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  • „Wir haben noch viele gute Ideen“

    Michael Dröscher, Generalsekretär und Schatzmeister der GDNÄ, über neuen Schwung für die Gesellschaft, Glanzlichter der Versammlung in Bremen und eigene Zukunftspläne.

    Herr Professor Dröscher, wir führen dieses Gespräch Anfang 2026. Sie tragen schon lange Verantwortung für die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte: seit elf Jahren als ihr Generalsekretär und seit neun Jahren als ihr Schatzmeister. Wo steht die GDNÄ heute?
    Die Mitgliederzahlen sind nicht nur stabil, wir dürfen sogar auf Zuwachs hoffen. Der positive Trend ist keineswegs selbstverständlich. Die meisten wissenschaftlichen Gesellschaften kämpfen heute mit sinkenden Mitgliederzahlen und oft fehlt der Nachwuchs. So war es lange Zeit auch bei uns. 

    Was hat zur Trendwende geführt?
    Entscheidend war die Gründung des Jungen Netzwerks der GDNÄ, kurz jGDNÄ genannt. Das Netzwerk steht Naturwissenschaftlern und Medizinern bis 32 Jahre offen und entwickelt sich prächtig. Ein erster selbst organisierter Kongress fand im Juni 2025 in Heidelberg statt, der nächste ist für 2027 geplant. Die Nachwuchsmitglieder sind sehr engagiert und bringen neuen Schwung in unsere altehrwürdige Gesellschaft.

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Michael Dröscher mit jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der GDNÄ-Versammlung in Potsdam 2024.

    Wie gelingt ihnen das?
    Sie bespielen zum Beispiel unseren LinkedIn-Kanal, der unter dem Namen „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“ firmiert. Ich empfehle allen Mitgliedern, sich das mal anzuschauen und Follower zu werden. Der jGDNÄ verdanken wir auch den Hinweis auf den Youtuber und Buchautor Jacob Beautemps, dem wir im Dezember die Oken-Medaille für seine hervorragenden Beiträge zur Wissenschaftskommunikation verliehen haben. Derzeit sind die jungen Mitglieder auch dabei, regionale Strukturen aufzubauen – mit Gruppen in Aachen, in Heidelberg, Bochum und Greifswald. Gemeinsam haben wir eine Geschäftsordnung entworfen, die Rechte und Pflichten der jGDNÄ definiert. Das Regelwerk soll bei der nächsten Versammlung in Bremen beschlossen werden. 

    Was motiviert die jungen Leute?
    Sie spüren, glaube ich, dass wir uns über sie freuen. Bei uns haben sie große Freiräume und wir beteiligen sie, wo immer es geht. So sind bei Vorstandsratssitzungen immer auch Vertreterinnen und Vertreter der jGDNÄ dabei. Viele schätzen die Kontakte zu etablierten GDNÄ-Mitgliedern und nutzen die Gelegenheiten, sich fortzubilden. Derzeit entwickeln wir zum Beispiel ein Pilotprojekt zur Medizinkommunikation mit zweitägigen Workshops für unsere jungen Leute. Das Format passt gut zum Thema des Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“.

    Die meisten Mitglieder sind älter als 32 Jahre. Was sind Ihre Argumente, um diese Gruppe in der GDNÄ zu halten? Und um neue Mitglieder aus der Altersklasse zu gewinnen?
    Da gibt es eine ganze Reihe von guten Argumenten. So fördert jeder Mitgliedsbeitrag, jede Spende und jedes Vermächtnis junge Leute in den Naturwissenschaften und in der Medizin, sei es in unserem Schülerprogramm oder in der jGDNÄ. Mit den Beiträgen finanzieren wir unsere kleine, aber sehr effizient arbeitende Geschäftsstelle, die unsere vielen Aktivitäten erst möglich macht. Ich denke zum Beispiel an die feierliche Verleihung der Lorenz-Oken-Medaille beim Wissenschaftsforum in Stuttgart, die sehr gut besucht war und uns in wichtigen Zielgruppen bekannter macht. Mit unserer Website, mit den Videos von Vorträgen bei den Versammlungen tragen wir zur Wissenschaftskommunikation bei – all das kostet natürlich Geld. Darüber hinaus profitieren unsere Mitglieder direkt von Vergünstigungen, etwa bei den Versammlungen und beim Bezug unseres Vereinsorgans, der Naturwissenschaftlichen Rundschau. Sie werden auch zu unseren Regionaltreffen eingeladen, die wir jetzt verstärkt anbieten wollen.

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Im Auditorium der Versammlung 2024 in Potsdam: Martin Lohse, Michael Dröscher und Paul Mühlenhoff (v.l.n.r.).

    Ein Regionaltreffen fand im Sommer 2025 in Leipzig statt. Wie geht es weiter?
    Das Leipziger Treffen war ein guter Auftakt. Am 13. März setzen wir die Serie in Bremen fort, die Einladungen wurden dieser Tage verschickt. Unser Geschäftsführer Wissenschaft für die nächste GDNÄ-Versammlung, Professor Michal Kucera, wird einen Vortrag über seine klimawissenschaftliche Forschung halten und mit den Teilnehmern diskutieren. Gastgeber der Veranstaltung ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Bremen. Weitere Regionaltreffen sind in Planung.

    Vom 17. bis 20. September findet die 134. Versammlung der GDNÄ statt. Wie weit sind die Vorbereitungen gediehen?
    Das Programm (PDF) steht, die Vorarbeiten sind in vollem Gange. Wir haben wieder tolle Vorträge und ein Begleitprogramm vom Feinsten. Ein Highlight ist sicher der öffentliche Vortrag von Professor Ben List, dem Chemie-Nobelpreisträger 2021, am Abend des 19. September. Auch zum Vortrag von Professor Thomas Zurbuchen von der ETH Zürich zum Thema Luft- und Raumfahrt ist die Öffentlichkeit eingeladen. Er spricht am Vorabend der Eröffnung, an dem wir auch zum beliebten Science Slam „Wissenschaft in 5 Minuten“ einladen. Bei der Eröffnungsveranstaltung spricht die Bremer Wissenschaftssenatorin ein Grußwort. Wir haben wieder ein Schülerprogramm organisiert – mit rund hundert Schülerinnen und Schülern aus der Region und etwa fünfzig Studierenden. Im Foyer ist eine Poster-Ausstellung vorgesehen, für die beiden besten Poster gibt es Preise. Apropos: Wir verleihen wieder die Alexander-von-Humboldt-Medaille für herausragende Verdienste um die GDNÄ und die Gesellschaft Deutscher Chemiker überreicht die Liebig-Denkmünze. Die jGDNÄ organisiert zum ersten Mal ein Studierenden-Café in Eigenregie. Es wird eine Versammlung der kurzen Wege sein, alle Veranstaltungen finden auf einer Ebene statt. Das Congress Centrum ist nur zehn Fußminuten vom Bremer Zentrum entfernt. Eins noch: Das Schlusswort soll diesmal wirklich am Sonntagmittag gesprochen werden, damit alle beizeiten nach Hause kommen.

    Es wird Ihre letzte Versammlung als Generalsekretär sein. Warum eigentlich?

    Ich gehe auf die Achtzig zu und ziehe mich allmählich aus meinen Ehrenämtern in Kuratorien und anderen Gremien von Wissenschaftseinrichtungen zurück. Mein Amt als GDNÄ-Generalsekretär übernimmt Professor Stefan Buchholz, mit dem ich in den vergangenen Monaten viele Termine gemeinsam absolviert habe. GDNÄ-Schatzmeister werde ich noch bis Ende 2027 bleiben. So lange geht auch mein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung. Für die Zeit danach freue ich mich auf mehr Zeit für die Familie und mehr Ruhe.

    Wie sehen Sie die Zukunft der GDNÄ?
    Der Trend ist, wie gesagt, positiv – jetzt müssen wir alles dafür tun, damit das anhält. Die GDNÄ behauptet sich seit 204 Jahren in der Welt der Wissenschaft, sie hat Glanzzeiten erlebt und Krisen überstanden. Heute kämpfen auch große wissenschaftliche Gesellschaften um die Aufmerksamkeit des Publikums, das macht es für uns nicht leichter. Aber wir haben viele gute Ideen, die wir umsetzen möchten und für die wir Mittel brauchen. Als Schatzmeister werde ich deshalb nicht müde, an die Großzügigkeit unserer Mitglieder zu appellieren. Es ist gut angelegtes Geld, dafür stehe ich mit meinem Namen.

    Michael Droescher © MIKA-fotografie | Berlin

    © MIKA-fotografie | Berlin

    Prof. Dr. Michael Dröscher, Generalsekretär und Schatzmeister der GDNÄ.

    Zur Person

    Seit 2017 ist Professor Michael Dröscher Schatzmeister und Vorstandsmitglied der GDNÄ und seit 2015 deren Generalsekretär. Er kam 1949 in Kirn an der Nahe zur Welt, absolvierte ein Chemiestudium in Mainz und schloss dort auch seine Promotion ab.  Anschließend nahm er eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg an und habilitierte sich mit nur 31 Jahren für das Fach Makromolekulare Chemie. Seine akademische Laufbahn setzte er zunächst als Privatdozent und von 1988 an als außerplanmäßiger Professor an der Universität Münster fort.

    Mehr noch als für die Grundlagenforschung interessiert sich Michael Dröscher für die Anwendung wissenschaftlicher Ergebnisse und so führte ihn sein Weg in die Industrie. Er startete 1982 als Laborleiter und 1984 als Abteilungsleiter bei der Hüls AG im nordrhein-westfälischen Marl. Bei Hüls und den Nachfolgeunternehmen Degussa-Hüls und Evonik-Industries AG sollte er in wechselnden Funktionen 27 Jahre bleiben. 1997 wurde Michael Dröscher zum Geschäftsführer der damals neu gegründeten Hüls-Tochter Creavis Gesellschaft für Technologie und Innovation mbH berufen. Fünf Jahre später, im Jahr 2002, wurde Michael Dröscher Innovationsmanager der Degussa AG, die später Teil der Evonik wurde.

    Darüber hinaus engagierte sich Michael Dröscher in Fachgesellschaften, unter anderem als Vorsitzender der Deutschen Bunsengesellschaft (2005 bis 2006) und von 2010 bis 2011 als Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker und als Manager des Clusters CHEMIE.NRW.

    Er ist Vorsitzender des Verwaltungsrats des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim und war Mitglied mehrerer Kuratorien und Beiräte der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und von Hochschulinstituten.

    Außenansicht des Congress Centrums Bremen. © M3B GmbH

    @ M3B GmbH

    Außenansicht des Bremer Congress Centrums, in dem die 134. Versammlung der GDNÄ vom 17.-20. September 2026 stattfindet.
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