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  • „Hoffentlich kommen bald Lockerungen“

    Eda Siakir Oglou macht ihr Abitur im Corona-Jahrgang 2020. Was das bedeutet und wie ihre Schule im hessischen Schwalbach am Taunus darauf vorbereitet ist, schildert die 18-Jährige im Interview.

    Frau Siakir Oglou, Sie haben gerade Ihr Abitur geschrieben – mitten in der Coronakrise. Fühlten Sie sich dadurch beeinträchtigt?Eigentlich nicht. Wir hatten in den Monaten vorher schon vieles von dem, was im Abitur-Erlass Hessen steht, im Unterricht behandelt. Zusätzlich hatte ich die Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen aus dem letzten Abi-Jahrgang durchgearbeitet – vor allem in meinen Leistungskursen Biologie und Kunst. Ich fühlte mich gut vorbereitet und tatsächlich lief dann in der Prüfung auch alles glatt.

    Das klingt, als hätten Sie den Unterricht auf der Endstrecke nicht allzu sehr vermisst.
    Ja, so könnte man sagen. Ich arbeite gern eigenständig und kann mir den Stoff über Bücher und per Internet gut selbst erschließen. In der Vorbereitungszeit war jeder Tag durchgeplant mit Abi-Vorbereitung bis mittags und einer Freizeitaktivität am Nachmittag. Insgesamt hatte ich mehr Zeit für mich als vorher, weil durch die Schulschließung zwei Stunden Busfahrt wegfielen. Mein Alltag war weniger stressig – ich habe die Zeit ziemlich genossen.

    Gab es Kontakt zu den Lehrern?
    Ja, einige Lehrer haben uns Aufgaben oder Tipps fürs Lernen geschickt. Das lief meistens per E-Mail. In die Schul-Cloud, die es seit gut einem halben Jahr gibt, wurde kaum etwas eingestellt. Das geht erst jetzt ganz langsam los.

    In den Medien wird derzeit die mangelnde Digitalisierung deutscher Schulen beklagt. Zu Recht?
    Ich kann das nur für meine Schule sagen und da trifft die Kritik teilweise zu. Immerhin gibt es bei uns Computerräume, in denen wir gelegentlich in Gruppen arbeiten. Wir haben Beamer, um Powerpoint-Präsentationen anzuschauen oder auch mal einen Schulfilm in Biologie.  Einige Lehrer benutzen noch Overheadprojektoren im Unterricht. Arbeitsblätter werden massenhaft ausgedruckt und kopiert – da könnte man durch den Einsatz digitaler Medien sehr viel Papier sparen. Toll fände ich es, wenn der Lernstoff in der Schul-Cloud stehen würde. Das wäre für alle viel transparenter und zuverlässiger als jetzt mit E-Mails – da weiß man nie, ob sie auch wirklich angekommen sind.

    Wie halten Sie in diesen Wochen Kontakt zu Ihren Freunden?
    Vor allem über WhatsApp. Am Anfang der Coronakrise haben wir uns noch persönlich getroffen, später fiel das dann weg. Ich vermisse meine Freunde sehr, den Austausch in den Pausen, den direkten Kontakt – das können soziale Medien nicht ersetzen. Deshalb hoffe ich, dass wir uns bald Lockerungen erlauben können.

    Ihre Schulzeit ist in wenigen Wochen vorbei. Gibt es schon Pläne für danach?
    Ja, klar. Am liebsten würde ich Biomedizin an einer deutschen Universität studieren. Für den Fall, dass das nicht klappt, habe mich um ein Studienstipendium im Fach Biologie in der Türkei beworben.

    Sie sind der GDNÄ seit 2018 verbunden – als Teilnehmerin des Schülerprogramms in Saarbrücken. Es ging um die Digitalisierung der Wissenschaften. Können Sie sich noch an Details erinnern?
    Und ob. Ich erinnere mich an anspruchsvolle, faszinierende Vorträge und dass ich, wenn es um Biologie ging, sehr gut mitkam – dank der tollen Vorbereitung im Leistungskurs. Unvergesslich war der Auftritt von Nobelpreisträger Klaus von Klitzing. Die Labortouren haben mir besonders gut gefallen, aber auch das Format „Wissenschaft in fünf Minuten“, weil Schüler da selbst etwas gestalten können. Und natürlich das Kulturprogramm mit Ballett und Konzert – uns wurde viel geboten und ich fühlte mich sehr geehrt.

    Können Sie sich vorstellen, die Verbindung aufrechtzuerhalten?
    Ja, auf jeden Fall. Ich würde die Versammlungen sehr gern weiterhin besuchen. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich ja noch ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

    Noch Schülerin, bald Studierende: Eda Siakir Oglou macht gerade Abitur an der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach am Taunus.