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  • Anke Kaysser-Pyzalla: „Nachwuchsgewinnung auf Platz eins“

    „Nachwuchsgewinnung auf Platz eins“

    Die Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ), Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, über neue Chancen für junge Leute und den Wert interdisziplinären Denkens und Handelns.

    Frau Professorin Kaysser-Pyzalla, das Motto der 133. Versammlung der GDNÄ war „Wissenschaft für unser Leben von morgen. In welchen Bereichen sehen Sie hier die größten Herausforderungen und Chancen für die Wissenschaft?
    Unser Leben von morgen wird bestimmt durch die gesellschaftlichen Entwicklungen. Die größte Herausforderung für die Wissenschaft ist es, ihre eigene Relevanz für die Gesellschaft verständlich darzustellen. Auch wir als GDNÄ müssen zeigen, welchen Anteil die Forschung an der Zukunft der Gesellschaft und ihrer wirtschaftlich-technologischen Grundlagen hat. Die größte Chance für die Wissenschaft besteht darin, ihre Ergebnisse und Methoden, aber auch ihre Grenzen zu kommunizieren. Zu sagen: „Wir sind für die Gesellschaft da“. Unsere Aufgabe ist es, Wissenschaft erkennbar zu machen, in dem was sie hervorbringt. Forschung ist damit eine der Grundlagen für Entscheidungen in unserer Demokratie.

    Nicht alle diese Aufgabengebiete sind für den wissenschaftlichen Nachwuchs in gleicher Weise attraktiv. Gibt es Bereiche, die Ihnen Sorgen machen?
    Sorgen bereiten mir die geringen Studierendenzahlen in den technischen Fächern. Doch Potsdam hat gezeigt, dass der Nachwuchs die neuen Herausforderungen verstanden hat. Er setzt sich mit Fragestellungen auseinander, die sich mit aktuellen Entwicklungen oder historischen Fehlentwicklungen beschäftigen und eine hohe Relevanz für die Gesellschaft haben. Als GDNÄ müssen wir unserem Nachwuchs die Sinnhaftigkeit und Interdisziplinarität der Forschung für seine Entwicklung vermitteln. Die Fähigkeit zur Teamarbeit sowie eine klare Analyse- und Bewertungsfähigkeit sind zudem gute Voraussetzungen für Karrieren in der Forschung, die in die Wirtschaft führen und wieder zurück.

    © Dima-Juschkow

    Junge Mitglieder der GDNÄ auf der Versammlung 2024 in Potsdam, zusammen mit Nobelpreisträger Professor Ben Feringa (vordere Reihe, Mitte).

    Mit der Gründung des  Jungen Netzwerks der GDNÄ sollen junge Menschen schon früh gezielt an wissenschaftliches Denken und Arbeiten herangeführt werden. Welchen Stellenwert hat die Jugendarbeit innerhalb der GDNÄ als Ganzes?
    Die Nachwuchsgewinnung muss auf Platz eins stehen. Ohne befähigten, engagierten und motivierten Nachwuchs ist Deutschland nicht konkurrenzfähig. Es gibt viele Jugendliche, die von sehr guten Lehrerinnen und Lehrern für die Naturwissenschaften begeistert werden. Der Bereich Technik kommt aber oft viel zu kurz. Wir als GDNÄ müssen Vorbild sein – wissenschaftliche Werte repräsentieren, diese neu denken und den Nutzen für die Gesellschaft in Sinn erklären. Wie kann es uns gelingen, durch attraktive Angebote, junge Menschen an wissenschaftliches Denken und Arbeiten heranzuführen? Die GDNÄ gibt dem Nachwuchs die Chance, Netzwerke aufzubauen und neue Leute, vor allem aber auch neue Themen kennenzulernen.

    Bei jungen Menschen scheint es keine Geschlechterdisparität im Interesse für die Wissenschaft zu geben, was ja auch bei der jGDNÄ zu sehen ist. Doch in den fortgeschrittenen akademischen und Industrie-Karrieren sinkt der Anteil der Frauen oft dramatisch. Ist dies eine „Altlast, die sich durch bessere Nachwuchsförderung lösen lässt, oder sehen Sie hier strukturelle Probleme, die gelöst werden müssen?
    Ich sehe hier immer noch strukturelle Probleme, ergo eine Altlast. Der Anteil von Studentinnen steigt stetig. Viele beenden erfolgreich ihr Studium, wählen teils eine wissenschaftliche Laufbahn. Doch wie ist es dann bestellt um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Diese Vereinbarkeit, die für Frauen wie auch für Männer gilt, muss im wissenschaftlichen Alltag ankommen, so dass sie die erwarteten Ergebnisse erbringt. Alle haben die gleichen Chancen. Und es zeigt sich, dass es funktionieren kann. Zunehmend sind es Frauen, die sich in Bereichen etablieren, in denen sie bisher unterrepräsentiert waren. Auch in der GDNÄ ist zu spüren, dass sich junge Kolleginnen stark in unsere Arbeit einbringen und engagieren. 

    Wissenschaft im 21. Jahrhundert ist in den meisten Fällen hochspezialisiert, Forscherinnen und Forscher sind oft auf sehr enge Interessengebiete fixiert. Doch die Herausforderungen für „unser Leben von morgen“ sind komplex. Welche Rolle sehen Sie hier für die GDNÄ, um den Austausch zwischen den Disziplinen zu stimulieren und interdisziplinäres Denken zu fördern?
    Die Rolle der GDNÄ muss zunehmend die eines Taktgebers in der deutschen Wissenschaftslandschaft sein. Es muss uns gelingen, interdisziplinäres Denken zu stärken. Versetzen wir uns zum Beispiel in die Rolle einer Raumfahrtingenieurin. Aus ihrem Spezialgebiet, nehmen wir die Orbitalmechanik heraus, ist sie gezwungen, viele Aspekte einer komplexen Mission zu beachten. Dies kann ihr nur gelingen, wenn sie bereit ist, über die Grenzen ihres Fachgebiets hinaus zu denken und zu handeln. Sie muss kollektives Wissen bündeln und erweitern, neue Ideen fördern und zudem die Zusammenarbeit verbessern. Dies mit einem hohen Maß an Interdisziplinarität im Kontext mit komplexen Systemen. Dann hat sie, dann haben wir Erfolg.

    So wichtig der Dialog innerhalb der Wissenschaften ist – mindestens ebenso wichtig ist der Dialog der Wissenschaft mit und in der Gesellschaft. Doch bei Themen wie Klimawandel oder der Pandemiebekämpfung hat sich gezeigt, dass dieser Dialog nicht immer funktioniert. Das aktuelle Beispiel in den USA, wo anti- und pseudowissenschaftliche Positionen die Politik zu dominieren scheinen, zeigt auf geradezu dramatische Weise, wie   dadurch nicht nur der wissenschaftliche Fortschritt, sondern sogar der wissenschaftliche Status quo, also das bereits Erreichte, aufs Spiel gesetzt werden kann. Wie kann und muss die Wissenschaft im Allgemeinen und die GDNÄ im Besonderen darauf reagieren?
    Die GDNÄ ist die Summe ihrer Mitglieder. Jedes Mitglied sollte sich in Gesprächen und Diskussionen klar für die Sache der Wissenschaft positionieren. Leider müssen wir in den Medien beobachten, wie sich auch prominente Personen daran beteiligen, pseudowissenschaftliche Thesen zu vertreten. Dem können wir durch unsere Auftritte in der Öffentlichkeit entgegenwirken. Die GDNÄ steht für Erklärbarkeit. Dazu gehört, das vorhandene Wissen zu übersetzen, für jeden verständlich und nachvollziehbar. So wie es der letzte Preisträger der Lorenz-Oken-Medaille, Armin Maiwald, viele Jahrzehnte erfolgreich getan hat. Damit stärkt die GDNÄ die Akzeptanz wissenschaftlicher Ergebnisse, wie etwa denen zum menschengemachten Klimawandel. Wir erklären die Unsicherheiten von wissenschaftlichen Ergebnissen und erklären, wozu Wissenschaft gut ist. Denn Wissenschaft entwickelt sich, ebenso wie die GDNÄ, immer weiter.

    DLR_Anke_Kaysser-Pyzalla

    © DLR

    Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, GDNÄ-Präsidentin 2025/2026 und Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

    Leseempfehlung

    Dieser Beitrag gibt ein Interview mit Professorin Anke Kaysser-Pyzalla wider, das  Jürgen Schönstein, Chefredakteur der Naturwissenschaftlichen Rundschau, für das Heft 9/10 (2025) führte. Die Naturwissenschaftliche Rundschau ist seit vielen Jahren das Organ der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Die aktuelle Oktober-Ausgabe dokumentiert die Fachvorträge der 133. Versammlung der GDNÄ 2024 in Potsdam:

    >> Naturwissenschaftlichen Rundschau, Ausgabe 9/10 (2025)

    Zur Person

    Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla hat in Bochum und Darmstadt Maschinenbau und Mechanik studiert. Sie wurde an der Ruhr-Universität Bochum promoviert und habilitierte sich dort. Nach Forschungstätigkeiten am Hahn-Meitner-Institut (HMI) und an der Technischen Universität Berlin forschte und lehrte sie von 2003 bis 2005 an der Technischen Universität Wien. 2005 wechselte sie als Wissenschaftliches Mitglied, Direktorin und Geschäftsführerin in die Leitung des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung GmbH nach Düsseldorf. 2008 folgte die Berufung zur Wissenschaftlichen Geschäftsführerin der Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH, die unter ihrer Leitung aus der Fusion von HMI und der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) hervorging. 2017 wurde Anke Kaysser-Pyzalla Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig; seit 2020 ist sie Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zur Präsidentin der GDNÄ wurde sie für die Amtsjahre 2025 und 2026 gewählt.

    Ekkehard Winter: „Über die Seitenlinie Begeisterung schüren und Talente fördern“

    „Von der Seitenlinie Begeisterung schüren, Talente fördern“

    Ekkehard Winter, langjähriger Stiftungsmanager und Mitglied im GDNÄ-Vorstandsrat, über neue Wege zu einer besseren MINT-Bildung in Deutschland.

    Herr Dr. Winter, Sie sind vor gut dreißig Jahren Mitglied der GDNÄ geworden. Damals, Mitte der 1990er-Jahre, standen Sie am Anfang Ihrer Laufbahn in großen deutschen Wissenschaftsstiftungen. Was hat die GDNÄ für Sie interessant gemacht?
    Das waren ganz klar Persönlichkeiten wie Hubert Markl, Joachim Treusch und Detlev Ganten, die sich damals als Präsidenten der GDNÄ ablösten. Sie sind die Pioniere moderner Wissenschaftskommunikation in Deutschland, ihnen haben wir viel zu verdanken. Ich war dann immer wieder auf Versammlungen der GDNÄ, wobei mich die 200-Jahr-Feier in Leipzig vor drei Jahren ganz besonders beeindruckt hat. Bei all diesen Treffen werden niveauvolle Vorträge geboten, die ein Thema gründlich ausleuchten – und nicht nur Wissensschnipsel wie bei anderen Veranstaltungen mit ähnlicher Zielgruppe. 

    Vor fast einem Jahr wurden Sie in den GDNÄ-Vorstandsrat berufen. Was bedeutet das für Sie?
    Ich bin für zwei Jahre berufen, also bis Ende 2026. Mir macht es Freude, meine jahrzehntelange Erfahrung in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung einzubringen. Hilfreich könnte auch mein Netzwerk an Kontakten sein – sei es in Stiftungen, Hochschulen und Forschungsmuseen oder in der Politik. Bisher habe ich an zwei Strategiesitzungen der GDNÄ teilgenommen und jedesmal war ich beeindruckt von den produktiven Diskussionen auf Augenhöhe und den erfrischenden Beiträgen junger Mitglieder. 

    Sie kennen viele Nachwuchsorganisationen im Wissenschaftsbereich. Welchen Eindruck haben Sie von der noch recht jungen jGDNÄ?
    Ihre Mitglieder sprudeln über vor Ideen, sie wollen etwas erreichen, auch für ihre eigene Karriere. Das ist andernorts ähnlich und sehr zu begrüßen. Gut finde ich auch, wenn die jungen Leute eigene Veranstaltungen zwischen den Versammlungen der GDNÄ organisieren. Aber, und auch das gehört zum Bild: Derzeit lebt die Initiative vom Elan besonders engagierter Mitglieder. Doch was ist, wenn sie ins Ausland gehen? Oder kaum noch Zeit für das Ehrenamt haben? Droht dann der Zerfall? Um das zu verhindern, wird in ein, zwei Jahren eine Art Verbindungsbüro nötig sein – ein Hub, der alles zusammenhält. Das kostet Geld und ohne Fördermittel wird das kaum zu stemmen sein. Da überlege ich gern mit.

     © Marlene Anders

    Auch Volkssternwarten sind Teil des Bildungs-Ökosystems: Das Foto zeigt Mitglieder der jGDNÄ beim Besuch der Heidelberger Sternwarte im Haus der Astronomie.

    Sind schon Förderchancen absehbar?
    Nehmen wir zum Beispiel die Stiftungen. Viele von ihnen engagieren sich inzwischen aufgrund strategischer Entscheidungen und auch aus Kostengründen weniger in Personenprogrammen, sie fördern eher Strukturen. Für einen jGDNÄ-Hub würde das also passen. Es gibt aber noch viele andere Fördermöglichkeiten über zivilgesellschaftliche oder staatliche Institutionen, die sich teilweise kombinieren lassen. Was fehlt, ist ein Überblick, der Stärken, Schwächen und Besonderheiten der Angebote erkennen lässt. Die Erstellung einer „Förderlandkarte“ wäre doch mal ein schönes Thema für eine Bachelorarbeit! 

    Ein Vorschlag aus den Reihen der jGDNÄ ist ein Mentoringprogramm, das junge Leute mit etablierten GDNÄ-Mitgliedern aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringt. Eine gute Idee?
    Eine sehr gute Idee! Ich denke da an eine Erfahrung, die ich als Geschäftsführer der Telekom Stiftung gemacht habe. Wir haben ein Programm auf die Beine gestellt, das Doktoranden mit Führungspersönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbrachte, auch mit Topmanagern aus der Wirtschaft. Jeder Mentee hatte einen Mentor oder eine Mentorin, die alle sehr gern mitgemacht haben und oft aus anderen Disziplinen als ihre Mentees kamen. Das hat hervorragend funktioniert. Aber es muss gut organisiert werden und braucht Begeisterung, Zeit und Geld. 

    Die jGDNÄ ist eine Dachorganisation, in der auch das seit vielen Jahren erfolgreiche Schülerprogramm der GDNÄ angesiedelt ist. Wie beurteilen Sie das Programm?
    Nach allem, was ich in den letzten Jahren beobachten konnte, hat es sich wunderbar entwickelt. Es spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem der MINT-Bildung, also im Bereich von Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften. Solche Programme stärken die Faszination für Fächer, die dringend gebraucht werden, denen es aber immer schon an Nachwuchs fehlte. Grundlegend wird sich das wohl auch in Zukunft nicht ändern. Umso wichtiger sind Programme für Schülerinnen und Schüler, die sozusagen über die Seitenlinie Begeisterung schüren und Talente fördern.  

    Unter dem Dach der jGDNÄ laufen mehrere Programme, unter anderem ein noch kleines Lehrerprogramm der GDNÄ. Sehen Sie Potenzial und, wenn ja, wie lässt es sich ausschöpfen?
    Gerade im MINT-Bereich gibt es unglaublich engagierte Lehrkräfte. Dass das auch beim GDNÄ-Programm so ist, weiß ich aus Gesprächen mit dessen Leiter Paul Mühlenhoff. Diese Lehrerinnen und Lehrer genießen es oft sehr, außerhalb ihrer eigenen Schulen zusammenzukommen und sich austauschen zu können. In ihren heimischen Kollegien gelten sie oft als Störenfriede, weil sie gern Neues ausprobieren und die Standards hochschrauben. Eine Idee wäre zum Beispiel ein Lehrkräftecafé bei der nächsten Versammlung 2026 in Bremen. Eingeladen wären etablierte und angehende MINT-Lehrerinnen und Lehrer mit Interesse an Austausch und Kooperation. Ich habe einige Treffen dieser Art koordiniert und war immer wieder verblüfft, wie wenig Lehrkräfte über Initiativen in anderen Bundesländern wissen und wie gern sie gute Impulse aufgreifen. Unser föderales Bildungssystem ist dermaßen provinziell! Das sollten wir ändern und die GDNÄ könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten. 

    Vor zwei Jahren sind Sie in den Ruhestand gegangen. Neben Ihren Ehrenämtern, unter anderem in der GDNÄ, studieren Sie jetzt Wissenschaftsphilosophie an der Uni Münster. Eine gute Entscheidung? 
    Ja, auf jeden Fall. Bisher fehlte mir die Zeit, mich mit der Ideengeschichte und den Theoriegebäuden der Naturwissenschaften zu befassen. Diese Bereiche sollten aber nicht nur Ruheständler interessieren, sondern sie müssten aus meiner Sicht auch in der Vermittlung der MINT-Fächer an Schulen und Hochschulen vorkommen. Auch die GDNÄ mit ihrer langen Geschichte könnte dafür ein guter Platz sein.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Deutsche Telekom Stiftung

    Dr. Ekkehard Winter, Biologe, langjähriger Stiftungsmanager und berufenes Mitglied im GDNÄ-Vorstandsrat.

    Zur Person

    Dr. Ekkehard Winter engagiert sich im Nationalen Bildungsforum und berät das Nationale MINT Forum; beide Einrichtungen sind wichtige bildungspolitische Akteure. Von 2005 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2023 war Winter Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, deren Profilierung als führende Bildungsstiftung im Bereich Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften (MINT) er maßgeblich geprägt hat. Zuvor war der promovierte Biologe als Programmleiter und stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft tätig. Ekkehard Winter zählt zu den Gründern der bundesweiten Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) und des EuroScience Open Forum (ESOF). In den Jahren 2017 und 2018 war er Gründungsvorstand des Forums Bildung Digitalisierung, das sich für die digitale Transformation im Schulsystem einsetzt. Von 2017 bis 2023 war Winter Co-Sprecher des Nationalen MINT-Forums e.V.. GDNÄ-Mitglied ist Ekkehard Winter seit Mitte der 1990er-Jahre; 2024 wurde er in den Vorstandsrat berufen. 

    © Deutsche Telekom Stiftung

    Ekkehard Winter in seiner Zeit als Geschäftsführer der Telekom-Stiftung bei einem Interview für den hauseigenen Social-Media-Kanal.

    Zum Weiterlesen:

    Nachruf Professor Michael P. Manns

    NACHRUF MICHAEL P. MANNS

    Exzellenter Wissenschaftler, Arzt mit Herzenswärme

    Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) trauert um ihr langjähriges Mitglied Professor Michael P. Manns. Der international renommierte Gastroenterologe wurde 73 Jahre alt.

    „Er hat mit ganzem Herzen für seine Patientinnen und Patienten, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelebt“, heißt in einer Traueranzeige der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zum Tod ihres ehemaligen Präsidenten Professor Michael P. Manns. Wie die Hochschule mitteilte, erlag der berühmte Spezialist für Lebererkrankungen Mitte August einer Tumorerkrankung. Obschon von der Krankheit gezeichnet, habe er bis zuletzt an der MHH gearbeitet. Michael P. Manns wurde 73 Jahre alt.

    „Michael Manns war der GDNÄ viele Jahre lang treu verbunden. Mit ihm verlieren wir einen hochangesehenen Wissenschaftler, der sich mit visionärer Kraft und unermüdlicher Energie für das Wohl der Menschen einsetzte“, sagt Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. 

    „Die Wissenschaft hat einen ihrer Besten verloren“, sagt MHH-Präsidentin Professorin Denise Hilfiker-Kleiner und fügt hinzu: „Ich trauere um einen Freund“. Manns Erbe bleibe bestehen und werde auch in Zukunft vielen Menschen das Leben retten.

    „Michael Manns war mein Mentor, dafür bin ich ihm unendlich dankbar“, sagt Professor Heiner Wedemeyer, Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie. „Von seinem Fachwissen, seiner Förderung und ganz besonders seiner immensen persönlichen Unterstützung haben Chefärztinnen und Chefärzte, Medizinerinnen und Mediziner in ganz Deutschland profitiert.“

    Manns prägte nach Angaben der Hochschule die MHH über Jahrzehnte. Von 1991 bis 2020 leitete er die MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie; von 2019 bis Ende 2024 stand er an der Spitze der Hochschule. In seine Amtszeit als Präsident fielen die Corona-Pandemie, ein Generationswechsel auf vielen Ebenen und die Planungen für den Neubau der MHH. Noch Anfang 2025 übernahm Michael Manns eine Seniorprofessur an dem von ihm mitgegründeten Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM), einer gemeinsamen Initiative des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der MHH.

    In seiner Forschung konzentrierte sich Manns auf Virushepatitiden, Autoimmunerkrankungen der Leber, hepatozelluläre Karzinome sowie die Transplantationsmedizin. Er war an klinischen Studien für neue Standardtherapien beteiligt und gründete das nationale Kompetenznetz Hepatitis, aus dem die Deutsche Leberstiftung hervorging.

    Für seine Verdienste wurde Manns vielfach geehrt. Er gehörte zu den weltweit am meisten zitierten Wissenschaftlern, hatte den Vorsitz etlicher namhafter Gesellschaften inne, unter anderem der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Leber (GASL), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sowie der United European Gastroenterology (UEG). Im April 2025 verlieh ihm der damalige Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) das Große Verdienstkreuz des Landes Niedersachsen.

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    © Medizinische Hochschule Hannover

    Professor Michael P. Manns (16.11.1951 – 15.08.2025).
    Zur Person

    Professor Michael P. Manns war ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Lebererkrankungen und der Infektiologie. Er zählte zu den führenden Hepatitis-C-Forschern, entwickelte neue Standardtherapien für Patienten mit chronischer Hepatitis und arbeitete an Alternativen zu Lebertransplantationen. Von 1991 bis zum 1. April 2020 leitete Michael Manns die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH); von 2019 bis 2024 war er Präsident der MHH. Von 2015 bis 2019 fungierte er zusätzlich als Klinischer Direktor des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und Gründungsdirektor des Center for Individualised Infection Medicine (CiiM). Bevor er an die MHH kam, forschte und lehrte der 1951 geborene Mediziner in Berlin, San Diego und Mainz. Mitglied der GDNÄ wurde Michael P. Manns im Jahr 2000. Er verstarb am 15. August 2025.

    Weitere Informationen:

    Carsten Bolm: „Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht“

    „Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht“

    Chemieprofessor Carsten Bolm, Mitglied im GDNÄ-Vorstandsrat, über kreative Forschung, seine nur scheinbar geradlinige Laufbahn und lohnende Perspektiven für den Nachwuchs.

    Herr Professor Bolm, Sie haben sich früh für die Chemie entschieden, sind Hochschullehrer geworden und dabei geblieben – inzwischen seit gut dreißig Jahren. Würden Sie diesen Weg noch einmal gehen?
    Ja, für mich ist er immer genau richtig gewesen. Ich kann meine Forschung nach eigenem Ermessen gestalten und talentierte junge Leute in ihrer Entwicklung begleiten: Diese Vorzüge genieße ich Tag für Tag. Es ist kein Nine-to-five-Job, man ist immer gefordert und gelegentlich findet mein Team, dass ich zu hart arbeite. Es gibt diesen Trend beim Nachwuchs, der Universität den Rücken zu kehren und sich einen ruhigeren Job zu suchen. Da versuche ich gegenzusteuern, unter anderem mit meinem Vortrag „Warum Sie an der Hochschule bleiben sollten“. Ich werde ihn demnächst wieder halten.

    Was sind Ihre Hauptargumente für die Hochschullaufbahn?
    Die gedankliche Freiheit und die Möglichkeit dem nachzugehen, was man beruflich am liebsten tut.

    Wodurch wurde Ihre Begeisterung für die Forschung und speziell für die Chemie geweckt?
    Rollenmodelle in der Familie gab es nicht. Aber meine Eltern haben mir Chemiebaukästen geschenkt und ich durfte in einer nahegelegenen Apotheke alle Chemikalien kaufen, die ich für meine Experimente brauchte. Heute ginge das nicht mehr, es wäre den Erwachsenen zu riskant, aber in den Sechziger- und Siebzigerjahren war das kein Problem. Viel zu verdanken habe ich meiner Biologielehrerin. Sie promovierte nebenher im Fach Mikrobiologie und unterrichtete Biologie mit einer starken Chemieorientierung. Ihre Begeisterung war ansteckend und irgendwann war mir klar: Ich werde Chemiker.

     © Carsten Bolm

    Die große, international gemischte Arbeitsgruppe von Carsten Bolm vor dem Institutsgebäude.

    Diesen Plan haben Sie, so scheint es, zielstrebig umgesetzt.
    Von außen wirkt das vielleicht so. Ich selbst empfand mich in der Zeit als ziemlich sprunghaft. Acht Umzüge, in Deutschland, der Schweiz, in den USA, und nirgendwo war ich länger als zwei Jahre. Dass daraus eine akademische Laufbahn wurde, hat viel mit dem Glück zu tun, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute zu treffen.

    Sie sprachen von der Faszination der Chemie. Was genau fasziniert Sie?
    Die Chemie erfordert sowohl Kopf- als auch Handarbeit, eine wunderbare Kombination. Sie ist auch die einzige Disziplin, in der ständig neue Stoffe herstellt werden – Substanzen, die es vorher nicht gab. Das begeistert mich immer wieder aufs Neue.

    Sie sind Organischer Chemiker, betreiben aber auch Mechanochemie. Wie passt das zusammen?
    Zu Beginn einer akademischen Karriere muss man sich auf wenige Forschungsfragen spezialisieren, um Profil und Sichtbarkeit in der Fachwelt zu gewinnen. Später habe ich mein Spektrum Zug um Zug erweitert, unter anderem in Richtung Mechanochemie. Anwendung findet sie häufig in den Geowissenschaften, wenn es etwa darum geht, Stoffe mithilfe einer Kugelmühle energieeffizient und lösungsmittelfrei zu zerkleinern. Vor zwanzig Jahren war das in der organischen Synthesechemie noch Neuland, heute wird die Mechanochemie als maßgebliche methodische Weiterentwicklung angesehen. In meiner Arbeitsgruppe nutzen wir das Verfahren, um einerseits bestehende Syntheseverfahren zu verbessern und andererseits chemisches Neuland zu entdecken – die ungewöhnlichen Reaktionsbedingungen in den Kugelmühlen sind für manche Überraschung gut.

      © Carsten Bolm

    Arbeitsplatz Labor: Doktorandin Lena Hanek vor einer Kugelmühle, mit der sich Stoffe energieeffizient und lösungsmittelfrei zerkleinern lassen.

    Wie entstehen solche neuen Ansätze an Ihrem Institut?
    Oft durch fachübergreifenden Austausch. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krankheiten arbeite ich zum Beispiel viel mit Medizinern zusammen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Schwefelchemie, etwa zur Entwicklung neuer Tuberkulose-Hemmstoffe. Dank interdisziplinärer Kooperation konnten wir die Substratpalette der Sulfoximine, die sich insbesondere für die Nutzung in der Medizinalchemie und im Pflanzenschutz eignen, maßgeblich erweitern. Kooperationen gibt es auch mit Ingenieuren, etwa im kürzlich wieder bestätigten RWTH-Exzellenzcluster Integrated Fuel & Chemical Science Center, kurz: FSC2. Hier unterstützen wir die Entwicklung umweltfreundlicher flüssiger Energieträger. Ob an der eigenen Universität oder im Rahmen großer EU-Projekte: Wir setzen stets auf hochkarätige, verlässliche Partner. Und das bekommt uns sehr gut.

    Welche Rolle spielt bei Ihnen der Kontakt zur Industrie?
    Eine ganz wichtige. Ich würde sogar sagen: Ohne Industriekontakte geht es in meinem Fach nicht. Meine Arbeitsgruppe hat zum Beispiel enge Kontakte zur Pharmaindustrie, um gemeinsam neue Wirkstoffe zu entwickeln. Eine Pflanzenschutzfirma testet derzeit eine in unseren Laboratorien entdeckte neue Verbindungsklasse. Und ebenso wie viele andere Chemieinstitute an deutschen Hochschulen profitieren wir wesentlich vom Fonds der Chemischen Industrie bei der Förderung des akademischen Nachwuchses. Er vergibt Preise und Fördermittel – für unsere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das sehr wichtig.

      © Stefanie Zimmer

    Lernort Labor: Postdoktorand Dr. Renè Hommelsheim (rechts) beantwortet die Fragen des Master-Studenten Christian Keisers zur Schwefelchemie.

    Wie geht es dem Chemiestandort Deutschland aus Ihrer Perspektive?
    Wir sehen mit Sorge, dass die großen Chemieunternehmen immer weniger Stellen für unsere Absolventinnen und Absolventen anbieten. Aber wer lange genug sucht, findet etwas – das gilt vor allem für promovierte Chemikerinnen und Chemiker. Oft handelt es sich um Positionen in kleineren Firmen. Insgesamt leidet die Branche unter den gewaltigen Energiekosten und viele Unternehmen erwägen derzeit eine Verlagerung ins Ausland. Hilfreich wäre eine schnelle politische Intervention zur Kostensenkung.

    Vor fast 30 Jahren haben Sie den Ruf auf einen Lehrstuhl an der RWTH angenommen und sind trotz anderer Angebote geblieben. Was hat Sie in Aachen gehalten?
    Der starke Standort, gute Forschungsbedingungen und die hohe Lebensqualität. Ich komme aus Braunschweig, habe mich in Basel habilitiert und träumte von einem Leben im deutschen Südwesten. Aber es verschlug mich nach Aachen. Sollte ein Angebot aus Freiburg kommen, dachte ich damals, dann unterschreibe ich blind. Etwas später kam er wirklich, der Ruf aus Freiburg. Die RWTH machte ein so großzügiges Gegenangebot, dass ich nicht Nein sagen konnte. Es folgte ein weiterer Ruf – aber erneut war die RWTH besser. Und mit der Zeit habe ich die Stadt, die Nähe zu Belgien und das Rheinland sehr schätzen gelernt.

    Wie sind Sie zur GDNÄ gekommen?
    Durch einen Telefonanruf vor anderthalb Jahren. Michael Dröscher, Chemiker wie ich und langjähriger Generalsekretär der GDNÄ, fragte mich, ob ich Lust auf eine Mitarbeit hätte. Die GDNÄ war mir damals zwar bekannt, doch mir fehlte ein klares Bild von ihren Zielen. Ich glaube, es geht vielen an den Hochschulen so.  Ich bin dann zur Versammlung in Potsdam gereist und fand sie extrem gelungen. Beeindruckt hat mich das Zusammenwirken der Disziplinen und das wertschätzende Miteinander von Jung und Alt – in dieser Art und Ausprägung hatte ich das noch nie erlebt. In Potsdam wurde das Junge Netzwerk der GDNÄ gegründet, das sich seither prächtig entwickelt. Da kommen einem gleich ganz neue Ideen.

    Welche zum Beispiel?
    Vielleicht gelingt es uns, in Aachen eine Vortragsserie zu Themen der modernen Chemie auf die Beine zu stellen, zusammen mit Vertretern der jGDNÄ. Wenn das klappt, könnte das auch ein Format für andere Universitätsstädte sein. Eine weitere Idee wäre es, GNDÄ-Mitglieder auf Vortragsreise an deutsche Hochschulen zu senden, um so die Gesellschaft mitsamt der jGDNÄ ins universitäre Rampenlicht zu rücken.

    Sie wurden zum Fachvertreter für Chemie in den Vorstandsrat der GDNÄ gewählt. Was wollen Sie aus dem Amt machen?
    Zu meinen zentralen Aufgaben gehört es derzeit, hochkarätige Chemiker für möglichst allgemeinverständliche Vorträge über ihre Forschung für die Versammlung 2026 in Bremen zu gewinnen. Die Themen sollen aktuell und von fachübergreifendem Interesse sein. Es ist ein wunderbares Amt und es passt perfekt zu meinem Anliegen: Ich will die Chemie sichtbarer machen – in Wissenschaft und Öffentlichkeit – und die GDNÄ gleich mit.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Martin Braun Fotografie

    Prof. Dr. Carsten Bolm, Lehrstuhl für Organische Chemie II an der RWTH Aachen University.

    Zur Person

    Professor Carsten Bolm (65) ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Organische Chemie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen University. Seine Forschungsbeiträge reichen von der Grundlagenforschung im Bereich der organischen Synthesechemie über die Mechanochemie bis zur Entwicklung neuer biobasierter Kraftstoffe.

    Carsten Bolm wuchs in Braunschweig auf und studierte dort und an der University of Madison, Wisconsin, Chemie. 1987 wurde er in Marburg promoviert und absolvierte anschließend einen Postdoc-Aufenthalt beim zweimaligen Nobelpreisträger Barry Sharpless am Massachusetts Institute of Technology in Boston. 1993 habilitierte er sich an der Universität in Basel. 1996 nahm er einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Organische Chemie der RWTH an. Der Chemiker gehörte mehrfach zu den „Thomson Reuters Highly Cited Researchers“ und wurde 2015 zum Fellow der britischen Royal Society of Chemistry ernannt. Im Jahr 2022 wurde er in die Academia Europaea berufen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker verlieh ihm für seine Arbeit auf dem Gebiet der Katalyseforschung die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze. Als Fachvertreter Chemie engagiert sich Professor Bolm seit 2024 im GDNÄ-Vorstandsrat.

    © Carsten Bolm

    Das RWTH-Institut für Organische Chemie. Das Relief über dem Eingang zeigt die Entwicklung der Chemie im Verlauf der Jahrhunderte. Dargestellt ist auch der nicht metallische Feststoff Schwefel, den die Arbeitsgruppe Bolm neu beforscht. Schwefel war schon im Mittelalter ein Grundstoff war.

    Zum Weiterlesen

    Professor Wolfgang Wahlster mit Rudolf-Diesel-Medaille 2025 ausgezeichnet

    Professor Wolfgang Wahlster mit Rudolf-Diesel-Medaille 2025 ausgezeichnet

    Der ehemalige Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ), Professor Wolfgang Wahlster, ist mit der renommierten Rudolf-Diesel-Medaille 2025 in der Kategorie „Beste Innovationsförderung“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde am 10. Juli 2025 im Rahmen eines feierlichen Gala-Dinners in Augsburg verliehen. Als langjähriger wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz fungiert Wolfgang Wahlster heute als dessen Chefberater.

    Die Verleihung des ältesten Innovationspreises Europas erfolgte durch den Sprecher des Rudolf-Diesel-Kuratoriums, Professor Alexander Wurzer, in Anwesenheit von rund hundert geladenen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Diesel-Kuratorium, das als Wahlgremium fungiert, besteht aus rund sechzig Technologievorständen von weltmarktführenden, mittelständischen Technologieunternehmen. 

    Mit der diesjährigen Auszeichnung würdigt das Deutsche Institut für Erfindungswesen das Lebenswerk von Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster, der seit mehr als vier Jahrzehnten als Pionier und Brückenbauer zwischen KI-Forschung und industrieller Anwendung wirkt. Wahlster wurde 1982 mit nur 29 Jahren auf den ersten deutschen Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz an der Universität des Saarlandes berufen. Seine Arbeiten zu Sprachverstehen, Übersetzungssystemen und Dialogtechnologien legten früh den Grundstein für heutige Sprachassistenten und Chatbots. Als Vordenker der Industrie 4.0 prägte er 2010 nicht nur den Begriff, sondern entwarf auch zentrale Konzepte für die vierte industrielle Revolution – mit weltweiter Ausstrahlung. 

    In ihrer Laudatio würdigte Dr. Diana Taubert, Geschäftsführerin ETL IP Patentanwaltsgesellschaft mbH, Wahlsters außergewöhnliche Rolle in der deutschen Innovationslandschaft: „Sie sind nicht nur ein Pionier der Künstlichen Intelligenz – Sie sind auch ein Architekt von Innovationsstrukturen, ein Brückenbauer zwischen Forschung und Anwendung, ein Möglichmacher im besten Sinn.“ Sie hob hervor, dass Prof. Wahlster nicht nur technologische Entwicklungen, sondern auch ethische und normative Standards maßgeblich mitgestaltet hat – in Ethikkommissionen, Normierungsgremien und öffentlichen Debatten. 

    Die Rudolf-Diesel-Medaille wurde seit ihrer Einführung im Jahr 1953 an herausragende Persönlichkeiten aus der IT-Welt wie Konrad Zuse, Wolfgang Giloi, Andreas Grünberg, Hasso Plattner, Renate Pilz und August-Wilhelm Scheer verliehen. Mit Wolfgang Wahlster reiht sich eine der prägenden Persönlichkeiten der europäischen KI-Forschung in diesen Kreis ein. 

    Als Präsident der GDNÄ (2017-2018) richtete Professor Wahlster die 130. Versammlung der Naturforschergesellschaft mit dem Titel „Digitalisierung der Wissenschaften“ in Saarbrücken aus. Später war er der GDNÄ über mehrere Jahre als Mitglied im Vorstandsrat verbunden.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Dominik Wagner, Eichmeister Kreativagentur GmbH

    Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster, Präsident der GDNÄ in den Jahren 2017 und 2018.