der Fokus entspricht auch dem Interesse unserer Mitglieder, wie wir aus Gesprächen und Zuschriften wissen.

    Die Versammlung trägt den Titel „Wissenschaft für unser Leben von morgen“. Viele Menschen blicken derzeit wenig optimistisch in die Zukunft. Kann die Wissenschaft das Bild aufhellen?
    Ja, das kann sie und das hat sie in der Vergangenheit oft getan. Denken wir nur an die Corona-Impfstoffe, die der Pandemie relativ schnell ein Ende bereiteten. So wie in diesem Fall sind Forschungsergebnisse oft zum Nutzen der Menschheit eingesetzt worden. Aber sie können, wie wir alle wissen, auch Schaden anrichten. Mein Anliegen ist daher eine verantwortungsbewusste Wissenschaft, die beide Potenziale im Blick hat. Zum Beispiel beim Thema Grüne Gentechnik, wo neue genomische Werkzeuge zur Entwicklung von Pflanzen eingesetzt werden. Über die Chancen und Risiken werden wir ausführlich in Potsdam diskutieren. Es wird dort auch um neue Trends bei ChatGPT und Co. gehen, also um generative Sprachmodelle und was sie für die Welt von morgen bedeuten.

    Das Thema dürfte die in Potsdam anwesenden Schülerinnen und Schüler besonders interessieren. Welche Rolle spielen sie bei der Versammlung 2024?
    Ihre Beiträge sind sehr wichtig für uns. Die jungen Leute werden, ähnlich wie bei der Jubiläumstagung 2022 in Leipzig, auf dem Podium mit Wissenschaftlern diskutieren. Damit sie sich inhaltlich einstimmen können, veranstalten wir im Vorfeld zwei Workshops. In Potsdam werden daran nicht nur ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus der Region teilnehmen, sondern auch ehemalige Teilnehmer unseres Schülerprogramms, die inzwischen studieren. Ziel ist es, begabte junge Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen – und idealerweise auch für die GDNÄ.

    Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). © IQOQI/M.R.Knabl

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Ein Publikumsmagnet war der Science Slam bei der GDNÄ-Versammlung 2022 in Leipzig. Heribert Hofer (links im Bild) betreute die mitwirkenden Schülerinnen und Schüler.

    Kann das bei einer Versammlung von drei Tagen glücken?
    In der Regel braucht es dafür natürlich mehr Zeit. Aus diesem Grund wollen wir die Junge GDNÄ ins Leben rufen. Die neue Gruppe soll aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Schülerprogramms offenstehen, sich bei Versammlungen verstärkt mit dem Publikum austauschen und auch zwischen den Versammlungen aktiv sein. Wie das im Einzelnen aussehen kann, muss noch besprochen werden. Eine Gelegenheit bietet das nächste Strategiegespräch von Vorstand und Vorstandsrat im Februar 2024. Dabei wird es auch um Fördermittel für das Projekt gehen. Stiftungen, mit denen wir gesprochen haben, zeigten sich aufgeschlossen und willens, die Junge GDNÄ zu unterstützen. Das freut uns sehr. 

    Wann werden Sie den Mitgliedern das neue Format vorstellen?
    In wenigen Monaten, bei der Versammlung in Potsdam. 

    Mit welcher Resonanz rechnen Sie?
    Es wird viel Zustimmung geben, davon bin ich überzeugt. Was mich bestärkt, sind die ausgesprochen positiven Rückmeldungen zum ausgeweiteten Schülerprogramm bei der Jubiläumsversammlung in Leipzig. Die Referenten hatten Spaß am Austausch mit den jungen Leuten, das Publikum freute sich über die lebendige Diskussion. Einige kamen später auf mich zu und boten ihre Mitarbeit an. Ihnen ist es eine Herzensangelegenheit, die nächsten Generationen an die Wissenschaft heranzuführen. Es gibt eine große Bereitschaft zum Engagement, die wir in Zukunft stärker nutzen wollen. 

    Wir brauchen mehr junge Mitglieder, mehr Frauen, mehr ethnische Vielfalt: Mit diesen Losungen traten Sie Ihr Amt vor einem Jahr an. Die Junge GDNÄ ist auf gutem Weg – wie steht es um Frauenanteil und ethnische Diversität?  
    Beide Anliegen haben wir weiterhin fest im Blick. Hochkarätige Expertinnen gibt es heute in allen Wissenschaftsbereichen, das vereinfacht die Suche nach exzellenten Fachvertreterinnen für unsere Versammlungen. Schwieriger wird es bei den zusätzlichen Anforderungen der GDNÄ: Die Vortragenden sollen ihre Forschung möglichst allgemeinverständlich und auf Deutsch darstellen können. Da schrumpft die Auswahl – bei den Frauen, vor allem aber bei Wissenschaftlern mit ausländischen Wurzeln. Dennoch konnten wir führende Köpfe aus beiden Gruppen für Potsdam 2024 gewinnen.   

    Deutsch war einmal die Sprache der Wissenschaft, heute ist es Englisch. Will die GDNÄ am Deutschen festhalten?
    Ja, Deutsch soll die Konferenzsprache bleiben. Das hat auch mit unserem fachübergreifenden Anspruch zu tun. Sich bei den Versammlungen in die komplexen Zusammenhänge aus anderen Disziplinen einzudenken, ist intellektuell herausfordernd. Wenn sich die Zuhörer den Vortrag dann auch noch aus einer anderen Sprache selbst übersetzen müssen, kommt es leicht zu Ermüdung und Missverständnissen. Auch die anschließende Diskussion wird mühsamer. Das wollen wir vermeiden und unsere Mitglieder bestärken uns darin. 

    Profitieren dürfte davon auch die regionale Öffentlichkeit, die traditionell zu den Versammlungen der GDNÄ eingeladen ist. Welche Besonderheiten sind 2024 geplant?
    Am 13. September, einem Freitagabend, stellt der Physik-Nobelpreisträger Ben L. Feringa seine Forschung allgemeinverständlich vor, am Abend des 14. September hält Liane G. Benning vom Deutschen Geoforschungszentrum den renommierten Leopoldina-Vortrag. Beide Veranstaltungen stehen allen Interessierten kostenfrei offen. Wir freuen uns über viel Besuch! 

    Was wäre eine GDNÄ-Versammlung ohne schönes Begleitprogramm: Was ist hier geplant?
    Die Kultur- und Forschungslandschaft Potsdams ist reichhaltig und lebendig. Wir werden sie umfassend erkunden: bei tollen Abendveranstaltungen, Führungen und wissenschaftsbasierten Exkursionen. Ein paar schöne Überraschungen sind gerade in Vorbereitung. 

    Sie sind jetzt seit fast genau einem Jahr Präsident der GDNÄ. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?
    Ich bin beeindruckt von der Dynamik und Effizienz, mit der die GDNÄ neue Projekte angeht und umsetzt. Und ich bin überzeugt, dass wir Medien und Öffentlichkeit noch besser erreichen können. Spürbar war das neulich bei der Verleihung der Lorenz-Oken-Medaille an Armin Maiwald, zu der fast zweihundert Wissenschaftskommunikatoren kamen. Was mich begeistert, ist das große Interesse unserer Mitglieder am Engagement für Gesellschaft und Wissenschaft. Das ist ein Schatz, den wir gemeinsam heben sollten.

    AleutBio-Team © 2022, Thomas Walter, Expedition SO293 AleutBio

    © David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

    GDNÄ-Präsident Hofer (links) bei der Feier zur Verleihung der Lorenz-Oken-Medaille an Armin Maiwald (2. von links), einen Pionier der „Sendung mit der Maus“. Rechte Bildhälfte: Laudator Ralph Caspers und GDNÄ-Generalsekretär Professor Michael Dröscher.

    Mit Medaille und Urkunde in der Bielefelder Stadthalle © David Ausserhofer

    © Heribert Hofer © MIKA-fotografie | Berlin

    Professor Heribert Hofer, GDNÄ-Präsident (2023-2024) und Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin.

    Bitte des Präsidenten

    Liebe GDNÄ-Mitglieder, teilen Sie uns bitte Ihre E-Mail-Adresse mit, damit wir uns untereinander leichter vernetzen können. Schicken Sie dazu am besten eine E-Mail an die Geschäftsstelle unter info@gdnae.de.

    Programmflyer

    Zur Person

    Professor Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, wurde von der Mitgliederversammlung für die beiden Jahre 2023 und 2024 in das Präsidentenamt gewählt und ist damit zuständig für die wissenschaftliche Gestaltung der 133. Versammlung im Jahr 2024 in Potsdam.

    Der renommierte Zoologe (63) leitet das Leibniz-IZW in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000 und ist seither auch Professor für Interdisziplinäre Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin. Vor seiner Berliner Zeit forschte er von 1986 bis 1999 am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen, zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne. Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.

    Der GDNÄ ist der international bekannte Wissenschaftler seit vielen Jahren eng verbunden. Er engagierte sich auf vielfältige Weise: als gewählter Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Fach Biologie, mit Redebeiträgen auf Versammlungen, als Vizepräsident bei der Vorbereitung der 200-Jahr-Feier in Leipzig – und seit Anfang 2023 als Präsident der GDNÄ.

    Weitere Informationen:

    Auszeichnung für Eva-Maria Neher

    Auszeichnung für Eva-Maria Neher

    Die Biochemikerin und frühere Präsidentin der GDNÄ erhielt die Universitätsmedaille für ihre Verdienste um die Universität Göttingen.

    Bei der Akademischen Jahresfeier 2023 der Universität Göttingen wurde die Gründerin und langjährige Leiterin des XLAB – Göttinger Experimentallabor für junge Leute, Professorin Eva-Maria Neher, für ihr besonderes Engagement geehrt.  Sie erhielt die Universitätsmedaille Aureus Gottingensis  für ihre Verdienste um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Chancengleichheit. Die Biochemikerin war in den Jahren 2015 und 2016 Präsidentin der GDNÄ.

    In ihrer Laudatio hob Universitätsvizepräsidentin Dr. Valérie Schüller insbesondere die Gründung des XLAB im Jahr 2000 hervor. Das Experimentallabor habe mit seinem Konzept „Hands-on – Wissenschaft zum Anfassen“ zahlreiche Jugendliche, junge Erwachsene und Lehrkräfte in Göttingen für die Wissenschaft begeistert. „Auch 23 Jahre später sind wir von diesem Konzept überzeugt und stolz darauf, dass das XLAB mittlerweile eine feste Einrichtung innerhalb unserer Universitätsstruktur geworden ist“, sagte Schüller.

    Eva-Maria Neher leitete das XLAB bis 2018 und ist seither Vorsitzende der von ihr gegründeten XLAB-Stiftung zur Förderung der Naturwissenschaften. Ebenfalls auf ihre Initiative geht das seit 2004 in Göttingen stattfindende XLAB Science Festival zurück.

    Bei der Akademischen Jahresfeier in der Aula der Universität Göttingen: Professorin Eva-Maria Neher mit Universitätsvizepräsidentin Dr. Valérie Schüller (rechts). © Universität Göttingen/Peter Heller

    © Universität Göttingen/Peter Heller

    Bei der Akademischen Jahresfeier in der Aula der Universität Göttingen: Professorin Eva-Maria Neher mit Universitätsvizepräsidentin Dr. Valérie Schüller (rechts). 

    Gestalt nimmt nun auch das Begegnungszentrum und Gästehaus an, für das Eva-Maria Neher sich seit Jahren stark macht. Das Ensemble mit Gemeinschaftsflächen und Büros sowie zwei Wohntürmen soll es jungen Menschen aus verschiedenen Ländern erleichtern, sich kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Am 24. November 2023 wurde Richtfest gefeiert, die Eröffnung ist für Ende 2024 geplant. Valérie Schüller: „Das Gästehaus wird ein weiterer Beleg dafür sein, dass Göttingen nicht nur ein Ort der Wissenschaft ist, sondern auch einer, der für Willkommenskultur, Gastfreundlichkeit und Internationalität steht.“ 

    Eva-Maria Neher sei eine „zielstrebige Projektleiterin und Managerin, die mit viel Ehrgeiz und straffer Organisation die Dinge zum Erfolg führt“,  sagte die Laudatorin. Die Geehrte habe vieles Wichtige in und für Göttingen gestaltet, zusammengehalten und vorangetrieben. Damit gehöre sie zu den Persönlichkeiten, denen die Universität mit der Medaille Aureus Gottingensis danken wolle.

    Professorin Eva-Maria Neher mit der Universitätsmedaille Aureus Gottingensis. © Universität Göttingen/Peter Heller

    © Universität Göttingen/Peter Heller

    Professorin Eva-Maria Neher mit der Universitätsmedaille Aureus Gottingensis.

    Zur Person

    Als GDNÄ-Präsidentin in den Jahren 2015 und 2016 gestaltete Professorin Eva-Maria Neher die Versammlung in Greifswald zum Thema „Naturwissenschaften und Medizin“. Sie gab dem Schülerprogramm der GDNÄ entscheidende Impulse und engagiert sich bis heute in den Gremien der Naturforschergesellschaft. International bekannt wurde die aus Mülheim an der Ruhr stammende Biochemikerin als Gründerin des XLAB, des Göttinger Experimentallabors für junge Leute.

    Von 1969 bis 1973 studierte Neher Biochemie, Organische Chemie und Mikrobiologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie machte 1974 ihr Diplom und promovierte 1977. Danach war sie als wissenschaftliche Assistentin in renommierten Göttinger Forschungsinstituten tätig.

    Im Anschluss an eine Familienpause leitete die fünffache Mutter in den 1990er-Jahren Experimentalkurse in den Fächern Chemie und Biologie an der Freien Waldorfschule Göttingen und entwickelte erste Konzepte für das XLAB. 2009 wurde sie Honorarprofessorin an der Fakultät für Chemie der Universität Göttingen.

    Für ihr Engagement in Wissenschaft und Gesellschaft erhielt Eva-Maria Neher zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Niedersächsischen Verdienstorden, den Niedersächsischen Staatspreis und das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

    Weitere Informationen: