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  • Nachruf Professor Michael P. Manns

    NACHRUF MICHAEL P. MANNS

    Exzellenter Wissenschaftler, Arzt mit Herzenswärme

    Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) trauert um ihr langjähriges Mitglied Professor Michael P. Manns. Der international renommierte Gastroenterologe wurde 73 Jahre alt.

    „Er hat mit ganzem Herzen für seine Patientinnen und Patienten, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelebt“, heißt in einer Traueranzeige der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zum Tod ihres ehemaligen Präsidenten Professor Michael P. Manns. Wie die Hochschule mitteilte, erlag der berühmte Spezialist für Lebererkrankungen Mitte August einer Tumorerkrankung. Obschon von der Krankheit gezeichnet, habe er bis zuletzt an der MHH gearbeitet. Michael P. Manns wurde 73 Jahre alt.

    „Michael Manns war der GDNÄ viele Jahre lang treu verbunden. Mit ihm verlieren wir einen hochangesehenen Wissenschaftler, der sich mit visionärer Kraft und unermüdlicher Energie für das Wohl der Menschen einsetzte“, sagt Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. 

    „Die Wissenschaft hat einen ihrer Besten verloren“, sagt MHH-Präsidentin Professorin Denise Hilfiker-Kleiner und fügt hinzu: „Ich trauere um einen Freund“. Manns Erbe bleibe bestehen und werde auch in Zukunft vielen Menschen das Leben retten.

    „Michael Manns war mein Mentor, dafür bin ich ihm unendlich dankbar“, sagt Professor Heiner Wedemeyer, Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie. „Von seinem Fachwissen, seiner Förderung und ganz besonders seiner immensen persönlichen Unterstützung haben Chefärztinnen und Chefärzte, Medizinerinnen und Mediziner in ganz Deutschland profitiert.“

    Manns prägte nach Angaben der Hochschule die MHH über Jahrzehnte. Von 1991 bis 2020 leitete er die MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie; von 2019 bis Ende 2024 stand er an der Spitze der Hochschule. In seine Amtszeit als Präsident fielen die Corona-Pandemie, ein Generationswechsel auf vielen Ebenen und die Planungen für den Neubau der MHH. Noch Anfang 2025 übernahm Michael Manns eine Seniorprofessur an dem von ihm mitgegründeten Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM), einer gemeinsamen Initiative des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der MHH.

    In seiner Forschung konzentrierte sich Manns auf Virushepatitiden, Autoimmunerkrankungen der Leber, hepatozelluläre Karzinome sowie die Transplantationsmedizin. Er war an klinischen Studien für neue Standardtherapien beteiligt und gründete das nationale Kompetenznetz Hepatitis, aus dem die Deutsche Leberstiftung hervorging.

    Für seine Verdienste wurde Manns vielfach geehrt. Er gehörte zu den weltweit am meisten zitierten Wissenschaftlern, hatte den Vorsitz etlicher namhafter Gesellschaften inne, unter anderem der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Leber (GASL), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sowie der United European Gastroenterology (UEG). Im April 2025 verlieh ihm der damalige Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) das Große Verdienstkreuz des Landes Niedersachsen.

    DLR_Anke_Kaysser-Pyzalla

    © Medizinische Hochschule Hannover

    Professor Michael P. Manns (16.11.1951 – 15.08.2025).
    Zur Person

    Professor Michael P. Manns war ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Lebererkrankungen und der Infektiologie. Er zählte zu den führenden Hepatitis-C-Forschern, entwickelte neue Standardtherapien für Patienten mit chronischer Hepatitis und arbeitete an Alternativen zu Lebertransplantationen. Von 1991 bis zum 1. April 2020 leitete Michael Manns die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH); von 2019 bis 2024 war er Präsident der MHH. Von 2015 bis 2019 fungierte er zusätzlich als Klinischer Direktor des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und Gründungsdirektor des Center for Individualised Infection Medicine (CiiM). Bevor er an die MHH kam, forschte und lehrte der 1951 geborene Mediziner in Berlin, San Diego und Mainz. Mitglied der GDNÄ wurde Michael P. Manns im Jahr 2000. Er verstarb am 15. August 2025.

    Weitere Informationen:

    Nachruf auf Dietrich von Engelhardt

    Nachruf auf Dietrich von Engelhardt

    „Wir werden ihn sehr vermissen“

    Er war der GDNÄ jahrzehntelang eng verbunden: als Veranstalter glanzvoller Tagungen, als Autor, Interviewpartner und wohlwollender, kompetenter Ratgeber: Nun ist Professor Dietrich Baron von Engelhardt im Alter von 83 Jahren in Karlsruhe verstorben. Für seine herausragenden Verdienste um die Weiterentwicklung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte wurde der renommierte Wissenschaftshistoriker 2016 mit der Alexander-von-Humboldt-Medaille ausgezeichnet.

    Nach Auskunft seiner Familie verstarb Dietrich von Engelhardt am 14. Januar 2025. „Über diesem Tode der Natur, aus dieser toten Hülle nur, geht eine schönere Natur, geht der Geist hervor“ – dieses Hegel-Zitat leitet die Traueranzeige ein und wer Dietrich von Engelhardt gekannt hat, wird es als überaus passend empfinden.

    „Für die GDNÄ ist der Tod von Dietrich von Engelhardt ein herber Verlust“, sagt der Schatzmeister und Generalsekretär der GDNÄ, Professor Michael Dröscher, und fügt hinzu: „Unvergessen bleibt das von ihm organisierte großartige Symposium zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ mit viel Prominenz aus Wissenschaft und Politik.“ Als Mitglied der GDNÄ-Bildungskommission sei Professor von Engelhardt Vordenker einer Allgemeinbildung durch Naturwissenschaften gewesen. Michael Dröscher: „Bis zuletzt stand er uns mit seinem profunden historischen Wissen ins stets liebenswürdiger Weise zur Seite. Wir werden ihn sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

    Die Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der GDNÄ enthält ein vierseitiges Interview mit Professor von Engelhardt. Auf die Frage, wie er sich die Robustheit der GDNÄ erkläre, antwortete er: „Vor allem mit ihrer Einzigartigkeit. Ihr Kernanliegen ist seit ihrer Gründung 1822 der interdisziplinäre Austausch zwischen Naturwissenschaftlern und Medizinern ebenso wie die Verbindung zu Philosophie und Gesellschaft.“ Wünschenswert fände er einen dezidierten Brückenschlag zu den Geisteswissenschaften, auch als Beitrag zur Lösung ethischer und juristischer Herausforderungen der Gegenwart.

    Noch im Sommer 2024 veröffentlichte Dietrich von Engelhardt das beeindruckende Werk „Goethe als Naturforscher im Urteil der Naturwissenschaft und Medizin des 19. Jahrhunderts“. Der umfangreiche Quellenband, der eine Forschungslücke schließt, ist in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ulrike von Engelhardt entstanden. In einem Interview auf dieser Website berichtete er von seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Goethe und dessen Arbeiten zu Themen aus Naturwissenschaften und Medizin. Sein Buch sei deren Rezeption im 19. Jahrhundert gewidmet, aber „notwendig und aufschlussreich wäre jetzt ein Vergleich mit den Reaktionen in den Geisteswissenschaften und Künsten seit dem 19. Jahrhundert bis heute – eine Arbeit, die ich anderen Forschern überlassen möchte.“ Jetzt verstehen wir, warum er das sagte.

    Dietrich von Engelhardt hinterlässt seine Ehefrau Ulrike von Engelhardt und fünf Kinder mit ihren Familien. Statt Blumen freuen sich die Angehörigen über eine Spende an Ärzte ohne Grenzen, IBAN DE72 3702 0500 0009 7097 00, Stichwort: Trauerfall Dietrich von Engelhardt.

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    © IMGWF – Lübeck

    Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt

    Zur Person

    Professor von Engelhardt war von 1983 bis 2007 Ordinarius für Geschichte der Medizin und Allgemeine Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten Naturphilosophie, Naturwissenschaften, Medizin in Idealismus und Romantik sowie europäische Wissenschaftsbeziehungen. 1997 organisierte Professor von Engelhardt ein großes Symposium zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ in Lübeck. Er war Herausgeber der zugehörigen Festschrift „Forschung und Fortschritt“ sowie der „Schriftenreihe über die Versammlungen Deutscher Naturforscher und Ärzte“. Dietrich von Engelhardt war Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Mitglied der GDNÄ war er seit 1981.

    Weitere Informationen:

    Bücher (Hg. Dietrich von Engelhardt)
    >> Forschung und Fortschritt, Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Stuttgart 1997 (Sammelband mit wegweisenden Reden von Lorenz Oken bis Hubert Markl; antiquarisch erhältlich)
    >> Zwei Jahrhunderte Wissenschaft und Forschung in Deutschland, Entwicklungen – Perspektiven“, Stuttgart 1998 (Tagungsband zum 175-jährigen Bestehen der GDNÄ; antiquarisch erhältlich)
    Interview auf dieser Website