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  • Neuer Infoflyer: Kompaktes Porträt der GDNÄ

    Neuer Infoflyer

    Ein Porträt der GDNÄ im Kompaktformat

    „Wissen in bester Gesellschaft“: Unter diesem Titel stellt sich die GDNÄ mit einer neuen Informationsbroschüre vor. Der sechsseitige Flyer im praktischen Format skizziert die große Tradition unserer wissenschaftlichen Gesellschaft, stellt das vielfältige Arbeitsspektrum vor und zitiert verdiente Mitglieder.

    Beispielhaft sei Paul Mühlenhoff, der Leiter des GDNÄ-Schülerprogramms, genannt: „Bei der GDNÄ erleben Schüler, was erst 20 Jahre später in den Schulbüchern steht“. Der attraktive Flyer eignet sich hervorragend zur Gewinnung neuer Mitglieder. Gedruckte Flyer können Sie kostenfrei bei der Geschäftsstelle anfordern (E-Mail oder Anruf genügt). Als PDF in zwei unterschiedlichen Größen steht die neue Broschüre hier zur Verfügung:

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies
    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies
    „Wissen in bester Gesellschaft“: Neuer Infoflyer der GDNÄ

    Heribert Hofer Wir haben eine Menge Ideen für die Zukunft

    „Wir haben eine Menge Ideen für die Zukunft“

    Heribert Hofer, Zoologe und designierter GDNÄ-Präsident, über seine Pläne für die nächsten Jahre, Wildtier-Forschung in Afrika und Naturschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

    Herr Professor Hofer, seit Anfang 2021 sind Sie Vizepräsident der GDNÄ. Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe?
    Sehr viel. Ich bin der GDNÄ ja schon seit vielen Jahren verbunden – zuletzt als Vorsitzender der Gruppe Biologie. Dass ich mich jetzt noch stärker für die älteste und größte interdisziplinäre wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland engagieren kann, empfinde ich als Ehre. Bis heute ist die GDNÄ eine feste Größe in unserem Wissenschaftssystem: Hier kommen führende Forscher zusammen, um über Fachgrenzen hinweg miteinander zu diskutieren und dabei die Öffentlichkeit einzubeziehen. Das ist einmalig und dafür bewundere ich die GDNÄ.

    Welche Akzente möchten Sie als Vizepräsident setzen?
    Mir liegt die Förderung der jungen Generation sehr am Herzen. Ein Beispiel dafür sind die Science Slams für Schüler, die ich bei den letzten Versammlungen in Greifswald und Saarbrücken initiiert und moderiert habe. Die jungen Leute hatten, glaube ich, großen Spaß und die Älteren schauten sich das gern an. In den kommenden Jahren möchte ich helfen, das wunderbare Schülerprogramm der GDNÄ weiter auszubauen und bundesweit zu verankern. Eine Idee ist, erfahrene Wissenschaftler als Mentoren zu gewinnen: Sie könnten unsere Nachwuchstalente individuell betreuen und längerfristig begleiten. Das Schülerprogramm soll eine zentrale Einrichtung der GDNÄ werden – das ist meine Vision für die Zukunft.

    Aus dem Landrover beobachtet Heribert Hofer das Verhalten von Raubtieren.

    Sie sind heute ein international anerkannter Wildtierforscher und Institutsleiter. Wer hat Sie am Anfang Ihres Weges gefördert? Was hat Sie geprägt?
    Ich bin in den 1960-er, 1970er-Jahren groß geworden, da gab es solche tollen Programme noch nicht. Beeinflusst haben mich vor allem einzelne Lehrer aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und, ganz wichtig, bestimmte Bücher.   Woran ich mich gut erinnere, ist das Buch „Prinzip Eigennutz“ des deutschen Verhaltensforschers Wolfgang Wickler. Es erschien 1977, also ein Jahr nach Richard Dawkins´ Buch über das egoistische Gen. Mein Patenonkel hatte mir Wicklers Werk geschenkt und ich habe es regelrecht verschlungen. Sehr wichtig war auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie des Physikers und Philosophen Gerhard Vollmer. Seine Bücher habe ich schon in der Schulzeit mit Begeisterung gelesen, wobei ich mich nicht mehr erinnern kann, wie ich auf sie gestoßen bin.  Was steuert das Verhalten? Nach welchen Regeln funktioniert sozialer Zusammenhalt? Wie zutreffend ist die Wahrnehmung der Realität? Das sind Fragen, die mich seither umtreiben.

    Damit hätten Sie auch Sozialwissenschaftler werden können.
    Dann hätte ich mich aber nicht mit Raubtieren beschäftigen können (lacht). Raubtiere sind sehr intelligente Lebewesen und ihr Verhalten im Freiland zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen, ist unglaublich faszinierend.

    Seit vielen Jahren beobachten Sie Tüpfelhyänen in der ostafrikanischen Savanne. Warum ausgerechnet Tüpfelhyänen?
    Diese Raubtiere haben ein sehr komplexes Sozialverhalten und leben in weiblich dominierten Gruppen. Damit verhalten sie sich quasi spiegelbildlich zu der bei Säugetieren üblichen männlichen Dominanz. Um diese Besonderheit genauer zu erforschen, bin ich 1986 erstmals in die Serengeti gereist. Das ist ein tansanischer Nationalpark von der Größe Schleswig-Holsteins, in dem mehr als eine Million Gnus, Hunderttausende Zebras und Abertausende Büffel, Löwen, Hyänen und andere Großsäuger leben – so konzentriert, wie sonst nirgendwo auf der Welt. Mitten in der Serengeti, im Tal des Flusses Seronera, liegt ein internationales Forschungsinstitut mit Unterkünften für Wissenschaftler. Dort haben wir zwei Häuser gemietet und renoviert und da halte ich mich seit 33 Jahren regelmäßig zu Studienzwecken auf, oft zusammen mit meiner Frau, der Verhaltensökologin Marion East, und Teammitgliedern.

    Drei Gepardenmännchen rasten in der Serengeti.

    Wie können wir uns das Forscherleben dort vorstellen?
    Es ist ein einfaches Leben. Wir wohnen in recht simplen Hütten, die rund um das Institut verstreut liegen. Unseren Strom beziehen wir aus Photovoltaikanlagen, das Wasser kommt aus großen Tanks, die das Regenwasser vom Dach sammeln. Wer handwerkliche Fähigkeiten besitzt, ist im Vorteil: Ständig gibt es etwas zu reparieren – in der Hütte, am wissenschaftlichen Equipment oder am Landrover. Im Forschungsinstitut leben Wissenschaftler aus aller Welt, drei Viertel von ihnen sind Frauen. Geselligkeit gibt es eher wenig, denn alle sind vollauf mit ihren eigenen Projekten beschäftigt. Wir zum Beispiel verlassen unser Quartier immer sehr früh und bleiben lange weg, um die Hyänen im Zentrum der Serengeti zu beobachten. Die besten Zeiten dafür sind zwischen halb sieben und halb zehn morgens und zwischen halb fünf und acht Uhr abends – also um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang herum.

    Es handelt sich um Langzeitprojekte: Wie groß ist Ihr Datenschatz inzwischen?
    Mittlerweile kennen wir die kompletten individuellen Lebensläufe von gut 2500 Hyänen über mehrere Generationen hinweg. Dazu können wir in unserem Studiengebiet bleiben, denn die Gruppenterritorien werden von der Müttergeneration an die Töchtergeneration weitergegeben.  Auch im Ngorongoro-Krater, das ist ein zweites im Südwesten der Serengeti gelegenes Studiengebiet, untersuchen unsere Mitarbeiter Hyänen – und das seit bald fünfundzwanzig Jahren.

    Was haben Sie bisher über das Sozialverhalten der Tüpfelhyänen herausgefunden?
    Eine zentrale Frage war von Anfang an, wie es zu der ausgeprägten weiblichen Dominanz kommt, welchen Vorteil sie hat und wie sie entstanden sein könnte. Ganz oben im Rudel steht ein Alpha-Weibchen, dann folgen in strenger Hierarchie andere Weibchen und alle männlichen Clan-Mitglieder stehen unter dem rangniedrigsten Weibchen. Das liegt nicht etwa an hormonellen Unterschieden, wie heute noch fälschlich in Lehrbüchern behauptet wird. Wir konnten vielmehr zeigen, dass weibliche Dominanz bei Tüpfelhyänen ein erlerntes Verhalten ist und letztlich auf einer pseudo-freiwilligen Selbstunterwerfung der Männchen beruht. Sie haben keine andere Wahl, weil die Weibchen Koalitionen bilden und die Männchen regelmäßig dominieren. Auch haben Männchen bei der Paarung nur dann eine Chance, wenn es ihnen gelungen ist, eine freundschaftliche Beziehung zu einem Weibchen aufzubauen.

    Soziale Kompetenz ist also ein echter Vorteil?
    Das ist ganz eindeutig so. Hinzu kommt, dass sich insbesondere junge Weibchen vor allem für frisch in das Rudel eingewanderte oder später als sie selbst geborene Männchen des eigenen Clans interessieren. Deshalb suchen sich kluge Männchen diejenige Gruppe im Umfeld aus, die die meisten jungen Weibchen aufweist und wandern ab.  Dadurch wird zugleich sehr erfolgreich Inzest vermieden, was durchaus ein Problem in einer Gruppenstruktur sein könnte, in der die jungen Weibchen weder die älteren Brüder noch ihren Vater kennen. Dafür konnten wir überzeugende Belege in unserer Langzeitstudie im Ngorongoro-Krater finden.

    Seit 2000 leiten Sie das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Osten Berlins. Da noch selbst zu forschen, ist vermutlich gar nicht so einfach.
    Das stimmt, aber eigene Forschung war mir immer wichtig. Leider kann ich nicht mehr so wie zu Anfang meiner Laufbahn monatelang in der Serengeti sein. Aber auf drei, vier Wochen Feldforschung im Jahr komme ich immer noch.

    Eine große Rolle spielt an Ihrem Institut der wissenschaftsbasierte Naturschutz. Was genau ist darunter zu verstehen?
    Ein gutes Beispiel ist die Lösung, die ein Team aus meinem Institut für den Konflikt zwischen Rinderfarmern und Geparden in Namibia gefunden hat. Im Dezember 2020 haben wir darüber im Fachjournal PNAS berichtet. In Zentralnamibia leben einige Hundert Individuen der seltenen Großkatzenart frei auf den Ländereien von Rinderfarmern. Gelegentlich erlegen die Geparde Rinderkälber, was zu erheblichen Konflikten führte. Wir haben uns mit den Viehzüchtern zusammengesetzt, deren Anregungen und Fragen aufgenommen und gemeinsam eine Forschungsstrategie entworfen. Gemeinsam haben wir es dann geschafft, 250 Geparde mit Funksendern zu versehen, um ihr Bewegungsverhalten und ihre Raumnutzung zu erfassen. Es stellte sich heraus, dass es besonders gefährliche Orte für Kälber gibt – nämlich dort, wo sich Geparden aus der Region regelmäßig treffen, um Informationen auszutauschen oder Paarungspartner zu finden.

    Gruppenbild im Grünen: Die Mitarbeiter des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung auf der Wiese vor dem Forschungsgebäude in Berlin-Friedrichsfelde.

    In Medienberichten wurden die Treffpunkte mit großstädtischen Szeneclubs verglichen.
    Ja, so könnte man auch dazu sagen. Wir sprechen eher von Kommunikationszentren. Wenn die Farmer wussten, um welche Gebiete es sich dabei handelte – wir konnten ihnen das genau sagen, sofern wir auf ihrer Farm einen mit Sender ausgestatteten Geparden hatten – und dann ihre Herden während der Kalbzeit an andere Stellen verlegten, sanken die Verluste um mehr als 80 Prozent. Ein großer Erfolg, der nur durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Farmern möglich war. Unseren Part sehen wir darin, zusammen mit den Betroffenen Fragen zu sammeln und darauf wissenschaftlich begründete Antworten zu finden. Mit diesem Ansatz versuchen wir in Deutschland gerade, in der Auseinandersetzung um die Wiederbesiedlung von Wölfen zu einer Lösung zu kommen.

    Wie stehen die Chancen?
    Der Ausgang ist offen. Gegenüber Deutschland hat Namibia den Vorteil, dass dort sowohl von staatlicher Seite als auch von den Betroffenen selbst die Probleme ehrlich angesprochen und ernst genommen werden. Das ist in Deutschland so noch nicht der Fall. Hierzulande gehört der Wolf berechtigterweise zu den geschützten Arten, andererseits werden die Interessen der Landbevölkerung von Parlamentariern und Ministerien nicht ausreichend beachtet. Daher sind insbesondere die Schafzüchter, die sehr fragile wirtschaftliche Existenzen haben und sich aufwändige Schutzmaßnahmen nicht leisten können, sehr verärgert. In diesem Konfliktfeld bewegen wir uns.

    Bereits jetzt ist Ihr Institut auf vielen Kontinenten aktiv und forscht zu einer erstaunlichen Fülle von Themen.  Lässt sich das noch toppen?
    Ich denke schon. Wir haben jedenfalls eine Menge Ideen für die Zukunft. In den nächsten Jahren wollen wir zum Beispiel das Potential moderner Fernerkundung verstärkt einsetzen. Mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln wir derzeit Methoden, um bedrohte Tierarten per Satellit aufzuspüren und in Fast-Echtzeit zu beobachten. Bislang werden die Bestände mit großem technischem und zeitlichem Aufwand erfasst. Relevante Informationen kommen oft viel zu spät. Mithilfe von Satelliten ließen sich auch Tierwanderungen auf großen Flächen besser beobachten, etwa in der Serengeti-Savanne. In einem anderen Projekt wollen wir Geier mit intelligenten Funksendern ausstatten, um Kadaver von Elefanten aufzuspüren, die Wilderern zum Opfer fielen. Die mit Hilfe künstlicher Intelligenz sachgerecht aufbereiteten Informationen könnten dann quasi in Echtzeit an Patrouillen und Strafverfolgungsbehörden weitergeben werden. Neueste molekularbiologische Methoden, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz: Sobald wir all das zusammen einsetzen können, sind wir fit für die Zukunft – mit einem modernen, evidenzbasierten Natur- und Artenschutz.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies
    Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung

    Zur Person
    Prof. Dr. Heribert Hofer (60) leitet das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000. Bis 2017 war er zudem Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie an seinem Institut. Seit 2000 hat Hofer eine Professur für Interdisziplinäre Zoo und Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin inne. Vor seiner Berliner Zeit war er von 1986 bis 1999 im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen tätig – zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne.  Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.

    Der international bekannte Wissenschaftler ist der GDNÄ eng verbunden. Er engagiert sich seit vielen Jahren auf mannigfache Weise: als gewählter Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Fach Biologie sowie als Sitzungsleiter und Vortragender auf Versammlungen, etwa 2014 in Mainz, 2016 in Greifswald und 2018 in Saarbrücken. Besonders am Herzen liegt Heribert Hofer neben der Wissenschaftskommunikation mit der Öffentlichkeit auch die Förderung junger Talente im Rahmen des GDNÄ-Schülerprogramms. Im November 2020 wurde Professor Hofer von der Mitgliederversammlung zum neuen Vizepräsidenten gewählt; seit Anfang 2021 übt er die ehrenamtliche Funktion aus. Als Vizepräsident ist Hofer zugleich designierter Präsident der GDNÄ. Dieses Amt wird er im Jahr 2023 antreten. 

    Hyänen-Zwillingspärchen © Marion L. East und Heribert Hofer

    Schicksale der Serengeti: Das Bild zeigt zwei junge Hyänen-Zwillingspärchen, die gemeinsam aufwuchsen und deren Lebensweg Heribert Hofer und Marion East in einem Langzeitprojekt so umfassend wie möglich dokumentiert haben. Links steht eine dominante Schwester mit ihrem subdominanten Bruder; ihre Mutter hat zu diesem Zeitpunkt den niedrigsten Rang im der Hyänenrudel. Beide sind etwas kleiner als die Zwillinge rechts neben ihnen, die vom ranghöchsten Weibchen der Gruppe abstammen. Die dominante Schwester (2.v.r.) ist hier leicht größer als ihr subdominanter Bruder. Beide Würfe sind gleich alt, aber die Jungen der hochrangigen Mütter haben mehr Milch pro Tag erhalten als die Jungen der niedrigrangigen Mütter – daher die Größenunterschiede. Beide hier gezeigten Weibchen blieben ihr Leben lang in ihrer Geburtsgruppe; beide Brüder wanderten in andere, nicht untersuchte Gruppen ab.

    Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

    Im Jahr 1992 gegründet, hat sich das Leibniz-IZW rasch zu einem international anerkannten Forschungsinstitut entwickelt. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Erklärtes Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels zu verstehen und zum Erhalt von gesunden Wildtierbeständen beizutragen.

    Am IZW arbeiten mehr als 200 Personen, darunter rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Forschungsprojekte zu einem großen Themenspektrum sind schwerpunktmäßig in Europa, Afrika und Südostasien angesiedelt. Das Spektrum reicht von Studien zu Wildtieren in der Stadt über die Gefährdung von Fledermäusen durch Windparks bis zur Fortpflanzung von Grottenolmen und der Erhaltung des Nördlichen Breitmaulnashorns.

    Bürgerforschung wird am IZW großgeschrieben. Zuletzt lud das Institut Bürger in Berlin und Brandenburg ein, Eichhörnchen zu beobachten und ihre Ergebnisse für neue Forschungsprojekte zu dokumentieren.

    Weitere Informationen: www.izw-berlin.de

    Eines der letzten Sumatra-Nashörner aus dem malaysischen Bundesstaat Sabah. Dort untersuchen IZW-Forscher seit 2009 die Gründe für den drastischen Rückgang dieser Art.

    Weiterführende Links:

    Berliner Zoologe ist neuer GDNÄ-Vizepräsident

    Berliner Zoologe ist neuer GDNÄ-Vizepräsident

    Mit dem international renommierten Wildtierforscher Heribert Hofer übernimmt ein engagierter Förderer junger Talente mehr Verantwortung in der traditionsreichen Wissenschaftsgesellschaft.

    Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) hat am 24. November Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, zum neuen Vizepräsidenten bestimmt. Der renommierte Zoologe wird die ehrenamtliche Funktion mit Beginn des Jahres 2021 übernehmen. Als neugewählter Vizepräsident ist Hofer zugleich designierter Präsident der GDNÄ. Dieses Amt wird er im Jahr 2023 antreten.

    Heribert Hofer (60) leitet das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin-Friedrichsfelde seit dem Jahr 2000. Bis 2017 war er zudem Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie an seinem Institut. Seit 2000 hat Hofer eine Professur für Interdisziplinäre Zoo und Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin inne. Vor seiner Berliner Zeit war er von 1986 bis 1999 im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen tätig – zunächst als Postdoktorand, später als selbstständiger Wissenschaftler. 1997 habilitierte er sich an der Universität München mit einer Arbeit über das Verhalten von Tüpfelhyänen in der Serengeti-Savanne. Sein Studium der Zoologie begann Heribert Hofer an der Universität des Saarlandes und schloss es an der Universität Oxford mit der Promotion zum „DPhil“ ab.

    Der GDNÄ ist der international bekannte Wissenschaftler seit Jahren eng verbunden. Heribert Hofer engagiert sich auf vielfältige Weise: als gewählter Fachvertreter und Gruppenvorsitzender für das Fach Biologie sowie mit Redebeiträgen auf Versammlungen, etwa 2016 in Greifswald und 2018 in Saarbrücken. Besonders am Herzen liegt ihm neben der Wissenschaftskommunikation mit der Öffentlichkeit auch die Förderung junger Talente im Rahmen des GDNÄ-Schülerprogramms.

    Ein Interview mit Professor Hofer über seine Wildtier-Forschung in Afrika, sein Engagement für einen wissenschaftsbasierten Naturschutz und seine Zukunftspläne für die GDNÄ finden Sie hier.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies
    Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung

    Weiterführende Links:

    Virtuelle Zusammenkunft

    Virtuelle Zusammenkunft

    Erste Online-Mitgliederversammlung der GDNÄ

    Die aufgrund der Corona-Pandemie organisierte Internetveranstaltung ersetzte die Mitgliederversammlung, die während der Versammlung in Würzburg im September 2020 hätte stattfinden sollen. Das Präsidium begrüßte die bei der Geschäftsstelle angemeldeten Mitglieder am 24. November 2020, 11 Uhr, zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung im virtuellen Hörsaal.

    Auf der Tagesordnung standen neben den turnusgemäßen Berichten die Wahl eines neuen 2. Vizepräsidenten, der 2023 das Präsidentenamt übernehmen wird.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    GDNÄ-Versammlung in Vor-Corona-Zeiten.

    „Kreativität entfalten, mit Freude lernen“

    „Kreativität entfalten, mit Freude lernen“

    Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung, über die Schwachstellen heutiger Schulen, ein neuartiges Ökosystem der Bildung und seinen außergewöhnlichen Start in der GDNÄ

    Herr Dr. Winter, die Corona-Krise weitet sich aus, einzelne Schulen schließen und stellen zeitweise auf Home-Schooling um. Wissen wir eigentlich, wie sich das auf Schülerinnen und Schüler auswirkt?
    Wir haben im April, also während der bundesweiten Schulschließungen, gut tausend 10- bis 16-Jährige und ihre Eltern befragt. Im Ergebnis sind die meisten von ihnen gut mit dem Lernen zu Hause zurechtgekommen. Es zeigte sich aber auch, dass den Kindern und Jugendlichen der Kontakt zu Mitschülern und Lehrkräften sehr fehlt. Die meisten Schülerinnen und Schüler haben zu Hause ein eigenes Zimmer und können dort in Ruhe arbeiten. Auch die Technikausstattung mit Computern, Laptops und Smartphones ist überwiegend gut.

    Beste Voraussetzungen also für das Home-Schooling?
    Leider nein. Neben der Tatsache, dass einer kleineren, aber zahlenmäßig nicht unerheblichen Gruppe von Schülerinnen und Schülern die genannten Voraussetzungen gänzlich fehlen, gibt es Schwachstellen vor allem bei Schulen und Lehrkräften. Von ihnen wünschten sich die befragten Kinder, Jugendlichen und Eltern deutlich mehr Unterstützung. Nur die Hälfte der Schülerinnen und Schüler erhielt Rückmeldungen zu eingesandten Arbeiten und viele von ihnen beklagten, dass die Lehrkräfte für Fragen nicht erreichbar gewesen seien. Hinzu kommt: Kreative Wissensvermittlung über echten Fernunterricht, Erklär-Videos oder digitale Gruppenarbeit fand kaum statt, stattdessen verschickten die Lehrer Aufgaben und Arbeitsblätter per E-Mail und ließen ihre Schüler Texte lesen und schreiben.

    Welche Folgen hat das zum Beispiel für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht, für den Ihre Stiftung sich ja primär stark macht?
    In den sogenannten MINT-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, haben die 10- bis 16-Jährigen den größten Unterstützungsbedarf. Denn hier werden Aufgabenstellungen oft nicht so gut verstanden wie in den Gesellschaftswissenschaften oder Fremdsprachen. Zudem bleibt das so wichtige experimentelle Arbeiten, wie unsere Studie zeigt, im Online-Unterricht fast komplett auf der Strecke. Dabei wäre heute vieles möglich. Trauriges Fazit: Die Defizite im Home-Schooling gehen stark zu Lasten des MINT-Bereichs.

    Seit Ihrer Befragung ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Viel Zeit also zur Umstellung.  Wurde sie genutzt?
    Ich habe nicht den Eindruck, dass im Sommer viel passiert ist in den Schulen. Nur an wenigen Orten sind zum Beispiel Formate des hybriden Lernens mit Präsenz- und Online-Anteilen entwickelt worden. Bei den Hochschulen ist das komplett anders: Dort wurden in den vergangenen Monaten der überwiegende Teil des Lehrangebots für die digitale Vermittlung aufbereitet.

    Warum geht das nicht auch in den Schulen?
    Den meisten Lehrkräften fehlt schlicht und ergreifend das Know-how für einen zeitgemäßen Online-Unterricht. Ein weiterer Grund ist die ausufernde Bildungsbürokratie, die grundlegende Veränderungen erschwert. Und die Schulleitungen müssen sich neben ihren eigentlichen Aufgaben mit zu vielen anderen Dingen beschäftigen – zum Beispiel mit Lüftungsanlagen.

    Bei der Eröffnung des Berliner Science Centers „Futurium“: Ekkehard Winter spielt mit Kindern ein Brettspiel zur künstlichen Intelligenz.

    Ein dickes Brett also. Kommt man da überhaupt durch?
    Wir haben keine andere Wahl. Die Corona-Krise führt die Schwachstellen des Schulsystems gnadenlos vor Augen – einfach wegsehen und sich verstecken geht jetzt nicht mehr. Dabei sind die Defizite seit Jahren bekannt. Etwa durch die internationale Vergleichsstudie ICILS 2018, in der es um Medienkompetenz ging. Deutschlands Schülerinnen und Schüler landeten im Ländervergleich auf den hinteren Plätzen. Schlecht abgeschnitten haben auch die technische Ausstattung der Schulen und die Digitalkompetenz der Lehrkräfte. Technisch wird in Deutschland jetzt aufgerüstet, da fließt momentan viel Geld rein. Weiter mangelhaft ist jedoch die pädagogische Kompetenz.

    Gilt das für alle Schulen oder gibt es nicht doch einige lobenswerte Ausnahmen?
    Es gibt zum Glück sogar viele gute Beispiele dafür, wie Lehrkräfte digitale Medien produktiv und mit hohem pädagogisch-didaktischen Mehrwert einsetzen. Wir und andere Stiftungen und Verbünde wie das Forum Bildung Digitalisierung versuchen, diese Best-Practice-Beispiele bekannt zu machen und sie als Vorbilder zu nutzen. Das ist aber schwierig, auch weil viele Lehrkräfte, die jetzt an den Schulen arbeiten, die neuen Möglichkeiten weder in ihrer Ausbildung kennengelernt haben noch in geeigneten Fortbildungen einüben konnten. Das gilt übrigens für ältere und jüngere Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen.

    Was muss denn passieren, um echte Veränderungen herbeizuführen?
    Wir brauchen nichts weniger als einen Kulturwandel im Bildungssystem. Eine positive Grundhaltung dem Neuen gegenüber und Lust am Lernen über das gesamte Berufsleben hinweg. Wichtig sind starke Schulleitungen und Kollegien, die sich als Team verstehen und diesen Spirit auch in den Unterricht tragen. Das heute noch vorherrschende Einzelkämpfertum bei den Lehrkräften hat sich überlebt. Für die Welt von morgen brauchen wir junge Menschen, die ihre Kreativität entfalten und mit Freude gemeinsam lernen.

    Ihre Stiftung konzentriert sich auf die 10- bis 16-Jährigen. Gerade in dieser Altersgruppe scheint die Lust am Lernen zu versiegen.
    Das stimmt.  Aber die Flamme ist noch da. Man muss sie nur anpusten, dann machen Jugendliche die tollsten Sachen, wie wir aus vielen Projekten wissen.  Sie beißen sich regelrecht fest, wenn etwas sie wirklich interessiert und es ihnen wichtig für ihr Leben erscheint. So wünschen sie sich auch die Schule, das haben wir in unserer neuen Studie „Wie lernen Kinder und Jugendliche heute?“ gesehen. Die Schule wird derzeit zwar als der zentrale Lernort verstanden, aber sie ist nicht der Ort, an dem man gern lernt. Deshalb setzt unsere Stiftung zunehmend auf das außerschulische Lernen, sei es in modernen Bibliotheken und Museen, Jugendhäusern oder Projektwerkstätten wie etwa Makerspaces. Wir propagieren ein Bildungs-Ökosystem, in dem die Schule Teil eines großen Netzwerks ist.

    In dem auch die Wissenschaft eine Aufgabe hat?
    Eine sehr große sogar, gerade im MINT-Bereich. Ich habe selten so viel Begeisterung für Physik erlebt wie bei einer Direktschalte zwischen einer Schule und Wissenschaftlern am Genfer CERN. Mit gigantischen Teilchenbeschleunigern wird dort der Aufbau der Materie erforscht. Was an MINT Spaß macht, trägt also nicht das Etikett MINT, sondern heißt CERN – oder auch GDNÄ. Dass die GDNÄ Schüler und Lehrkräfte zu ihren Versammlungen einlädt und spezielle Programme im Bildungsbereich anbietet, ist vorbildlich für das Bildungssystem der Zukunft.

    Vor Ihrem Engagement im Bildungssektor brachten Sie beim Stifterverband den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft voran. Ein Feld, auf dem auch die GDNÄ aktiv ist…
    …und auch in den 1990er-Jahren schon eine wichtige Rolle spielte, vor allem in Gestalt ihrer Präsidenten Joachim Treusch und Detlev Ganten. Deutsche Journalisten und Wissenschaftler pilgerten damals alljährlich zu den Jahrestagungen der American Association for the Advancement of Science, kurz Triple AS genannt. Detlev Ganten hatte die Idee, ein europäisches Pendant zu schaffen. Es herrschte eine tolle Aufbruchsstimmung. Zusammen mit Kollegen konnte ich damals zur Gründung der gesamteuropäischen Wissenschaftskonferenz EuroScience Open Forum beitragen. Inzwischen ist ESOF zu einer Institution geworden – die nächste Tagung soll 2022 in Leiden stattfinden.

    Wie sind Sie zur GDNÄ gekommen?
    Ich hatte beruflich in Konstanz zu tun und wollte bei der Gelegenheit den damaligen GDNÄ-Präsidenten Hubert Markl um einen Rat bitten. Wir trafen uns also in seinem Institut und ich trug mein Anliegen vor. „Den Rat kann ich Ihnen gern geben“, sagte Markl, „aber unter der Bedingung, dass Sie Mitglied der GDNÄ werden.“ Er reichte mir ein Formular, ich unterschrieb und zog mit ein paar guten Tipps von dannen. Tja, so ging Mitgliederwerbung damals. 

    Ekkehard Winter vor der Kamera: Szene eines Interviews für einen Social-Media-Kanal der Telekom-Stiftung.

    Faszination 3D-Drucker: Impression von einem Schulprojekt der Telekom-Stiftung in Bonn.

    Zur Person
    Dr. Ekkehard Winter (62) ist seit 2005 Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. Nach einem Studium der Biologie und seiner Promotion am Institut für Genetik der Universität Köln ging Winter als wissenschaftlicher Referent zur damals neu gegründeten Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Zwei Jahre später wechselte er zum Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft nach Essen. Er war dort zuständig für Programme zur Hochschulreform und betreute eine Reihe von Stiftungen im Bereich Natur- und Biowissenschaften. Im Jahr 1999 arbeitete Winter am Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC), der größten britischen Einrichtung zur Forschungsförderung. Ein Jahr später übernahm er beim Stifterverband die Leitung des Bereichs „Programm und Förderung“ und wurde 2003 stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes. Seit 2017 ist er Co-Sprecher des Nationalen MINT-Forums. Ekkehard Winter ist Mitbegründer der bundesweiten Initiative „Wissenschaft im Dialog“ (WiD), zu der sich im Jahr 2000 alle deutschen Wissenschaftsorganisationen zusammengeschlossen haben, und des Euro Science Open Forum (ESOF). Er leitete bis Februar 2020 den Arbeitskreis „Bildung und Ausbildung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und ist Mitglied zahlreicher anderer Gremien im Bildungs-, Wissenschafts- und Stiftungsbereich.

    Deutsche Telekom Stiftung
    Im Jahr 2003 von der Deutschen Telekom ins Leben gerufen, gehört die Telekom-Stiftung heute mit einem Kapital von 150 Millionen Euro zu den großen Bildungsstiftungen in Deutschland. Die Telekom Stiftung engagiert sich für ein zukunftsfähiges Bildungssystem in einer digitalen Welt und konzentriert sich dabei auf die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (die sogenannten MINT-Fächer). Für Projekte in diesem Bereich stellt sie jährlich rund zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Stiftung mit Sitz in Bonn beschäftigt 20 Mitarbeiter. Vorstandsvorsitzender ist seit 2018 der frühere CDU-Politiker und Bundesminister a.D. Dr. Thomas de Maizière.

    Weiterführende Links:

    GDNÄ-Schülerprogramm: Berichte aus dem Unterricht in Corona-Zeiten

    Zeit zum Nachdenken

    Wie Feline Lohkamp ihr Pensum im Ausnahmezustand schafft.
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    Abi im Corona-Jahrgang

    Hoffentlich kommen bald Lockerungen, sagt Eda Siakir Oglou.
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    Schule in der Datenwolke

    Wie Paul Mühlenhoff in Krisenzeiten Deutsch und Bio unterrichtet.
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