Lorenz-Oken-Medaille geht an Prof. Harald Lesch

Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte hat dem Astrophysiker, Naturphilosophen, Wissenschaftsjournalisten, Fernsehmoderator und Hochschullehrer Professor Dr. Harald Lesch die Lorenz Oken Medaille 2017 verliehen. Die Auszeichnung erfolgte im Rahmen der Tagung „10. Forum Wissenschaftskommunikation“ (27.-29. November) in Braunschweig. Mit der Lorenz Oken Medaille ehrt die GDNÄ Menschen, die sich um den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft besonders verdient gemacht haben. „Harald Lesch versteht es vorzüglich, in kurzen Vorträgen und Zwiegesprächen komplexe wissenschaftliche Sachverhalte dem Zuschauer nahe zu bringen“, sagte Prof. Dr. Michael Dröscher, Generalsekretär der GDNÄ bei der Festveranstaltung.

Lesch ist breiteren Kreisen bekannt durch seine Medienpräsenz im Fernsehen. So moderiert er beispielsweise die ZDF-Reihe „Leschs Kosmos“, ist Autor und Mitbetreiber des Youtube-Kanals „Urknall, Weltall und das Leben“ und hat Aufsehen erregt durch sein populärwissenschaftliches Buch „Die Menschheit schafft sich ab“, in dem Lesch eine ökologische Bestandsaufnahme der Erde wagt. „Harald Lesch lässt das Licht der Aufklärung hell leuchten“, stellte der Laudator für die diesjährige Verleihung der Oken Medaille, der Pressesprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, Dr. Dr. Jens Simon, in seiner Ansprache fest u‎nd erfand Lesch zu Ehren ein ganz eigenes, physikalisches Elementarteilchen: das Haraldon. „Die Haraldons sind die Austauschteilchen zwischen Harald Lesch und seinem Publikum. Die Menge der Haraldons ist ein Gradmesser für den überspringenden intellektuellen Funken.“

In seiner mitreißenden und emotionalen Festrede, in der er die ganze Bühne mit schauspielerischer Dramaturgie, Wortgewandtheit und viel Humor zu nutzen wusste, ließ Lesch den Funken in hohem Bogen auf die Zuhörer überspringen. „Triumph und Tragödie“ war der Titel seines Vortrags. Lesch beschrieb darin, wie die Menschheit es mit Hilfe der Naturwissenschaften geschafft hat, sich ihre Umwelt, den Planeten, ja sogar das ganze Universum zunehmend verständlich zu machen. „Wir haben dabei einen Kenntnisstand von so hoher Komplexität erreicht, dass er für manche Menschen schon wieder unheimlich geworden ist“, so Lesch. Das bedrohe heute nicht nur die Wissenschaft, sondern die menschlichen Lebensgrundlagen selbst.

Die Gründe für diese Entwicklung liegen für Lesch auf der Hand: Ein Bildungssystem, das nicht mehr für alle da ist, und die Beschränkung der Wissenschaft auf den naheliegenden, ökonomischen Nutzen: „Als Jugendlicher hat mich nicht interessiert, welche Anwendungen die Raumfahrt möglich macht“, so Lesch: „Ich wollte schlicht und ergreifend das Universum verstehen – und das hat mich enorm angespornt. Wir brauchen wieder mehr Menschen, die sich der Wissenschaft aus Freude an der Erkenntnis widmen. Das versuche ich in meinen Sendungen und Beiträgen rüberzubringen.“ „Diesen Anspruch erfüllt Harald Lesch in besonderer Weise“, hob GDNÄ-Generalsekretär Dröscher bei der Überreichung der Medaille hervor: „Und das ist eine Leistung, die in der schnell getakteten Medienwelt gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Harald Lesch ist deshalb ein besonders würdiger Träger der Lorenz Oken Medaille.“

v.l.n.r.: Generalsekretär Prof. Dr. Michael Dröscher, Preisträger Prof. Dr. Harald Lesch, Laudator Dr. Dr. Jens Simon (PTB)
Prof. Dr. Michael Dröscher überreicht Urkunde und Medaille.
Der Generalsekretär der GDNÄ erläutert die Bedeutung und Tradition der Lorenz-Oken-Medaille.
Laudator Dr. Dr. Jens Simon, Pressesprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, überrascht das Plenum durch die humorvolle Einführung eines neuartigen Elementarteilchens, nämlich des „Haraldons“.
Mit schauspielerischem Talent und klugen Worten fesselte der Preisträger, Prof. Dr. Harald Lesch, das Publikum auf dem 10. Forum Wissenschaftskommunikation in Braunschweig.
Die versammelte Zuhörerschaft und auch der Moderator der Veranstaltung, Hannes Schlender (Bildmitte), ließen sich vom engagierten und pointierten Vortrag mitreißen und begeistern.

Fotos: WID/Gesine Born