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  • „Schön ist es, andere zu inspirieren“

    Jacob Beautemps, Wissenschafts-Youtuber und GDNÄ-Preisträger, über die Regeln guter Kommunikation und wie es kam, dass er nicht Lehrer wurde.

    Herr Dr. Beautemps, Sie sind 32 Jahre alt, haben schon mehrere Preise für Ihre Art der Wissenschaftskommunikation bekommen und erhalten am 3. Dezember zusätzlich die Lorenz-Oken-Medaille der GDNÄ. Was macht Sie so erfolgreich?
    Ob ich jetzt so erfolgreich bin, weiß ich nicht. Aber zumindest bin ich seit acht Jahren konstant auf verschiedenen Medienkanälen unterwegs und bisher sind mir keine großen Fehler unterlaufen. Als Science-Youtuber veröffentliche ich jede Woche zwei neue Videos zu Wissenschaftsthemen – immer basierend auf Studien und anderen seriösen Quellen, die ich so transparent wie in einem wissenschaftlichen Paper angebe. Meine Community mag das und die ist mittlerweile auf mehr als 700.000 Leute angewachsen. Ich mache auch Dokumentationen fürs Fernsehen wie zum Beispiel die Serie Science for Future im SWR oder Beiträge für die Kindersendung Tigerenten Club in der ARD. Anfang des Jahres ist mein erstes Buch mit dem Titel Unsere Zukunft neu denken erschienen. Naja, und überall versuche ich so exakt wie möglich zu arbeiten und transparent mit meinen Quellen zu sein. 

    Was ist Ihr liebstes Format?
    Ganz klar Youtube. Das Medium ist unkompliziert, schnell und flexibel. Ich bin völlig frei in der Gestaltung der Videos, es redet mir niemand rein. Was nicht heißen soll, dass ich nicht gern dazulerne – zum Beispiel von den Fernsehprofis, mit denen ich zusammenarbeite. Das neue Know-how nutze ich dann wieder für meine Videos. Seit einem Jahr betreibe ich auch einen englischsprachigen Kanal für das internationale Publikum. Schauen Sie mal unter The German Science Guy

    @ IdeenExpo

    Auf der Bühne der IdeenExpo 2024 in Hannover zeigt Jacob Beautemps wie man Eis mithilfe von Stickstoff herstellt. Die seit 2007 alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung will junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik begeistern.

    Wie wählen Sie Ihre Themen aus?
    Mich interessieren vor allem Zukunftsthemen und Themen, die viel diskutiert werden, bei denen aber kaum jemand mal etwas tiefer reinschaut. Wichtig ist da immer der Bezug zu unserem Leben. Ein Beispiel ist die Wärmepumpe. Da wurde viel drüber gestritten und die meisten Leute wussten gar nicht, was das Prinzip dahinter ist. Hier habe ich dann einen Deep Dive gemacht, der fast 20 Minuten dauerte, dafür aber wirklich das Prinzip erklärt hat. Das Video haben sich am Ende mehr als 1,2 Millionen Menschen angeschaut. 

    Ihr Spektrum reicht vom Polio-Impfstoff über Krachmacher im Urwald bis zum Strom aus Regen. Wie schaffen Sie es, über all diese Themen kompetent zu berichten? 
    Zum Glück habe ich ein tolles Team, das mir bei Recherche und Umsetzung hilft. Wir sind momentan zu fünft in der Redaktion. Unser Ziel ist immer, wissenschaftlich fundierte Videos auf dem neuesten Forschungsstand zu produzieren.

    Und wenn einmal ein Fehler passiert?
    Das kommt vor und dann ist es wichtig, transparent damit umzugehen. Ich spreche den Fehler in einem der nächsten Videos an und stelle die Sache richtig. Das schafft Vertrauen.

     Wie reagiert das Publikum auf Ihre Beiträge?
    Bei Youtube zuerst mit Klickzahlen, derzeit sind es im Schnitt 4,5 Millionen Aufrufe pro Monat. Ich habe das Glück, mit Anfeindungen kaum zu tun zu haben. Und wenn doch, dann bekriege ich mich nicht mit den Leuten, sondern verweise auf die Quellen, welche ich ja immer angebe. Schön ist es, wenn ich andere inspirieren kann. Da gibt es dann Kommentare wie: Hey, durch Dich bin ich auf das Thema erneuerbare Energien gekommen, das studiere ich jetzt. Oder: Ich berichte über ein Start-up, besuche es später noch einmal und treffe dort Leute, die durch mich auf die Firma aufmerksam wurden und jetzt dort arbeiten.

    Es gibt auch andere erfolgreiche Science-Youtuber in Deutschland. Unliebsame Konkurrenz für Sie?
    Ganz im Gegenteil, wir profitieren voneinander. Wer zum Beispiel ein Video von Mai Thi anschaut, hängt anschließend oft noch eins von mir dran – und umgekehrt. Außerdem haben wir unterschiedliche Schwerpunkte. Bei mir geht es meistens um Innovationen, bei anderen Science-Youtubern vielleicht eher um Ernährung oder Medizin. Das ist das Schöne an YouTube: Man muss nicht wie im TV um Sendeplätze kämpfen, sondern fördert sich gegenseitig.

    @ Beautemps

    Jacob Beautemps im Interview mit Bill Gates und Polio-Überlebenden. In dem 2023 geführten Gespräch ging es um die internationale Polio-Initiative, die Gates maßgeblich unterstützt.

    Bei der Preisverleihung in Stuttgart werden Sie eine Rede halten und einige Regeln erfolgreicher Wissensvermittlung vorstellen. Welche sind das?
    Ich kann ein paar Beispiele geben. Aus der Forschung wissen wir, wie hilfreich es ist, mit Fragen zu arbeiten. Hierbei geht es nicht nur darum, mit Fragen neugierig zu machen. Experimente konnten zeigen, dass das gezielte Thematisieren von falschen Vorstellungen sehr dabei hilft, diese aufzulösen. Ohne diese Fragen, das ergaben die gleichen Experimente, findet kaum ein Lerneffekt statt. Größtmögliche Transparenz ist weiterer Punkt. Dazu gehört, dass man sich mit der eigenen Expertise vorstellt und darlegt, woher die präsentierten Informationen kommen. So entsteht Vertrauen und das ist das A und O guter Kommunikation. Besonders einprägsam werden Botschaften durch Visualisieren und Emotionalisieren. Es gibt da ganz viele Tricks – in Stuttgart werde ich ein paar Beispiele nennen.

    Wie kamen Sie eigentlich zur Wissenschaftskommunikation?
    Das war ein totaler Zufall. Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Während meines Studiums in Physik und Sozialwissenschaften habe ich bei der Kölner Produktionsfirma von Günther Jauch gejobbt, immer hinter der Kamera. Als ich gefragt wurde, ob ich einen Youtube-Kanal für die Firma aufbauen könne, habe ich das gemacht. Auch hier blieb ich hinter der Kamera. Irgendwann kam die Frage, ob ich nicht auch mal vor die Kamera gehen wolle. Zuerst sagte ich, nee, eigentlich nicht, aber mit Mitte Zwanzig habe ich es doch gemacht. Dann ergab eins das andere.

    Eine Promotion ist für Ihren Beruf nicht unbedingt erforderlich. Sie haben sich dennoch dafür entschieden. Warum?
    Aus purer Neugier. Mich interessierte die Frage, warum und wie die Leute Lernvideos nutzen und was solche Videos erfolgreich werden lässt. Dazu habe ich dann eine Studie mit rund fünftausend Erwachsenen aus Deutschland gemacht, die häufig Wissenschaftsvideos anschauen und bin zu ein paar interessanten Ergebnissen gekommen. Zum Beispiel: Ein wichtiger Grund für das Publikum, sich mit einem Thema zu beschäftigen, ist die Person vor der Kamera. Da entsteht eine parasoziale Beziehung, das Gefühl, den anderen zu kennen, auch wenn man sich nie persönlich begegnet ist. Man verbringt Zeit miteinander, mit der Zeit entwickelt sich Vertrauen. Aus meinen Ergebnissen habe ich einen Leitfaden mit 17 Regeln für die bestmögliche Produktion von Lernvideos abgeleitet. Im Prinzip kann die Studie aber allen, die kompetent kommunizieren wollen, von Nutzen sein. Denn die gleichen Regeln gelten auch, wenn ich eine Präsentation mache, einen Kurs halte oder sonst wo etwas erklären will, das nicht ganz trivial ist. 

    Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
    Viele, wobei mir gerade ein Vorhaben besonders am Herzen liegt: Im nächsten Jahr will ich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaftskommunikation einen Preis für Innovationen made in Germany ins Leben rufen. Deutschland ist ein hochinnovatives Land, das möchten wir einem großen Publikum zeigen. Aktuell sind viele Leute hier zu pessimistisch. Es wird Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien geben, zum Beispiel für Neuerungen in den Bereichen Medizin, Energie und Mobilität. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen wird uns helfen, unter den hoffentlich vielen Bewerbungen die überzeugendsten Projekte zu identifizieren. Die stellen wir dann in Videos vor und lassen unsere Communities über die Preisträger abstimmen. Aktuell suchen wir nach Partnern und bitten Unternehmen und Wissenschaftsinstitutionen um Unterstützung.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    © Boris Breuer

    Dr. Jacob Beautemps

    Zur Person

    Jacob Beautemps kam 1993 zur Welt und wuchs in Essen auf. Nach dem Abitur studierte er Physik und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln. Neben dem Studium jobbte er bei der Produktionsfirma i&u TV von Günter Jauch. Sein 2018 gegründeter Youtube-Kanal Breaking Lab überschritt im Juni 2022 die Marke von 500.000 Abonnenten und hat Ende 2025 knapp 720.000 Abonnenten. Im Sommer 2022 erhielt Jacob Beautemps mit Science for Future ein eigenes Doku-Format in der ARD-Mediathek.

    Beautemps tritt regelmäßig als Redner sowie als Gast in Fernsehsendungen auf. Sein 2025 erschienenes Buch Unsere Zukunft neu denken ist in Deutschland ein Bestseller. 2024 promovierte er am Institut für Physikdidaktik der Universität zu Köln zu der Frage, wie Erwachsene mithilfe von Youtube-Videos lernen. Für seine Beiträge erhielt er etliche Auszeichnungen, darunter 2024 die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Am 3. Dezember 2025 ehrt die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte Jacob Beautemps mit der Lorenz-Oken-Medaille für die exzellente Vermittlung von Wissenschaftsthemen an ein junges Publikum.

    Saarbrücken 2018 © Robertus Koppies

    @ IdeenExpo

    Moderator Jacob Beautemps bei der Show „Wissen live“ auf der IdeenExpo 2024.
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